Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Bodensee-Vergissmeinnicht wächst ausschließlich im Überschwemmungsbereich röhrichtfreier Kiesufer von Voralpenseen. Dort kann es nur überleben, wenn die natürliche Dynamik der Seen durch regelmäßiges Überfluten und Trockenfallen verhindert, dass höherwüchsige Pflanzen in die Uferbereiche eindringen und das Bodensee-Vergissmeinnicht verdrängen. Durch seinen niedrigen Wuchs, die zahlreichen kurzen Ausläufer und den kräftigen Wurzelspross ist es gut an die mechanischen Belastungen in der Brandungszone (Wellenschlag) angepasst und kann die mit Einsetzen des Frühlingshochwassers oft monatelang dauernden Überschwemmungen gut überstehen (Brackel 2001). In den Wintermonaten liegen die Wuchsorte in der Regel oberhalb der Wasserlinie und die Pflanzen beginnen vor dem Einsetzen der Schneeschmelze in den Alpen im zeitigen Frühjahr zu blühen. An manchen Stellen begünstigt Sickernässe das Wachstum des Bodensee-Vergissmeinnichts und quellige Wasseraustritte schützen die Art auch in Jahren mit niedrigem Sommer-Wasserstand vor Austrocknung (Zehm et al. 2008). Dauert die sommerliche Überflutung länger als 5 Monate an, sterben viele Pflanzen infolge der Bildung einer dicken Algenschicht auf ihren Blättern ab.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Das Bodensee-Vergissmeinnicht ist eine eher unauffällige Pflanze und tritt hauptsächlich zur Blütezeit stärker in Erscheinung. Die Blüte erfolgt meist von April bis Mai kurz vor Beginn des durch Schneeschmelze in den Alpen einsetzenden Hochwassers (Hauke 2003). Die kräftig blau gefärbten Stieltellerblüten werden von verschiedenen Insekten bestäubt. Selten kommen sie nach dem Sommerhochwasser ein zweites Mal zur Blüte. Die Vermehrung der Pflanzen erfolgt allerdings meist vegetativ mithilfe kurzer Ausläufer, da sie infolge der jahreszeitlich bedingten Überflutung über einen langen Zeitraum unter Wasser stehen. Einer Neubesiedelung geeigneter Standorte werden dadurch enge Grenzen gesetzt (Brackel 2001) und viele Wuchsorte können nur dann wiederbesiedelt werden, wenn Samenvorräte im Boden existieren. Gehen die jährlichen Überflutungen der Strandrasen über einen Zeitraum von fünf Monaten hinaus, kann die Vermehrung über Samen wie auch über Ausläufer stark einschränkt sein und die Pflanzen bis zum Absterben geschädigt werden. Erfolgt die Samenproduktion noch vor dem Anstieg des Wasserpegels, werden reife Samen ausgestreut und durch die einsetzende Überflutung weiter verteilt.

Winterliche Trockenheit übersteht das Bodensee-Vergissmeinnicht an seinen Wuchsorten zwar relativ gut, es reagiert aber empfindlich auf ausgeprägte Trockenheit im Sommer. Bleiben sommerliche Überflutungen aus, können verstärkt konkurrenzstärkere Pflanzen einwandern und die kleinwüchsige Art verdrängen (Zehm et al. 2008). Allerdings führten am westlichen Bodensee die niedrigen Wasserstände seit 2003 (zumindest mittelfristig) zu einer deutlichen Vermehrung und zu Neuansiedlungen des Bodensee-Vergissmeinnichts. Die Zunahme der Bestände erfolgte vor allem an seewärts gelegenen Stellen, die früher aufgrund ihrer langen Überschwemmungsdauer nicht für Strandrasen-Arten geeignet waren (Peintinger et al. 2010).

Der Lebenszyklus des Bodensee-Vergissmeinnichts bleibt auf den kiesigen Uferabschnitten durch Landnutzung in Form von Forst- und Landwirtschaft weitgehend unbeeinflusst. Allenfalls der Einfluss von Abwässern aus Obstbaumkulturen führt an bayerischen See-Abschnitten zu einer Nährstoffanreicherung und dadurch zu einer Verschlechterung der Wuchsort-Qualität für das Bodensee-Vergissmeinnicht.