Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Breitrandkäfer besiedelt größere, möglichst nährstoffarme Stehgewässer (auch Fischteiche), mit dichtem Pflanzenbewuchs an den Ufern und in der Flachwasserzone. Sehr häufig liegen diese in Waldgebieten. Nach Nilsson & Holmen (1995) besiedelt die Art im Norden der skandinavischen Halbinsel überwiegend nährstoffreiche Seen, wohingegen sie im Süden eher nährstoffarme Gewässer bevorzugt. Bau (1888) erwähnt, dass die Art auch in langsam fließenden Flüssen gefangen wurde. So werden aus Polen auch alte Funde aus der Weichsel gemeldet. In Weißrussland und den Baltischen Staaten werden neben größeren Seen auch Altwässer der noch weitgehend naturbelassenen Flusssysteme besiedelt. Die Brutgewässer sollten über weite Strecken nicht tiefer als einen Meter sein und sehr breite und geflutete Röhrichtgürtel aufweisen. Die Art toleriert saures Wasser, benötigt aber zur Entwicklung dichte Bestände von Unterwasserpflanzen, Moosen und/oder Armleuchteralgen in Ufernähe. Die Größe des Gewässers sollte einen Hektar nicht unterschreiten.

Larven und Käfer ernähren sich wie alle Schwimmkäfer räuberisch. Als Käfer frisst der Breitrand bevorzugt im Wasser lebende Insekten, z.B. Wasserwanzen: Corixiden (Blunck 1923), im Wasser liegendes Aas und Wasserschnecken (Lymnaea stagnalis). Dass die Art, analog zum Gelbrand (Dytiscus marginalis) ein Fischräuber ist, wird bereits von Blunck (1918) bezweifelt und später (Blunck 1923) durch Aquarienversuche auch widerlegt. Die Larve ist auf die Jagd nach Larven und Puppen von Köcherfliegen (Trichoptera) spezialisiert (Blunck 1923, Holmen 1987). Neuere Laboruntersuchungen von Johansson & Nilsson (1992) und Scheleg (2009) haben dies bestätigt und außerdem gezeigt, dass die Larven von D. latissimus auch Wasserasseln und Larven von Eintagsfliegen fressen.

Der Breitrand wird nicht selten gemeinsam mit dem ebenfalls in der FFH -Richtlinie aufgeführten  Schmalbindigen Breitflügel-Tauchkäfer (Graphoderus bilineatus) und dem Schwimmkäfer Cybister lateralimarginalis gefunden, die beide ähnliche Lebensraumansprüche aufweisen. Im Gegensatz zu G. bilineatus benötigt der Breitrand zur erfolgreichen Fortpflanzung aber Gewässer von über einem Hektar Ausdehnung (Hendrich & Balke 2005).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Paarung der Tiere erfolgt im Herbst, die Eiablage ab März bis Mitte Mai im darauf folgenden Jahr. Die Larven entwickeln sich von März bis Juni und gehen dann zur Verpuppung an Land. Die zylindrischen, 7-8 mm langen weißlichen Eier wurden im Aquarium am Boden auf den Untergrund gelegt. In einem natürlichen Lebensraum werden sie jedoch höchstwahrscheinlich in noch lebende Blätter und Stängel von Wasserpflanzen gelegt, wie dies auch bei anderen Arten der Gattung der Fall ist (vgl. Wesenberg-Lund 1912, Blunck 1923, Klausnitzer 1996). Die Larvalentwicklung dauert ungefähr 1 bis 1,5 Monate. Die Larven finden sich an den gleichen Plätzen wie die Käfer; sie sind jedoch wesentlich stärker an pflanzenreiche und exponierte Standorte gebunden. Die Verpuppung erfolgt wie bei allen anderen Dytiscus-Arten in einer Erdhöhle unter Moosen, Hölzern und Steinen an Land.

Besonnte Uferabschnitte in Teilbereichen eines Gewässers sind insbesondere für die Larven sehr wichtig. Auf eine negative Veränderung ihres Lebensraums (Veralgung eines Gewässers, Beschattung) reagieren die Larven wesentlich empfindlicher als die Käfer, was sicherlich auch mit der höheren Spezialisierung beim Nahrungserwerb zusammenhängt. Viele Autoren (z.B. Reitter, Horion, Schaeflein, Klausnitzer) berichten, dass der Breitrand in der Vergangenheit in der Tschechischen Republik (Trebon, Südböhmen), Bayern, Thüringen und Sachsen beim herbstlichen Ablassen von Fischteichen alljährlich in großer Zahl gefangen wurde. Ferner konnte die Art in der Vergangenheit in Brandenburg in größeren Torfstichen (Steinhäuser 1935) sowie in Dänemark in Kies- und Kohlegrubengewässern nachgewiesen werden (Holmen 1993).

Verbreitung

Verbreitungskarte Breitrand