Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Als Landlebensräume bevorzugt die Geburtshelferkröte sonnig-warme, offene, wenig bewachsene Gebiete, die bodenfeuchte Versteckmöglichkeiten im Untergrund (lockeres Gestein, Sand, Humus oder Lehm) aufweisen.

Ursprünglich war die Geburtshelferkröte v.a. in Auen mit ihren Überschwemmungsflächen und Tümpeln verbreitet. Diese natürlichen Lebensräume sind weitgehend verloren gegangen. Heute finden sich die Hauptvorkommen in durch Menschen geschaffenen Ersatzlebensräumen wie Abgrabungsflächen (Steinbrüche, Ton- und Kiesgruben o.ä.), militärischen Übungsplätzen, Bahndämmen, Halden, Industriebrachen, Gärten oder Friedhöfen. In der Agrarlandschaft nutzt sie vorwiegend großflächige und nur mit geringer Viehdichte beweidete Flächen ohne Düngung und Spritzmitteleinsatz. In Siedlungsgebieten findet man die Geburtshelferkröte (früher durchaus häufig) in besonnten, fugenreichen Mauern, auf Terrassen, in Steinhaufen oder Holzstapeln. Aber auch gut besonnte Waldränder, Böschungen und Geröllhalden werden besiedelt. Im Winter werden zum Teil auch Keller aufgesucht.

Bei der Wahl der Larvalgewässer ist die Geburtshelferkröte wenig anspruchsvoll. Sie nutzt eine breite Palette sonniger bis halbschattiger Gewässer unterschiedlichster Größe und Wasserführung. Das Spektrum reicht von nur zeitweilig wasserführenden Kleinstgewässern wie Wagenspuren über kleine Tümpel, Teiche bis zu größeren Stillgewässern. Waldteiche, Auengewässer oder auch Staustellen in Fließgewässern werden genutzt, ebenso wie verschiedene Nutzweiher (z.B. Feuerlöschteiche). Lediglich rasch fließende und sehr saure Gewässer werden gemieden. Ebenso verhindern größere Fischdichten eine Besiedlung. Die Geburtshelferkröte wird nach etwa 2-3 Jahren geschlechtsreif und kann wahrscheinlich ein Alter von 8 Jahren und mehr erreichen (Günther & Scheidt 1996).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Fortpflanzungszeit der Geburtshelferkröte erstreckt sich von März bis August, teilweise bis September. Die Tiere sind vorwiegend nacht- und dämmerungsaktiv. Tagsüber halten sie sich unter Geröll, in Erdhöhlen, Holzstapeln oder Steinhaufen auf. Insbesondere an feuchtwarmen Abenden ertönen die Rufe, die sich von Weitem wie Glockengeläut anhören („Glockenfrosch“).

Nach der Paarung, die an Land stattfindet, wickelt sich das Männchen die Laichschnüre des Weibchens um die Hinterbeine. Je nach Temperatur tragen die Männchen die Eier 15-50 Tage und benetzen sie, wenn nötig, regelmäßig mit Wasser. Erst unmittelbar vor dem Schlupf wird ein geeignetes Gewässer aufgesucht und der Laich abgegeben. In der Folge beginnt das Männchen wieder zu rufen und kann sich während der Saison in der Regel noch weitere Male verpaaren.

Durch diese Art der Brutfürsorge werden gegenüber den im Wasser ablaichenden Amphibien sehr hohe Schlupfraten erzielt, da die Verluste durch Fressfeinde gering gehalten werden. Zudem sind die Larven größer und weiter entwickelt als die anderer Arten, so dass generell eine höhere Überlebenschance besteht.

Abhängig von den Witterungsbedingungen, dem Schlupfzeitpunkt und Nahrungsangebot wandeln sich die Larven innerhalb von 9-12 Wochen zur Jungkröte um. Spät geschlüpfte Larven oder Larven in kühlen Larvalgewässern überwintern im Gewässer und wandeln sich erst im folgenden Jahr um. Sie erreichen dann Gesamtlängen von 60-80, selten auch 90 mm.

Die Alttiere und Jungkröten überwintern an Land.

Da die Geburtshelferkröte nacht- und dämmerungsaktiv ist und ihre Tagesverstecke überwiegend in den nicht landwirtschaftlich genutzten Bereichen der Landschaft sucht, wird sie durch Landnutzungsaktivitäten kaum beeinträchtigt. Das Gleiche gilt für die Landlebensräume in großflächigen Viehweiden. Da die Tiere in der Regel dreimal im Jahr Eier ablegen, wandern sie im Zeitraum von Mitte/Ende April bis Ende August dreimal von ihren Landlebensräumen zu den Larvengewässern. Dabei können sie landwirtschaftliche Nutzflächen passieren. Hier kann es zu Beeinträchtigungen der Tiere durch mineralische Dünger kommen (Lesen Sie mehr zu dieser Problematik unter „ Gefährdungsdispositionen Amphibien“).

In den Wohnhöhlen und Winterquartieren sind die Tiere ganzjährig durch das Befahren mit schweren Maschinen gefährdet.