Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Fransenfledermaus hat ihre Wochenstuben regelmäßig sowohl im Wald, als auch in Siedlungen. Im Wald bezieht sie ihre Wochenstubenquartiere in Baumhöhlen, Rindenspalten und Fledermauskästen. In Siedlungen findet man Wochenstubenquartiere in Spalten in und an Brücken und Gebäuden, häufig in Viehställen sowie in Hohlblocksteinen (Dietz 2005, Schober & Grimmberger 1998, Trappmann & Clemen 2001). Die Wochenstuben umfassen bei der Fransenfledermaus in der Regel nicht mehr als 30-80 Individuen. In Gebäuden können sie dagegen auch größer (bis zu 200 Weibchen) sein (Fiedler et al. 2004, Illi 1999, Trappmann & Boye 2004). Wie bei anderen Fledermausarten findet bei der Fransenfledermaus ein häufiger Wochenstubenquartierwechsel (1-2mal pro Woche) statt (Laufens 1973, Schober & Grimmberger 1998). Neben den Wochenstuben sind Männchenkolonien mit bis zu 30 Tieren bekannt (Swift 1997). Die Männchenquartiere befinden sich bei der Fransenfledermaus ebenfalls in Baumhöhlen, Kästen sowie in und an Gebäuden.

Die Jagdgebiete der Fransenfledermaus können im Frühjahr überwiegend in halboffenen Lebensräumen wie Streuobstwiesen, Weiden mit Hecken und Bäumen, in ortsnahen weiträumigen Gartenlandschaften oder an Gewässern liegen (Fiedler et al. 2004, Trappmann & Boye 2004, Trappmann & Clemen 2001). Eine Besonderheit sind Jagdgebiete in Kuhställen, wo die Fransenfledermaus Fliegen fängt (Simon et al. 2004). Die Fledermäuse orientieren sich dabei häufig an den Geräuschen, die kopulierende Fliegen abgeben (Siemers et al. 2012). Spätestens im Spätsommer verlagern die Tiere ihre Jagdgebiete auch in Wälder, wo sie unter anderem auch in reinen Nadelwäldern jagen (Trappmann & Boye 2004). Die Jagdgebiete werden mehrmals in der Nacht gewechselt (Meier 2002, Trappmann & Clemen 2001) und liegen bis zu 4 km weit vom Quartier entfernt (Fiedler et al. 2004, Meschede & Heller 2000, Simon et al. 2004).

Der Jagdflug ist langsam und oft niedrig (1-4 m über dem Boden), wobei die Tiere auf engem Raum gut manövrieren und in der Luft rütteln können. Die Fransenfledermaus kann Insekten im freien Flug erbeuten oder von der Wasseroberfläche bzw. dem Pflanzenbewuchs aufnehmen (Schober & Grimmberger 1998, Trappmann & Boye 2004, Trappmann & Clemen 2001). Dabei werden sowohl der Boden, als auch die Pflanzen von der unteren Strauchschicht bis hinauf in die Kronenbereiche nach Beutetieren abgesucht. Zweiflügler sowie Schmetterlinge, Käfer, Webspinnen und Weberknechte stellen die Hauptnahrung der Fransenfledermaus dar (Beck 1991, Geisler & Dietz 1999).

Die Fransenfledermaus gilt als ortstreu. Die bisher maximal beobachtete Entfernung zwischen Sommer- und Winterlebensräumen liegt bei 185 km (Schober & Grimmberger 1998). In der Regel sind es aber nur Distanzen unter 80 km (Meschede & Heller 2000). Die Paarung findet vor allem in den Winterquartieren statt.

Die Winterquartiere befinden sich in frostfreien, unterirdischen Stollen, Höhlen, Kellern oder in alten Bunkeranlagen. Die Tiere werden leicht übersehen oder sind nicht sichtbar, da sie häufig in engen Spalten oder in Bohrlöchern, zum Teil auf dem Rücken liegend, versteckt sind. In Mitteleuropa hängen die Fransenfledermäuse in den Winterquartieren gelegentlich in kleinen Gruppen (1-5 Tiere) auch frei an der Decke oder der Wand (Schober & Grimmberger 1998, Trappmann & Clemen 2001).

Das nachgewiesene Höchstalter liegt für männliche Fransenfledermäuse bei 21,5 Jahren und für die Weibchen bei 17,5 Jahren (Ohlendorf 2002a, Topál 2011).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Fransenfledermäuse verlassen bis Ende März ihr Winterquartier und die Weibchen finden sich ab April/Mai in den Wochenstubenquartieren ein. Sie gebären Mitte Juni bis Anfang Juli jeweils ein Jungtier, das nach vier Wochen bereits flügge ist. Die Wochenstuben lösen sich dann schnell auf (Dietz et al. 2007, Schober & Grimmberger 1998). Während der Zeit der Jungenaufzucht leben die Männchen meist getrennt von den Weibchen, können aber teilweise einzelne Männchenkolonien von bis zu 25 Individuen bilden (Swift 1997). Es halten sich auch immer wieder einzelne Männchen in den Wochenstubenquartieren auf. Ab Mitte November bezieht die Fransenfledermaus einzeln oder in kleinen Gruppen die Winterquartiere (Schober & Grimmberger 1998). Die Paarung erfolgt ab Oktober/November in den Winterquartieren.

Besonders in der Zeit der Jungenaufzucht benötigen die Fransenfledermäuse nahrungsreiche Jagdgebiete, um den in dieser Zeit gesteigerten Energiebedarf zu decken. Hierfür werden vor allem Streuobstwiesen, Weiden mit Hecken und Bäumen, ortsnahe weiträumige Gartenlandschaften, Wälder, Gewässer und auch Viehställe genutzt (Fiedler et al. 2004, Trappmann & Boye 2004, Trappmann & Clemen 2001). Daher gibt es Überschneidungen des Lebensraumes der Fransenfledermaus mit der landwirtschaftlichen Nutzung. So führt die Vereinheitlichung der Landschaft durch Bewirtschaftung immer größerer Flächen und der damit einhergehende Verlust an insektenreichen Landschaftsbestandteilen wie Hecken und Säumen zur Reduktion der Nahrungsgrundlage der Fledermäuse. Im Offenlandbereich kann eine Reduktion der Insekten durch stärkere Nutzung (Umwandlung von Wiesen und Weiden in Ackerland, mehrfache Mahd) eintreten.

Da sich die Fransenfledermaus bei der Jagd stark an Leitelementen wie Waldrändern oder Hecken orientiert, kann auch forstwirtschaftliche Nutzung, die z.B. natürliche, stufenreiche Waldränder reduziert, zu Beeinträchtigungen führen. Durch den Einsatz von Insektiziden bei der Bekämpfung von Forstschädlingen, wie dem Maikäfer oder dem Prozessionsspinner, wird zum einen der Insektenreichtum minimiert, zum anderen führt er zu einer Anreicherung der Giftstoffe in den Fledermäusen und damit zu einer Vergiftung der Tiere (Braun 1986). Vermutlich hat vor allem der Insektizideinsatz in der Forstwirtschaft in den 1960er bis 1980er Jahren zu einer Bestandsabnahme der Art geführt (Trappmann & Boye 2004).

Da die Fransenfledermaus für ihre Jungenaufzucht durch ihren häufigen Wochenstubenquartierwechsel eine ausreichende Anzahl an Quartiermöglichkeiten benötigt, führt ein Einschlag von Alt- und Totholz besonders im Sommer zwangsläufig zum Verlust von Quartieren und somit auch zu einer Beeinträchtigung der Wochenstuben. Schwachholz und Zwieselbäume sind als potenzielle zukünftige Höhlenbäume von großer Bedeutung.