Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Der Baltische Stör ist ein Wanderfisch, der einen Teil seines Lebens im Meer verbringt und zum Ablaichen in die Flüsse aufsteigt. Die Nahrung der jungen Störe setzt sich aus Insektenlarven und Würmern zusammen (Bain et al. 2000). Im Meer ernährt er sich neben Würmern in geringen Mengen auch von Schnecken und Muscheln, wobei die Aufnahme von Würmern, aber auch Asseln und Flohkrebsen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Da die Art in Nordamerika heute noch genetisch und in ihrer Gestalt mit dem in der Ostsee verbreiteten Stör übereinstimmende Populationen aufweist (Ludwig et al. 2002, Ludwig et al. 2008), wird im Rahmen der Wiederansiedlung des Baltischen Störs auf Exemplare aus diesen Gewässern zurückgegriffen. Seit 2006 werden im Rahmen von experimentellen Besatzmaßnahmen jährlich Tiere im Einzugsgebiet der Oder und Weichsel besetzt. Die Jungfische nutzen vornehmlich das Untere Odertal und das Stettiner Haff, während Tiere ab einer Größe von etwa einem Meter ausgedehnte Wanderungen durch die westliche Ostsee entlang der Küsten durchführen.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Der Baltische Stör zieht in der Zeit von Mai bis August zum Ablaichen in die Flüsse. Dort laichen die Weibchen erstmals in einem Alter von 9-20 Jahren, die Männchen mit 7-15 Jahren ab (Gessner 2004), wobei die Männchen die Geschlechtsreife in ein- bis dreijährigen Intervallen erlangen, während die Weibchen wahrscheinlich drei- bis fünfjährige Zyklen aufweisen, was in beiden Fällen stark von der Nahrungsaufnahme und damit der Energieverfügbarkeit abhängt (Vladykov & Greeley 1963). Laichplätze sind durch anstehendes Grundgestein oder kiesig-geröllige Bodenbeschaffenheit gekennzeichnet (Atlantic Sturgeon Status Review Team 2007). Die Larven verbringen die erste Zeit zunächst im Kieslückensystem, die Jungstöre halten sich in den Flüssen auf und wandern im zweiten Lebensjahr bis zur Geschlechtsreife in die Brackwasserregionen ab.

Im Meer ist der Stör durch die Berufsfischerei gefährdet, in deren Netze er als Beifang gelangt. In den Flüssen versperren ihm Wehre und Dämme den Zugang zu seinen Laichgebieten. Der Eintrag von Nährstoffen und Abwässern hat maßgeblich zur Verminderung der Lebensraumqualität insbesondere in den Vermehrungsgebieten beigetragen. Durch Kiesabbau, Gewässerbegradigung und den Eintrag von Feinsedimenten werden Laichplätze zerstört und somit die Vermehrungsbedingungen verschlechtert. Neuerdings sind der Besatz mit nicht einheimischen Störarten und damit einhergehende Verbreitung eingeschleppter Krankheitserreger, Nahrungskonkurrenz und möglicherweise auch die Hybridisierung verschiedener Störarten Faktoren, die die Wiederansiedelung beeinträchtigen können.

Verbreitung

Literatur

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