Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Das Bayerische Federgras wächst auf einem steil zur Donau hin abfallenden Jurakalkfelsen der südlichen Frankenalb. Das Klima an dem südexponierten Hang ist sehr warm und relativ trocken und schafft geeignete Lebensbedingungen für eine ganze Reihe typischer Trocken- und Halbtrockenrasen-Arten. Die Horste des Bayerischen Federgrases stehen bevorzugt in den nur spärlich bewachsenen, feinerdehaltigen Spalten des Felsens (Berg 2001). Von dort sind Individuen auch in unmittelbar benachbarte lückige, teilweise versaumte (im Übergangsstadium zu Gebüsch befindliche) Kalkmagerrasen eingewandert. Sie sind sehr gut an die vollsonnigen und relativ nährstoffarmen Lebensbedingungen angepasst und reagieren empfindlich auf Beschattung oder Überwachsen durch einwandernde Gehölze. Ideale Wuchsverhältnisse herrschen bei einer lückigen Bestandsstruktur aus Gräsern, wie der Erd-Segge (Carex humilis), dem Kalk-Blaugras (Sesleria albicans) und dem Furchen-Schafschwingel (Festuca rupicola), niedrigwüchsigen Zwergsträuchern, wie dem Berg-Gamander (Teucrium montanum), und kleinwüchsigen Kräutern (Dolek et al. 2009).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Das Bayerische Federgras ist eine langlebige Grasart, die je nach Standort sehr große und dichte Horste bilden kann. Sie blüht im Frühjahr von Mai bis Juni. Die Fruchtreife erstreckt sich bis in den Juli hinein (Hauke 2003). Die Samen des Federgrases besitzen eine lange, gekniete Granne, die in der Lage, ist bei Änderungen der Feuchtigkeitsverhältnisse, Drehbewegungen durchzuführen (Hegi 1981). So können Samen besser in den Boden oder in Spalten eindringen und sich dort verhaken. Als Flugorgan zur Überbrückung größerer Entfernungen ist die Granne eher ungeeignet, da die Früchte relativ schwer sind und dadurch sehr schnell zu Boden fallen. Größere Distanzen könnten dagegen durch Weidetiere (z.B. Schafe) zurückgelegt werden, in deren Fell sich die Früchte dank eines kleinen Hakens an der Spitze des Samens sehr gut anheften können. Allerdings ist eine Beweidung der steilen Felsflanken im NSG Finkenstein mit Schafen kaum möglich. Die Beweidung mit anderen Tieren (z.B. Ziegen), die besser für steile Felspartien geeignet wären, wurde bislang nicht erprobt. Ein weiterer Engpass im Lebenszyklus des Bayerischen Federgrases scheint die Keimung der Samen zu sein. Keimversuche des Botanischen Gartens in Regensburg konnten bislang keine Erfolge verzeichnen und auch im Gelände ist kaum eine Verjüngung des Bestandes festzustellen. Etablierte Individuen können sich nur schlecht gegen eine Beschattung durch höher wüchsige Pflanzen und Gehölze durchsetzen, deren Einwanderung durch den Eintrag von Oberboden aus der Umgebung und damit einer Nährstoffanreicherung gefördert wird.