Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Eine exakte Abgrenzung von lokalen Populationen ist aufgrund der Mobilität und der sehr großen Streifgebiete nicht möglich. Die Abgrenzung sollte daher anhand großer geschlossener Waldgebiete (Solling, Kaufunger Wald, Harz etc.), ersatzweise anhand von Naturräumen (naturräumliche Haupteinheiten) stattfinden. Diese stimmen i.d.R. gut mit den Verbreitungsschwerpunkten der Art überein und decken den großen Raumanspruch der Art ab.

Bei größeren Raumeinheiten würden allerdings auch räumlich deutlich getrennte Vorkommen zusammengefasst. Deshalb ist darauf zu achten, dass Beobachtungspunkte oder Fundpunkte nicht mehr als 30 km voneinander entfernt und nicht durch Barrieren voneinander getrennt sein dürfen, damit sie noch zu einem gemeinsamen Areal und damit einer lokalen Population gezählt werden können (Denk et al. 2004).

Agrarräume, die arm an Lebensraumelementen sind, verbaute Gewässer, stark befahrene Verkehrswege und Siedlungsbänder stellen schwer überwindbare Barrieren dar, die Ausbreitung und genetischen Austausch erschweren oder unmöglich machen.

Deckungsfreie Flächen ab einer Länge von 300 m werden mitunter nicht überwunden (Gärtner & Norgall 2008). Eine auf große Grünland- oder Ackerschläge ausgerichtete Landwirtschaft kann deshalb zur Isolation einzelner Vorkommen führen.

Gefährdungsursachen

Hauptgefährdungsursachen sind lebensraumzerstörende oder -isolierende Maßnahmen durch Forst- und Landwirtschaft und der Ausbau von Verkehrswegen (einschließlich Forststraßen und Wanderwege im Wald). Diese Faktoren wirken sich sowohl kurzfristig über verkleinerte Streifgebiete und zurückgehende Fortpflanzungserfolge als auch langfristig über schwindende genetische Vielfalt der Vorkommen auf die Überlebenschancen der Wildkatze aus.

Land- und Forstwirtschaft

  • Zerschneidungswirkungen/Barrieren (Verkehrswege, Zäune) und Zerstörung oder Umgestaltung von Wanderkorridoren (Waldsäume, Gehölzstreifen in der Agrarlandschaft, naturnahe Gewässerufer) führen zur teilweisen oder vollständigen Isolation von Vorkommen
  • Reduzierung oder Zerstörung alter, lichter Laubmischwälder, Beeinträchtigung reich gegliederter Waldsäume und Beseitigung anderer besonderer Lebensraumelemente im Wald (Felsnasen, Holzstubben etc.) führen zum Verlust von Jagdgebieten, Sonnen- und Ruheplätzen und Wanderrouten
  • Fehlen geeigneter Wurforte (v.a. Baumhöhlen) führt zu erhöhter Jungensterblichkeit

Besonders während der Jungenaufzucht wirken sich folgende Faktoren stark negativ auf die Wildkatze aus:


  • Maschinelle Räumung von Windwurfflächen (Stämme, Kronen, Wurzeln) kann Verstecke zerstören und Jungtiere verletzen oder töten
  • Fehlbejagung bei der Jagd auf verwilderte Hauskatzen, Bau- und Fallenjagd (Totschlagfallen) und das Ausmähen (Tod durch Mähmaschinen) von Wildkatzen auf Wiesen im waldnahen Bereich können zum Verlust des Muttertieres und damit des gesamten Wurfes führen

Sonstige

  • Zäune aus Knotengittern sind Todesfallen, da sich die Tiere beim Überklettern mit den Krallen verfangen können oder mit den Läufen „einfädeln“
  • Die Bastardierung mit Hauskatzen tritt wahrscheinlich seltener auf als allgemein angenommen, ist aber z.B. in schottischen und ungarischen Vorkommen von Bedeutung
  • Straßen- und Schienenverkehr auf ungesicherten Verkehrswegen fordern Todesopfer
  • Störungen durch eine intensive Freizeitnutzung (insbesondere wenn Hunde nicht angeleint werden) können zur Aufgabe des Wurfes oder einer schlechten Nahrungsversorgung der Jungtiere führen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) In hohem Maße verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend

Literatur