Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die ursprünglichen Lebensräume sind sonnenexponierte, heiße Fels- und Steinschuttfluren, Felsbänder und Felsterrassen, ebenso wie felsdurchsetzte Magerrasen- und Trockenrasenterrassen. Heute sind diese weitgehend verbuscht oder mit Gras- und Moospolstern überzogen. Der Weiße Mauerpfeffer kann an solchen Stellen zwar überdauern, ja bei mäßigem Bewuchs geht es der Pflanze sogar besonders gut, aber solche Pflanzen taugen nicht als Nahrung für die Raupen. Die Jungraupen fressen den Weißen Mauerpfeffer nur, wenn er kriechend über den Felsen wächst und mit kleinen, rot überlaufenen Blättern ausgestattet ist. Sobald die Pflanze jedoch besser nährstoffversorgt oder beschattet ist, wachsen die kleinen Triebe eher aufrecht, bilden größere Blätter, die nur noch schwach rot überlaufen sind oder überhaupt grün bleiben. Solche Pflanzen sind verbreitet, jedoch für den Apollofalter unbrauchbar.

Die wenigen verbliebenen Vorkommen des Apollofalters in Deutschland besiedeln heute zu einem großen Teil Lebensräume, die erst durch menschliche Einflüsse entstanden sind. Es handelt sich z.B. um aus Naturstein aufgeschichtete Straßen- und Bahnböschungen, um Gesteinsschutthalden im Steinabbau oder auch Mauerkronen von Trockenmauern in Weinbergsgebieten. Aus solchen künstlichen Gesteinsbildungen entstehen über lange Jahre durch die Verwitterung optimale Felsritzen-Nachbildungen, die vom Weißen Mauerpfeffer und anderen Pflanzen dieses Lebensraums besiedelt werden. Wenn dies im Bereich von Vorkommen des Apollofalters geschieht, werden die entstandenen Lebensräume schnell besiedelt.

Ein zweiter wichtiger Bestandteil des Lebensraums ist ein ausreichendes Angebot an Nektarpflanzen (v.a. blau und lila blühende Körbchen- und Köpfchen-Blüten, wie Disteln, Flockenblumen, Ackerwitwenblumen und Taubenskabiosen) in der Nähe der Felslebensräume. Apollofalter haben einen großen Nektarbedarf.

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

Die Flugzeit des Apollofalters ist regional sehr unterschiedlich. An der Mosel beginnt sie meist bereits Ende Mai, während sie in Franken im Wesentlichen den Juli umfasst. Je nach Wetterverlauf zur Zeit der Raupenentwicklung ist die Flugzeit jedoch großen Schwankungen unterworfen. Bei günstigen Bedingungen können an der Mosel schon im April, ansonsten im Mai Falter beobachtet werden, die letzten Falterbeobachtungen aus den fränkischen Vorkommensgebieten liegen Anfang September, aus den bayerischen Alpen Ende September (Geyer & Nunner in Vorb.).

Während dieser regional und jahrweise variierenden Flugzeit ist es wichtig, dass Nektarquellen vorhanden sind. Bei den Weibchen ist die Nahrungsaufnahme vermutlich auch für die Eireifung von großer Bedeutung. In felsdurchsetzten Magerrasengebieten ist daher ein kurz vor der Flugzeit erfolgter Weidegang äußerst negativ zu bewerten, wenn auch die Beweidung (zu anderen Zeitpunkten) essentiell notwendig ist.

Das Weibchen legt seine hartschaligen Eier einzeln direkt an die Raupenfutterpflanze (Weißer Mauerpfeffer) oder in unmittelbarer Nähe zu dieser an Moosen, Steinen oder Halmen ab. An der Mosel wird das Ei oft geschützt an die Unterseite von Felsnasen bzw. Bruchsteinplatten in den Weinbergsmauern platziert. Die Raupen schlüpfen aber erst nach der Überwinterung im Ei. Auch dieser Zeitpunkt ist wetterabhängig, eine Folge warmer Tage bringt die Raupen zum Schlüpfen. Dies kann schon im Februar sein, erfolgt aber meist im März. Die jungen Raupen sind schwarz gefärbt und sonnen sich häufig und ausgiebig. Die eigene schwarze Färbung und die Rückstrahlung des Felsen sind dafür von Bedeutung, da die Wärmezufuhr durch die Sonne zu dieser Jahreszeit begrenzt ist. Schon eine geringe Verbuschung oder Gras- bzw. Moosbewuchs kann zu einer entscheidenden Verringerung der Wärmezufuhr führen. Bei der Nahrungsaufnahme sind die Jungraupen sehr wählerisch und beschränken sich auf die Triebspitzen des Weißen Mauerpfeffers (Geyer & Dolek 1995). Nur die kleinen, entstehenden Blättchen an der Triebspitze werden gefressen! Dies engt natürlich die zur Verfügung stehende Nahrung in diesem frühen Stadium massiv ein.

Ab dem 3. Raupenstadium, in Bayern und Baden-Württemberg meist etwa Anfang Mai, an der Mosel deutlich früher, ändern die Tiere ihr Verhalten. Sie beginnen nun auch ältere Blätter zu befressen und werden deutlich mobiler. Zwischen den Fraßperioden sonnen sich die Raupen weiterhin häufig oder ziehen sich in geschützte Bereiche zurück.

Am Ende der Raupenphase, wenige Wochen vor der Flugzeit, suchen sich die Raupen unter Moos, Gestein, dichtem Bodenbewuchs oder an sandigen Stellen zwischen Geröll geeignete Plätze zur Verpuppung. An der Mosel findet sich die Puppe oft in lockerem Gespinst unter den oberen Steinen der Mauerkronen. Beobachtungen in der Frankenalb haben gezeigt, dass verpuppungsreife Raupen sich unter Moos oder in mit Gras bedeckten Senken und Felsspalten „einbohren“, um sich dort in einer gespinstartig verstärkten Höhlung zu verpuppen (Geyer & Dolek 1999). Diese relativ geschützte Lage macht eine Beweidung der Felsen zu diesem Zeitpunkt möglich, während zur Raupenzeit mit einer hohen Sterberate durch den Tritt durch Weidetiere zu rechnen ist (Geyer & Dolek 2001).