Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Blauschillernde Feuerfalter besiedelt in Deutschland vor allem an Schlangen-Knöterich reiche Feuchtwiesen und Moorwiesen, bevorzugt deren Verbrachungsstadien und randlich ungenutzten Bereiche. Ebenso findet man ihn am Rande von Hoch- und Quellmooren, in Übergangsmooren und lichten Moorwäldern sowie aufgelassenen Handtorfstichen (Bayerisches Alpenvorland) und ähnlichen Lebensräumen. Wesentliche Merkmale der Lebensräume sind flächige Vorkommen der Raupennahrungspflanze Schlangen-Knöterich, windgeschützte Lage, eher kühle Klimabedingungen, dabei aber ausgiebige Besonnung, nasse, feuchte oder wechselfeuchte Bodenbedingungen, ausgeprägte Streuschicht und ausreichend Nektarpflanzen.

Es muss klar zwischen den Vorkommen in den höheren Lagen der Mittelgebirge und am Alpenrand auf der einen Seite und dem letzten Vorkommen im nordostdeutschen Flachland auf der anderen Seite unterschieden werden. Die Unterschiede liegen nicht nur grundsätzlich im Lebenszyklus, sondern auch im Lebensraum und den daraus folgernden Erhaltungsmaßnahmen. Das letzte Vorkommen im Flachland bei Ueckermünde findet sich auf nährstoffreichen Feucht- und Moorwiesen, die bei fehlender oder geringer Nutzung bzw. Pflege sehr schnell Stadien erreichen, die für die Entwicklung der Tiere abträglich sind. Selbst eine Nutzung alle 2 Jahre scheint schon problematisch zu sein (Schubert 2008). Die Vorkommen in den Mittelgebirgen und am Alpenrand befinden sich dagegen auf nährstoffarmen Standorten, die oft über viele Jahre ungenutzt bleiben können.

Die Falter nehmen gerne und häufig Nektar an Blüten auf. Neben der Raupennahrungspflanze Schlangen-Knöterich werden zahlreiche weitere Nektarpflanzen genutzt, aus Mitteleuropa liegen Beobachtungen von über 40 Nektarpflanzen, Schweiß und feuchtem Boden vor (Biewald & Nunner 2006). Der Blauschillernde Feuerfalter nutzt damit wohl die im Lebensraum jeweils vorkommenden Nektarpflanzen, auch blühende Gehölze werden dabei einbezogen.

In Deutschland ist der Schlangen-Knöterich die einzige nachgewiesene Raupennahrungspflanze, aus Skandinavien wird dagegen auch die Nutzung von Sauerampfer-Arten und Knöllchen-Knöterich (Bistorta vivipara) berichtet. Der große Sauerampfer (Rumex acetosa) wurde im Zuchtversuch von bayerischen Raupen allerdings verweigert (Nunner 1995).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

In Deutschland müssen zwei grundsätzlich unterschiedliche Lebenszyklen beachtet werden: In den Mittelgebirgen und am Alpenrand gibt es nur eine Faltergeneration pro Jahr („einbrütig“), im nordostdeutschen Flachland dagegen zwei Generationen (“zweibrütig“).

In allen Fällen beginnt die Flugzeit meist Anfang Mai, teilweise können aber schon Ende April vereinzelte Falter beobachtet werden (z.B. in Südbayern, Nunner in Vorb.), und endet spätestens Anfang Juli. Die meisten Falter sind normalerweise Ende Mai/Anfang Juni zu finden. Die zweite Generation in Mecklenburg-Vorpommern beginnt dann meist um den 10. Juli und dauert bis in den August hinein (Wachlin 2009). Allgemein fliegen die Falter bevorzugt bei sonnigem, hellem Wetter; bedeckter Himmel führt zu verminderter Flugaktivität (Wachlin 2009).

Für die Eiablage suchen die Weibchen vorwiegend besonnte bis halbschattige Wuchsstandorte des Schlangen-Knöterichs auf (Nunner 2006). Die Ablage der gräulich-weißen Eier erfolgt dann meist an der Unterseite der Grundblätter des Schlangen-Knöterichs nahe am Blattrand. Die Weibchen legen pro Blatt jeweils ein Ei ab und streuen die Eiablage über Standorte mit unterschiedlich feuchten Bedingungen. Dies wird als Strategie zur Vermeidung von witterungsbedingten Risiken interpretiert (Biewald & Nunner 2006). Allgemein sind die ausgewählten Eiablagestandorte Grundblätter meist blühfähiger Pflanzen des Schlangen-Knöterichs in mehr oder weniger feuchten und gut besonnten (z.B. auch durch den bultigen Aufbau) bis halbschattigen Bereichen.

Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die grünweißlichen, asselförmigen Raupen (Fischer 1998) und beginnen mit dem Fensterfraß von der Blattunterseite. Der Blauschillernde Feuerfalter durchläuft vier Larvenstadien, die Entwicklungsdauer von der Eiablage bis zur Verpuppung dauert in der Zucht etwa 4-5 Wochen (Biewald & Nunner 2006). Die anschließende Verpuppung und Überwinterung der Raupen erfolgt in der Streuschicht (Wipking et al. 2007). Im zweibrütigen Vorkommen bei Ueckermünde wird die sommerliche Puppe ebenfalls in der Streuschicht angelegt.

Sowohl Ei- als auch Raupenstadien sind gegenüber jeglicher Nutzung oder Pflege sehr empfindlich, da sie an den Blättern sitzen und mit entfernt (bei Mahd) bzw. gefressen (bei Beweidung) werden. Die in der Streuschicht angelegte Puppe überstand jedoch eine Herbstmahd in den belgischen Ardennen gut, genauso scheint eine sehr schwache, zeitlich begrenzte Beweidung dort sinnvoll zu sein (Goffart et al. 2010). Gerade die sehr schwache Beweidung wird aus verschiedenen Regionen als sinnvolle Nutzung beschrieben. Viele Lebensräume bleiben zwar über lange Zeit in guter Qualität erhalten, in größeren Abständen ist jedoch eine Nutzung zum Erhalt notwendig.

Am zweibrütigen Vorkommen im Ueckertal hat sich allerdings eine Nutzung alle zwei Jahre als zu wenig erwiesen, so dass hier die mosaikartige Nutzung verstärkt werden muss, um Nährstoffe auszutragen (Schubert 2008). Auch diese verstärkte Nutzung muss an den Lebenszyklus des Blauschillernden Feuerfalters angepasst werden, also während der Puppenphase erfolgen.