Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

In Mitteleuropa beschränken sich die Vorkommen der Becherglocke auf Wald- und Gebüschsäume, Gehölzlücken, Waldlichtungen, lichte Wälder und beschattete Staudenfluren, Feuchtwiesen und steile, felsige Grashalden.

Die deutschen Vorkommen befinden sich vor allem auf Auenböden mit mäßiger Nährstoffversorgung in lichten Auenwäldern und in Nasswiesen auf Pseudogleien (Scheuerer & Späth 2005, Ssymank & Scheuerer 2005).

Die ursprünglichen Standorte sind vermutlich lichte Wälder, von denen aus die Becherglocke Feuchtwiesen und Säume besiedelte. Die Becherglocke bevorzugt als Waldsteppenpflanze Wuchsorte mit kontinentalem Klima – d.h. warme Sommer und harte, frostreiche Winter. Sie kann sowohl im vollen Sonnenlicht als auch im Halbschatten gedeihen. In dichten, schattigen Wäldern kümmert die Becherglocke, kann jedoch unter der Erde als Wurzelspross noch viele Jahre überdauern, bevor sie abstirbt.

In Deutschland beschränken sich die aktuellen Vorkommen auf Standorte im Halbschatten von Gebüsch und lichtem Wald. Am besten gedeiht die Becherglocke auf „sommerwarmen, wechselfeuchten (bis wechselnassen), nährstoff- und basenreichen (kalkhaltigen), sandigen Lehm- und Tonböden“ (Oberdorfer 2001).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Becherglocke ist eine mehrjährige, krautige Staude mit einer oberflächennahen, rübenartigen Wurzel, aus welcher jedes Jahr Ende April/Anfang Mai zumeist mehrere Sprosse austreiben (Hegi 1981). Die hohe Mahdunverträglichkeit deutet darauf hin, dass diese Wurzel im Sommer nur geringe Energiereserven speichert und daher nach der Mahd nicht neu austreiben kann (Scheuerer & Späth 2005).

Die einzigen deutschen Vorkommen an der Isar blühen von Mitte Juli bis Anfang September. Bei der Bestäubung ist die Becherglocke auf Insekten angewiesen – beobachtet wurden an den Pflanzen hauptsächlich Honigbienen, Hummeln, andere Wildbienen und Schwebfliegen (Scheuerer & Späth 2005). Um die Insekten anzulocken, setzt die Becherglocke sowohl auf Duft als auch auf optische Signale. Die Insekten werden zum einen durch den angenehmen Geruch der Blüten angelockt, welcher vor allem gegen Abend weithin wahrnehmbar ist. Zum anderen werden die Insekten durch die weit aus den Blüten herausragenden, lila gefärbten Griffel angelockt. Eine Selbstbestäubung wird dadurch verhindert, dass die Blüten zuerst ein „männliches Stadium“ durchlaufen, d.h. die Pollen aus den Staubbeuteln freigeben, während die Narben sich erst öffnen und bestäubt werden können, wenn die Staubbeutel bereits abwelken. Die Samen fallen nach Windstößen aus den Fruchtkapseln und haben keine Möglichkeit sich über größere Strecken auszubreiten.

Da die Pflanze keine Ausläufer bilden kann, erfolgt ihre Vermehrung ausschließlich über Samen (Scheuerer & Späth 2005). Daher ist es für den Fortbestand der Art wichtig, günstige Bedingungen für die Keimung und das Wachstum der Jungpflanzen zu schaffen. Der Rückgang der Becherglocke ist häufig eine Folge des Übergangs von der nicht mehr rentablen Mittelwaldwirtschaft zur Hochwaldwirtschaft (Gaggermeier 1991). Der regelmäßige Einschlag unterständiger Gehölze im Mittelwald führte zu Offenbodenstellen, die die Becherglocke zur Keimung benötigt und zu erhöhter Lichtverfügbarkeit. Anders als viele typische Waldarten, kann die Becherglocke aufgrund ihrer höheren Lichtansprüche dem Wandel zur Hochwaldwirtschaft nicht folgen. Lebensräume, wie sie durch die Mittelwaldwirtschaft geboten wurden, d.h. halbschattige Standorte lichter Wälder und Gebüsche, fördern die Becherglocke hingegen (Ssymank & Scheuerer 2005).