Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Morphologische Untersuchungen fanden keine Unterschiede in den Schädelmaßen zwischen Weißseitendelfinen von der Westküste und der Ostküste des Nordatlantiks (Mikkelsen & Lund 1994 zitiert in Evans & Teilmann 2009). Es gibt allerdings erste genetische Indizien für die Existenz einer diskreten Population (d.h. ein in sich geschlossener Bestand, der sich genetisch von benachbarten unterscheidet) entlang der Westküste Irlands (Mirmin et al. 2011). Eine eigenständige Population in der Nordsee scheint jedoch unwahrscheinlich. Aufgrund von Ergebnissen genetischer und Isotopen-Untersuchungen schlagen Evans & Teilmann (2009) folgende vier geographischen Einheiten zur Bestandspflege („management units“) für den Weißseitendelfin vor:


  • Nordost-Atlantik (einschließlich der Nordsee)
  • Zentraler Ost-Atlantik (einschließlich der Keltischen See und des westlichen Englischen Kanals)
  • Golf von Maine
  • Cape Cod

Gefährdungsursachen

Der Weißseitendelfin ist hauptsächlich durch Beifang, Umweltgifte und Unterwasserlärm gefährdet.

Fischereiwirtschaft

  • Weißseitendelfine werden in einer Vielzahl von Hochsee-Fischereien unbeabsichtigt beigefangen: in Kiemennetzen, Grundschleppnetzen und pelagischen Geschirren. Waring et al. (2009) bezifferten den Beifang vor der Ostküste Nordamerikas auf geschätzte 328 Tiere im Zeitraum 2003 bis 2007.

Sonstige

  • Die Einleitung von Schwermetallen und kaum abbaubaren organischen Giften führt zu einer ständigen Anreicherung dieser Stoffe. Im Fettgewebe der Weißseitendelfine wurden z.B. erhöhte PCB-Werte (insbesondere der Kongenere Nr. 153 und 138) und Pestizid-Werte (z.B. DDT und seine Metaboliten DDD und DDE, sog. ΣDDTs) festgestellt; im Lebergewebe kam es zu Quecksilberanreicherungen (Stein et al. 2003).
  • Weißseitendelfine besitzen wie alle Zahnwale ein sehr empfindliches Gehör, welches durch knallartige Unterwassergeräusche geschädigt werden kann. Selbst Lärm, der keinen bleibenden Schaden verursacht, kann sie nachhaltig schädigen, z.B. indem er die Kommunikation der sozialen Tiere erschwert oder verhindert. Auf hoher See führen insbesondere seismische Erkundungen mit sogenannten Airguns sowie Militärsonare zu starken Lärmbelastungen.
  • Der Weißseitendelfin wird weiterhin in Grönland und auf den Färöer-Inseln bejagt, nachdem die Jagd auf diese Art in Norwegen und Neufundland zum Erliegen gekommen zu sein scheint.

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) nicht enthalten
Rote Liste Europa (www.iucnredlist.org/initiatives/europe) LC (ungefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) bisher keine Bearbeitung

Verbreitung

Literatur

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