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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Asiatische Keiljungfer ist fast ausschließlich in Fließgewässern zu finden. Dabei besiedelt sie bevorzugt die Mittel- und Unterläufe großer Flüsse und Ströme wie Rhein, Weser, Elbe und Oder. Diese Abschnitte sind zumeist durch relativ geringe Fließgeschwindigkeiten gekennzeichnet. Die Lebensräume der Larven finden sich hier in den strömungsberuhigten Bereichen, wo sich auf der Gewässersohle besonders feine Materialien aus Feinsand, Lehm und Schlamm ablagern. Oft sind sie auch von abgestorbenen Pflanzenresten durchsetzt (Müller 2002). Dabei ist die Bedeutung von Totholz für das Vorkommen der Asiatischen Keiljungfer als sehr hoch einzustufen, da im Strömungsschatten derartiger Hindernisse, wie z.B. umgestürzter Bäume oder Äste, Verwirbelungen auftreten und hier feine Bodenmaterialien abgelagert werden. Einzelfunde von Larven oder Exuvien (Häute des letzten Larvenstadiums) an Stillgewässern gelingen nur selten – diese Individuen wurden z.B. bei Hochwasser aus Fließgewässern hierhin verdriftet.

Ausnahmsweise finden sich die Larven der Asiatischen Keiljungfer auch an kleineren Fließgewässern wie z.B. der Oberspree in Brandenburg, der Unteren Aller in Norddeutschland und der Regnitz in Süddeutschland. Auch die besiedelten Abschnitte dieser Flüsse weisen zumindest stellenweise geringe Fließgeschwindigkeiten und feine Materialien an den Gewässerböden auf.
Die ursprünglichen Lebensräume finden sich ebenfalls in natürlichen oder naturnahen Gewässern in strömungsarmen Bereichen z.B. im Strömungsschatten von Hindernissen wie umgestürzten Bäumen, Genisten und Inseln sowie in Gleithangbereichen (strömungsberuhigte Innenkurven von Flussbiegungen). Solche naturnahen Fließgewässer finden sich z.B. noch an der Loire und ihrem Nebenfluss Allier in Mittelfrankreich. In wasserbaulich stark veränderten Flüssen wie z.B. Rhein und Elbe besiedeln die Larven der Art auch die Bereiche zwischen den keilförmig und rechtwinklig zur Strömung in den Fluss gebauten Dammbauwerken, den so genannten Buhnen. In diesen Zwischenbuhnenfeldern ist die Strömungsgeschwindigkeit stark herabgesetzt. Daher werden hier zumeist feinkörnige Bodenmaterialien abgelagert, die den Larven der Asiatischen Keiljungfer als Lebensraum dienen.

Seit 2004 gelangen für die Asiatische Keiljungfer in mehreren Schifffahrtskanälen Nordrhein-Westfalens Funde von Exuvien an Spund- und Betonwänden (Postler et al. 2005). Diese belegen, dass die Art in der Lage ist, solche Kanäle als Fortpflanzungsgewässer zu besiedeln. Feinsedimente finden sich in den etwa 4 m tiefen Kanälen zwischen den Steinschüttungen der steilen Ufer sowie auf der Sohle.

Anders als die Larven sind die Imagines (Geschlechtsstadium der Libellen) der Asiatischen Keiljungfer sehr mobil und finden sich oft noch in mehr als 30 Kilometern Entfernung von ihren Fortpflanzungsgewässern, wo sie insektenreiche Lebensräume zur Jagd nutzen.

Die Larven der Asiatischen Keiljungfer sind bezüglich ihres Beutespektrums wenig spezialisiert. Die Nahrung der Imagines besteht v.a. aus kleineren Fluginsekten. Fraßfeinde der Larven sind vermutlich am Boden fressende Fische wie Steinbeißer und Schmerlen. Die Imagines fallen v.a. Vögeln wie Baumfalken und Bachstelzen zum Opfer, letztere fressen insbesondere die schlüpfenden Tiere.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Entwicklung der Asiatischen Keiljungfer von der Eiablage bis zum Schlupf dauert nach Müller (1995) zumeist zwei bis drei Jahre, in Einzelfällen oder kühlen Gewässern vermutlich auch vier Jahre (Münchberg 1932). Die Entwicklung beginnt unmittelbar nach der Eiablage. Während die Vorlarven aus frühen Eiablagen noch im Sommer schlüpfen, überwintern die Eier, die erst im Spätsommer oder Frühherbst abgelegt wurden.

Die Schlupfzeit der zwei bis vier Jahre alten Larven beginnt zumeist erst im Juni. Die frühesten Schlupfbeobachtungen gelangen bei einer mehrjährigen Untersuchung an der Oder zwischen dem 23.05. und dem 20.06. (Müller 1995). Dabei war die Dauer der Schlupfperiode mit etwa 40 bis 80 Tagen recht lang und erstreckte sich jahrweise bis in den August. Die Hälfte der Tiere schlüpfte bereits in den ersten 12 bis 36 Tagen. Damit gehört die Asiatische Keiljungfer zu den sogenannten Sommerarten, die durch einen vergleichsweise späten Schlupfbeginn und eine lange Schlupfzeit charakterisiert sind. Der Schlupf findet tagsüber statt, hauptsächlich in den Morgen- und Vormittagsstunden.

Die Flugzeit der Art beginnt in frühen Jahren ab Ende Mai und erstreckt sich bis in den September, vereinzelt auch noch bis in den Oktober.

Nach dem Schlupf suchen die Tiere zumeist blüten- und damit insektenreiche Lebensräume auf wie z.B. nur ein- oder zweimal gemähte Wiesen, Brachen, Uferröhrichte, Waldränder und –lichtungen. Hier machen sie Jagd auf andere Insekten, um die notwendige Energie für die Fortpflanzung aufzunehmen. Entsprechend blütenreiche Lebensräume sind daher in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer wichtig.

Die ersten Eiablagen lassen sich durchschnittlich 16 Tage nach dem ersten Schlupf beobachten (Müller 1995). Zur Paarbildung und zur Fortpflanzung kehren die Tiere an die Gewässer zurück. An kleineren Fließgewässern besetzen die Männchen Sitzwarten am Ufer, an größeren Flüssen patrouillieren sie oft dicht über dem Wasser. Die Eiablage wurde in Zwischenbuhnenfeldern oder in anderen strömungsberuhigten Bereichen beobachtet und wird vom Weibchen allein vollzogen.



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