Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Imagines der Art (Geschlechtsstadium) werden teilweise als gut flugfähig eingeschätzt, so dass es auch bei Entfernungen zwischen 5 und 7 Kilometern zu einem vermutlich regelmäßigen Austausch zwischen Vorkommen kommt (Mauersberger 2003). Andere Autoren hingegen vermuten, dass die Art lediglich eine geringe Ausbreitungsfähigkeit besitzt. In Markierungsexperimenten waren maximale Entfernungen von einem Kilometer festgestellt worden (Keller 2009).

Außerhalb des Verbreitungsschwerpunktes in Brandenburg und im südlichen Mecklenburg-Vorpommern liegen die Vorkommen fast ausschließlich so weit voneinander entfernt, dass aufgrund der geringeren Mobilität der Art jedes einzelne Vorkommen als lokale Population zu werten ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aufgrund von Veränderungen in vielen Fortpflanzungsgewässern (v.a. Entwicklung der für die Eiablage und als Lebensraum der Larven wichtigen Bestände von Unterwasserpflanzen, vgl. Mauersberger et al. 2003) nicht nur aktuell besiedelte Gewässer, sondern auch potenziell zur Fortpflanzung geeignete Gewässer in der Umgebung eine Bedeutung für den Bestand der lokalen Population haben können. Denn dorthin kann die Art ausweichen, wenn das ursprüngliche Fortpflanzungsgewässer aufgrund der oben genannten Veränderungen nicht mehr besiedelt werden kann.

Im nordostdeutschen Verbreitungsschwerpunkt (Seenplatten Südmecklenburgs und Nordostbrandenburgs) liegen die Entfernungen zwischen den besiedelten Gewässern nur selten über 15 Kilometern. Mauersberger (2003) geht daher von einem Austausch zwischen einzelnen Vorkommen aus. Hier ist im Einzelfall zu prüfen, ob dieser Austausch regelmäßig stattfindet und die betreffenden Vorkommen zu einer lokalen Population zusammengefasst werden können.

Gefährdungsursachen

Hauptgefährdungsursache für die Zierliche Moosjungfer sind Veränderungen der Pflanzenbestände an ihren Fortpflanzungsgewässern. Diese werden zum einen durch Nährstoffeinträge, zum anderen aber auch durch Veränderungen der Fischlebensgemeinschaften infolge fischereiwirtschaftlicher Nutzung verursacht.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Gefährdungsursachen für die Zierliche Moosjungfer durch Bewirtschaftungsmaßnahmen sind zum einen direkte und indirekte Nährstoffeinträge aus land- und forstwirtschaftlichen Nutzungen, zum anderen fischereiwirtschaftliche Nutzungen, die durch Besatz mit sogenannten „Friedfischen“ oder übermäßige Entnahme von Raubfischen die Fischlebensgemeinschaft der Gewässer nachhaltig verändern.

Nutzungsbedingte Gefährdungsursachen sind daher insbesondere:


  • Direkte oder indirekte Nährstoffeinträge in die Fortpflanzungsgewässer v.a. aus landwirtschaftlichen Nutzungen
  • Rückgang von Beständen der Unterwasserpflanzen infolge dieser Nährstoffeinträge (vgl. Mauersberger 2003)
  • Veränderungen der Waldstruktur in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer, z.B. durch Kahlschläge, Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich genutzte Flächen
  • Übermäßiger Bestand bzw. Besatz mit Fischen, insbesondere mit „Friedfischarten“ wie Karpfen und Graskarpfen, die Wasserpflanzen vernichten; dies führt durch Aufwühlen des Gewässergrundes und durch Fraß zu einer Trübung des Wassers und zu einer Dezimierung von Beständen der Unterwasserpflanzen; beides trägt zum Rückgang der Zierlichen Moosjungfer bei
  • Übermäßige Entnahme der natürlich vorkommenden, den Fischbestand regulierenden „Raubfische“; hierdurch kann es zu einer Verschiebung der Fischartendominanz zugunsten der „Friedfischarten“ und damit zu einer Dezimierung von Unterwasserpflanzen (s.o.) kommen

Sonstige

  • Zerstörung größerer Stillgewässer – insbesondere Altarmen – in Flussauen durch Trockenlegung, Ausbaggerung oder andere wasserbauliche Maßnahmen (vgl. Mauersberger 2003)
  • Verlandung infolge von fortschreitendem Pflanzenwuchs v.a. an Altarmen bei gleichzeitig ausbleibender Neubildung geeigneter Gewässer infolge eingeschränkter Auendynamik