Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Finger-Küchenschelle kommt in Gebieten Europas und Asiens mit sommerwarmem und relativ trockenem (kontinentalem) Klima vor (Hauke 2003). Halbtrockenrasen, Steppenrasen und lichte Kiefernwälder gehören zu den bevorzugten Lebensräumen, wobei sie vollsonnige, aber auch leicht beschattete Standorte besiedelt. Ein kräftiges unterirdisches Wurzel- und Sprosssystem ermöglicht ihr, gerade in häufig gestörten Lebensräumen, wie beweidetem oder gemähtem Grasland, zu überdauern (Wildeman & Steeves 1982). An einem kräftigen unterirdischen Trieb befinden sich erdbodennah verschiedene Arten von Knospenanlagen. Diese können sich im Frühjahr entweder zu Blüten oder Blättern entwickeln, oder aber in einem schlafenden Zustand (dormant) unter der Erde verharren. Erst wenn durch Verbiss, Mahd oder Feuer die oberirdischen Teile zerstört werden, werden die schlafenden Knospen aktiviert und beginnen auszutreiben (Uotila 1969). Dadurch entstehen zum Teil sehr große Individuen, die 20 Blüten und mehr als 50 Blätter besitzen können. Gegen Verbiss durch Kühe und Schafe ist sie zudem durch einen hohen Gehalt an Bitterstoffen geschützt. Nur bei extremer Nahrungsknappheit werden die Blüten und Knospen gelegentlich von Wildtieren, v.a. Hasen und Mäusen, verbissen. Die Pflege der Wuchsorte ist für die Finger-Küchenschelle äußerst wichtig, da sie gegenüber Beschattung sehr empfindlich reagiert und schnell ihre Blühfähigkeit einbüßt und auf Dauer sogar ganz verschwindet. Ideal sind wasserdurchlässige Standorte mit sandigem oder kiesigem Untergrund und einer geringen Roh-Humusauflage, auf denen konkurrenzstärkere Pflanzen aufgrund des geringen Nährstoffgehalts nicht wachsen können.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Finger-Küchenschelle gehört zu den ersten Pflanzen, die im zeitigen Frühjahr zwischen März und Mitte Mai zur Blüte kommen. Diese enorm frühe Blühphase wird möglich, da im Spätsommer bzw. Herbst des vorangehenden Jahres bereits vollentwickelte Blütenknospen angelegt werden. Diese überwintern geschützt durch Deckblätter auf dem Erdboden. In diesem Stadium sind die Pflanzen gegen großflächige mechanische Störungen sehr empfindlich. Der Blüherfolg im nächsten Jahr kann jetzt beeinträchtigt werden. Feuer scheint allerdings keine negativen Auswirkungen auf die Blütenbildung zu haben (Uotila 1969). Die langgestielten Grundblätter erscheinen erst gegen Ende oder nach der Blüte. Ihre Lebenszeit ist kurz, denn im Spätsommer sterben sie bereits wieder ab und bleiben als vertrocknete Blattreste über den Winter erhalten. Die beste Zeit, um auch vegetative Individuen im Rahmen von Bestandszählungen zu erfassen, ist somit im Sommer ab Anfang Jun