Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Im Halbschatten gras- und krautreicher Wälder, in Säumen und lichten Gebüschen bildet der Frauenschuh zum Teil stattliche Bestände aus. Auf zu starke Beschattung durch höherwüchsige Pflanzen reagiert er sehr empfindlich und büßt schnell seine Blühfähigkeit ein. Auch der Witterungsverlauf beeinflusst die Blütenbildung des Frauenschuhs sehr stark. Zu starke Trockenheit beeinträchtigt den Frauenschuh vor allem in der Keimlingsphase. In dieser Zeit ist er auf konstant mäßig feuchte Bedingungen angewiesen. Im Herbst sterben die oberirdischen Teile der Pflanze ab. Als Geophyt überwintert er mit einem unterirdischen Wurzelspross (ca. 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche) und treibt im Frühjahr neu aus. Frauenschuh-Exemplare können bei optimalen Bedingungen sehr alt werden und aufgrund ihrer Fähigkeit zu klonalem Wachstum (Vermehrung durch unterirdische Sprossausläufer) ist die Lebensdauer theoretisch zeitlich nicht begrenzt.

Die angestammten Lebensräume des Frauenschuhs sind v.a. Orchideen-Buchenwälder.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Bis zur erstmaligen Ausbildung einer Blüte ist es für den Frauenschuh ein langer Weg, der sechs bis zehn Jahre dauern kann (Kull 1988, 1995). Aus den staubfeinen Samen, die hauptsächlich durch den Wind ausgebreitet werden, entstehen Keimlinge, die in ihrer Entwicklung von einem ganz bestimmten Pilz (Rhizoctonia spp.) abhängig sind (Shefferson et al. 2005). Nur dort, wo ein symbiontisches Zusammenleben dieses Mykorrhiza-Pilzes und des Keimlings möglich ist, können sich über mehrere unter- und oberirdische Stadien reproduktionsfähige Pflanzen entwickeln. Der Einsatz von Fungiziden im Waldbau hat somit einschneidenden Einfluss auf Frauenschuh-Vorkommen. Das erste Blatt tritt meist nach vier Jahren in Erscheinung. Weitere Blätter entstehen dann in den Folgejahren. Diese extrem lange Entwicklungsphase macht eine Neubegründung von Vorkommen des Frauenschuhs besonders schwierig. Gerade deshalb ist es wichtig, eine möglichst große Vielfalt an lichten Bereichen im Wald anzustreben und dauerhaft zu erhalten.

Der in etwa 10 cm Tiefe horizontal verlaufende Wurzelspross (Rhizom) ist zum Teil verzweigt und zeigt zickzackförmiges Wachstum. Jährliche Zuwächse und damit das Mindestalter der Pflanze sind so leicht zu erkennen. Der älteste Teil des Rhizoms beginnt allerdings nach einigen Jahren (ab ca. 20 Jahren) vom Ende her abzusterben, was Aussagen über das exakte Alter schwierig macht (Kull & Kull 1991). Ist nach vielen Jahren ein bestimmtes Entwicklungsstadium erreicht, treiben aus dem Wurzelspross Blütenstände mit ein bis zwei, in seltenen Fällen sogar bis zu vier Blüten aus. Sie gehören zu den größten Blüten der europäischen Orchideenarten und der mitteleuropäischen Pflanzenarten überhaupt. Ihre auffällige Form und Farbe lockt Insekten an, die für eine erfolgreiche Bestäubung der Blüten nötig sind. Die Hauptblütezeit erstreckt sich je nach Lage und Exposition des Bestandes von Ende April bis Anfang Juli. Um die Bestäubung sicherzustellen, bedient sich der Frauenschuh einer ausgefeilten Technik, die als Kesselfalle bezeichnet wird. Landen potenzielle Bestäuber, v.a. Sandbienen (Andrena spec.) und Wespenbienen (Nomada spec.), auf dem glatten, mit Wachs überzogenen Rand der pantoffelähnlichen Lippe, rutschen sie ab und gelangen in den gewölbten Innenraum der Lippe. Dort übertragen sie bei ihrem Befreiungsversuch den mitgebrachten Pollen auf den Griffel und nehmen neue Pollenpakete auf, die sie zur nächsten Blüte tragen. Diese Spezialisierung auf eine Hauptbestäubergruppe bringt allerdings Probleme mit sich. Besonders kleine Frauenschuh-Vorkommen sind möglicherweise nicht genügend attraktiv für diese Insekten und werden unter Umständen nicht angeflogen. Durch den geringen Flugradius von Sandbienen [Solitärbienen legen bei der Futtersuche im Allgemeinen nur kurze Strecken von 150-600 m zurück (Gathmann & Tscharntke 2002), in Ausnahmefällen bis wenig über 1.000 m (Kwak et al. 1998)], sollten Nistmöglichkeiten in der näheren Umgebung vorhanden sein. Grundsätzlich ist die Sicherung und Entwicklung von Kleinlebensräumen im Wald für sonnen- und wärmeliebende Bestäuber, wie die des Frauenschuhs, äußerst wichtig (Westrich 1989). Offene Sand- und Lössflächen, Abbruchkanten und Steilwände (auch aufgerichtete Wurzelteller) stellen bevorzugte Nistplätze von Sandbienen dar. Blütenreiche Stellen an Lichtungen und Waldwegen dienen als Nahrungsquelle. Durch den relativ komplizierten Bestäubungsmechanismus und die fehlende Fähigkeit zur Selbstbestäubung fällt der Fruchtansatz des Frauenschuhs mit 20-30 % häufig eher gering aus. Allerdings werden pro Kapsel zwischen 6.000 und 20.000 Samen gebildet (Sadovsky 1973), die dann mit dem Wind über weite Strecken transportiert werden können.