Bundesamt für Naturschutz

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Ökologie & Lebenszyklus

Ökologie der Art

Die Wochenstuben-, Paarungs- und Sommerquartiere der Alpenfledermaus befinden sich zum weitaus überwiegenden Teil in Spalten in Felswänden, Steinbrüchen und oberhalb großer Höhleneingänge. Direkt in Höhlen ist sie seltener anzutreffen. Im Mittelmeerraum findet sie sich nicht selten unter Dachziegeln, aber auch in Mauerritzen und Fugen an Hochhäusern. Gelegentlich werden Brücken und Gewölbe oder Verstecke hinter Fensterläden und in Dachkonstruktionen genutzt (Boye 2004, Dietz et al. 2007, Horáček & Benda 2011, Masson 1999, Meschede & v. Helversen 2004). Wochenstuben der Alpenfledermaus sind recht klein und bestehen mitunter nur aus bis zu 15 Tieren (Bulgarien). Die größten Kolonien umfassen 40-70 Tiere (Kroatien und Italien) (Dietz et al. 2007, Meschede & v. Helversen 2004, Schober & Grimmberger 1998). Größere Kolonien scheinen sich aus klar getrennten Untergruppen zusammenzusetzen (Horáček & Benda 2011).

Die Alpenfledermaus jagt zum Teil schon sehr früh, mitunter vor Sonnenuntergang oder gar am Nachmittag (Boye 2004, Dietz et al. 2007). Dabei fliegt sie alleine oder in kleinen Gruppen an Felswänden, über Baumkronen und dünn bewachsenen Flächen oder um Straßenlampen. In geringerer Höhe über dem Boden jagt sie nur selten. Es werden vor allem kleinere, offenbar in besonderem Maße in Schwärmen auftretende Insekten gefressen. Nachtfalter, Wanzen, Zikaden, Hautflügler, Blattläuse oder Zweiflügler können dabei in der Nahrung überwiegen. Alpenfledermäuse stellen sich offenbar sehr flexibel auf die aktuelle Nahrungsverfügbarkeit ein und die Zusammensetzung des Beutespektrums verändert sich unter Umständen innerhalb einer Nacht stark. So wurden sie z.B. bei der Jagd nach schwärmenden Ameisen direkt über einem Ameisenhügel beobachtet. Abends suchen sie häufig Trinkstellen auf (Beck 1995, Boye 2004, Dietz et al. 2007, Horáček & Benda 2011).

Als Winterquartiere nutzt die Alpenfledermaus Felshöhlen, Spalten und vermutlich auch Baumhöhlen in tiefer gelegenen Tälern (Schober & Grimmberger 1998). In Deutschland wurde nur ein Quartier bei Mittenwald bekannt. Dieses befand sich im Dachstuhl eines Hauses (Boye 2004).

Beschreibung des Lebenszyklus im Zusammenhang mit Landnutzungsaktivitäten

In der einzigen in Deutschland bekannt gewordenen Wochenstube der Alpenfledermaus wurden die Weibchen am 24. Mai angetroffen (Boye 2004). Es ist also davon auszugehen, dass sie spätestens im April ihre Winterquartiere verlassen und im Mai ihre Wochenstubenquartiere beziehen. Die Geburten erfolgen zwischen Mai und Ende Juli. Mitunter sind auch im August noch Weibchen trächtig. Es werden meist zwei Junge geboren (Boye 2004, Dietz et al. 2007, Schober & Grimmberger 1998). In Gefangenschaft aufgezogene Jungtiere waren nach vier Wochen ausgewachsen und nach 35-40 Tagen flugfähig. In den Wochenstuben verbleiben sie wahrscheinlich bis August oder September. Nach Gefangenschaftsbeobachtungen erfolgt die Paarung ab September, Anfang November beginnt der Winterschlaf (Dondini & Vergari 2007). Allerdings sind Alpenfledermäuse bei milder Witterung im Winter häufig aktiv (Boye 2004).

Aufgrund der Nutzung von Gebäuden oder Felsspalten als Quartiere kommt es diesbezüglich zu keinen Beeinträchtigungen durch Landnutzungsaktivitäten. Da die Alpenfledermaus auch in der traditionell genutzten Kulturlandschaft jagt, ist jedoch die Reduktion des Insektenreichtums durch eine Verstärkung der Nutzung (häufigere Mahd, stärkere Beweidung, Umbruch von Grünland in Ackerland) vor allem während der Jungenaufzucht sicherlich problematisch. Auch der Einsatz von Insektiziden kann sich direkt durch die Verringerung der Nahrungsgrundlage oder mittelbar durch die Vergiftung der Fledermäuse nachteilig auswirken. Allgemein sind, da die Art nur selten in größeren Waldgebieten jagt, keine großen Überschneidungen mit forstwirtschaftlichen Aktivitäten zu erwarten. Es ist unklar, inwiefern die Alpenfledermaus sich beim Flug an Leitelementen orientiert, so dass zu deren Bedeutung nichts gesagt werden kann.

Verbreitung

Literatur