Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Wechselkröten sind als Pionierart vergleichsweise mobil und gehören zu den wanderfreudigsten heimischen Amphibien. So können Jungtiere Distanzen von > 2 km zurücklegen, um neue Lebensräume zu erschließen (Günther & Podloucky 1996). Auf ihren Wanderungen orientieren sich die Tiere oft an linienhaften Elementen wie Gräben, Säumen, Wegrändern (Blab et al. 1991) oder Bahntrassen.

Trotz der Wanderfreudigkeit verbleiben die meisten Tiere im Nahbereich der Laichgewässer. Der Aktionsradius kleiner Populationen (< 20 Tiere) beträgt i.d.R. ca. 500 m, bei großen Populationen auch 4 km (max. 8-10 km, vgl. Geil 1962).

Nach Expertenmeinung ist dann von getrennten lokalen Populationen auszugehen, wenn ein Gewässerverbund mehrerer Teilpopulationen mehr als 4.000 m vom nächsten Vorkommen entfernt liegt. Schmidt (2006) gibt 2.000-3.000 m als gute Vernetzung zwischen Vorkommen an. Bei kleinen Populationen ist bereits ab 500 m eine ungenügende Vernetzung getrennter Rufgruppen nach Ansicht der Autoren anzunehmen. Die lokale Population ist in solch einem Fall entsprechend kleinräumiger abzugrenzen.

Bei der Abgrenzung sollte berücksichtigt werden, dass die Hauptvorkommen der Art sich i.d.R. außerhalb der Flächen mit landwirtschaftlicher Nutzung auf Sonderstandorten befinden.

Gefährdungsursachen

Bei den heute von der Wechselkröte schwerpunktmäßig besiedelten Lebensräumen handelt es sich um vom Menschen geschaffene Ersatzlebensräume wie Ackerlandschaften und Bodenabgrabungen. Dort stellen die modernen Formen der Landbewirtschaftung sowie der fortschreitende Bewuchs (fehlende Dynamik) und Umnutzung (Rekultivierung) in den aufgegebenen Abgrabungen die Hauptgefährdungsursachen dar.

Land- und Forstwirtschaft

Insbesondere folgende Maßnahmen der Landwirtschaft und des Weinbaus wirken sich nachteilig auf Vorkommen der Wechselkröte aus:


  • Verlust und Entwertung von Laichgewässern (z.B. durch Verfüllung oder Nährstoffeintrag)
  • Mineralische Düngung (mit Kalkammonsalpeter, Kali-Phosphor) bzw. Einsatz von Pestiziden im weiteren Umfeld der Laichgewässer
  • Zunehmend eingeschränkte Fruchtfolgen im Ackerbau mit immer größeren, maschinengerechten Schlägen und damit einhergehender Vereinheitlichung der Standortbedingungen (Verlust von Nassstellen) und Verarmung an Lebensraumelementen, Austrag von Nährstoffen in die Gewässer
  • Aufgabe der Viehhaltung oder Übergang zur Stallhaltung
  • Erhöhte Sterberaten durch maschinelle Bearbeitung der an die Laichgewässer angrenzenden Ackerflächen (z.B. Rübenernte)
  • Aufgabe des kleinflächigen Weinbaus unter andern als Folge der Flurbereinigung
  • Rückgang geeigneter Offenlandflächen im Landlebensraum, zunehmende Beschattung und Verlust von Offenbodenstellen durch aufkommenden hochwüchsigen Kraut- und Baumbewuchs

Sonstige

  • In Abbaustellen als bedeutendem Ersatzlebensraum:
    • Rekultivierung (meist Wiederverfüllung, Aufforstung oder Flutung) stillgelegter Flächen ohne Schaffung von Ausweichlebensräumen in der unmittelbaren Nachbarschaft
    • Fortschreitende natürliche Entwicklung des Gras-, Kraut- und Gehölzaufwuchses nach Nutzungsaufgabe, kein neues Entstehen von Kleingewässern
    • Art und Weise des Abbauvorgangs (keine Kleinabgrabungen, Zunahme der Abbaugeschwindigkeit, Tiefabbau bzw. Nassbaggerungen)
  • Zerstörung der natürlichen Lebensräume in den Flussauen und Küstenlebensräumen
  • Verstärkter Laich- und Larvenfraß durch künstlichen Fischbesatz
  • Vernichtung von Kleingewässern, u.a. im Siedlungsbereich, durch Bebauung, Ablagerungen etc.
  • Bordsteine mit Gullis (Falleneffekt im Siedlungsbereich)

Überblick zum Status der Art

Synonyme Grüne Kröte, Gelbäugige Kröte, Veränderliche Kröte
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – schlecht, alpine Region: ungünstig – schlecht