Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling besiedelt feuchte bis wechselfeuchte Lebensräume wie Riedwiesen, Feucht- und Streuwiesen, Hochstaudensäume entlang von Fließgewässern, Ränder von bewirtschafteten Feucht- und Frischwiesen, Grabenränder, feuchte Altgrasinseln, wenig genutzte Weiden und junge Wiesenbrachen. Insgesamt ist er an Feucht- und Frischwiesen gebunden, wo er auch trockenere Randbereiche besiedeln kann. Entscheidend ist das Vorhandensein des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis). Dieser wird sowohl zur Eiablage und als Nahrungspflanze für die jungen Raupen und die Falter, als auch zum Schlafen, zur Balz und zur Paarung genutzt. Der Große Wiesenknopf gilt als typische Art der wechselfeuchten Nass- und Moorwiesen sowie insbesondere der wechselfeuchten Goldhafer- und Glatthaferwiesen.

Neben dem Großen Wiesenknopf ist Maculinea nausithous aber auch auf die Rote Knotenameise (Myrmica rubra) angewiesen. Diese Ameisenart ist sehr weit verbreitet, tritt jedoch in den Lebensräumen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings häufig in Brachen in ausreichender Dichte auf. Viele Menschen haben auch schon Bekanntschaft mit ihr im eigenen Garten gemacht, ohne sie zu erkennen.

Die jungen Raupen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings ernähren sich von den Blüten des Großen Wiesenknopfs, die älteren Raupen lassen sich von der Pflanze fallen, um sich von der Roten Knotenameise in ihr Nest tragen zu lassen. Dort überwintern sie und ernähren sich bis zu ihrer Verwandlung zum Schmetterling im nächsten Sommer von Ameisenbrut.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Falter des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings schlüpfen Ende Juni bis Anfang August mit einem Schwerpunkt in der zweiten und dritten Julidekade. Massive regionale Abweichungen von diesen Zeiten finden sich z.B. im Alpenvorland. Da die einzelnen Falter im Durchschnitt nur etwa 7-10 Tage leben, beginnen Begattung und Eiablage oft bereits einige Stunden nach dem Schlüpfen. Die Weibchen nutzen zur Eiablage die Blütenknospen des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis). Die Eier werden tief zwischen den einzelnen Knospen des Blütenkopfes versteckt und sind von außen nicht sichtbar. Die jungen Raupen schlüpfen nach etwa acht Tagen, bohren sich in die Blüten des Großen Wiesenknopfes und ernähren sich zuerst von den Blüten und später von den sich entwickelnden Früchten. Ihren Fraßgang spinnt die Raupe mit Seide aus, um den Blütenkopf zusammen zu halten. Gegen Ende August/Anfang September, nach der dritten Häutung, lässt sich die Raupe auf den Boden fallen und von der Roten Knotenameise (Myrmica rubra) in deren Nest eintragen. Der Zeitraum von Eiablage bis zum Verlassen des Blütenkopfes beträgt nach Untersuchungen von Völkl et al. (2008) etwa 18-26 Tage. Erst danach sollte eine Mahd stattfinden. Die Raupe überwintert im Ameisenbau und ernährt sich während der nächsten Monate von der Ameisenbrut. Sie frisst in dieser Zeit rund 600 Ameisenlarven und verlässt das Nest erst nach ihrer Verwandlung als fertiger Falter im nächsten Sommer.

Die Raupe des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings benötigt für ihre Entwicklung sowohl den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) als auch die Rote Knotenameise (Myrmica rubra), die vor allem auf Brachen in ausreichender Dichte vorkommt. Nur sehr selten gibt es Hinweise auf die Nutzung von M. scabrinodis als Nebenwirt (Völkl et al. 2008).

Der Große Wiesenknopf verträgt bis zu dreimalige Mahd recht gut und erreicht in gemähten Wiesen hohe Dichten, allerdings ist für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling jede Mahd während der Entwicklung im Blütenkopf schädlich. Da die zeitliche Entwicklung in den verschiedenen Regionen Deutschlands stark variiert, zum Teil sogar in großer räumlicher Nähe, ist auch der Zeitpunkt für eine die Raupe gefährdende Mahd sehr variabel. Einen wichtigen Hinweis auf günstige Mahdtermine kann oft die traditionelle Form der Bewirtschaftung liefern. Je nach Rahmenbedingungen können ein- bis zweischürige Futterwiesen, Streuwiesen oder sehr verbreitet jüngere Brachen wertvolle Lebensräume darstellen. Gerade auf den häufig genutzten jüngeren Brachen muss der Große Wiesenknopf durch eine gelegentliche Mahdnutzung erhalten werden ohne die von der spezifischen Wirtsameisenart benötigten Bedingungen zu zerstören.