Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Wasserfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Meist liegt die Koloniegröße bei unter 40, in Einzelfällen auch bei mehreren hundert Weibchen. Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz & Simon (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Die Wochenstube der Wasserfledermaus verteilt sich häufig auf mehrere nah beieinander gelegene Quartiere. Die Gesamtheit der genutzten Quartiere bezeichnet man als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser auch innerhalb eines Waldgebietes räumlich klar abgrenzbar. Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen in einem Waldgebiet) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Da die Wasserfledermaus ihre Sommerquartiere fast ausschließlich in Baumhöhlen bezieht, ist sie hauptsächlich durch die Entnahme von Höhlenbäumen gefährdet (Dietz & Boye 2004).

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Verlust von Sommerquartieren durch das Fällen vor allem gewässernaher (d.h. in einem Abstand von bis zu 1,5 km von Jagdgewässern entfernter) Höhlenbäume und die Entnahme von stehendem Alt- und Totholz (potenzielle Höhlenbäume) sowie zu geringem Anteil an Alt- und Totholz in den Wäldern (besonders in gewässernahen bzw. -reichen Wäldern)
  • Verlust von Flugrouten und teilweise auch Jagdgebieten durch die Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Parzellen, die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen
  • Verringerung des Insektenangebotes und Beeinträchtigung der Gesundheit der Tiere (z.B. geringere Fruchtbarkeit) durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in der Land- und Forstwirtschaft
  • Jagdgebietsverlust durch das Trockenlegen von Feuchtgebieten und Kleingewässern in Wäldern
  • Verlust von Jagdgebieten und Flugrouten durch Reduktion von Gehölzstreifen und natürlicher oder naturnaher und stufenreicher Waldränder
  • Verringerung des Insektenangebotes durch übermäßigen Nährstoffeintrag in Gewässer (geschlossene Algendecken nachteilig)
  • Verlust von Jagdgebieten durch die Verringerung von Röhricht und Ufersäumen (Rückgang des Insektenangebotes)
  • Hindernis/Verletzungsgefahr bei der Jagd an mit Netzen überspannten Fischteichen
  • Verletzungsgefahr durch hängengebliebene Angelhaken im Uferbewuchs oder beim Auswerfen von Angelhaken

Sonstige

  • Verlust von Jagdgebieten und Verringerung des Insektenangebotes durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, breiter Gewässerrandstreifen (z.B. durch Uferverbau)
  • Jagdgebietsverlust und Verringerung der Insektenvielfalt durch Trockenlegung von Gewässern
  • Verlust der Nahrungsgrundlage durch übermäßigen Nährstoffeintrag in Gewässer
  • Beeinträchtigung des Nahrungsangebotes durch Einsatz von Insektiziden (z.B. Bekämpfung von Stechmücken mit Bacillus thuringiensis israelensis (Bti)
  • Jagdgebietsverlust durch Erhöhung von Fließgeschwindigkeiten von Gewässern z.B. durch Flussbegradigungen, Uferbefestigungen, so dass das Insektenvorkommen in diesen Gewässern verringert wird
  • Lebensraumverlust durch Beleuchtung von Gewässern und Flugwegen
  • Verlust insektenreicher Landschaftselemente als Jagdgebiete und Orientierungsmöglichkeit durch Reduzierung von Hecken, Feldgehölzen und Säumen (Flurbereinigung)
  • Verlust von Quartieren durch unsachgemäße Sanierungsarbeiten an Brücken (Verschluss der Einflugöffnungen, Zerstörung von Hangplätzen etc.)
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Lichtanlagen in Winterquartieren (z.B. Dauerbeleuchtung)
  • Verlust von geeigneten Winterquartieren (Bergwerke, Stollen) durch nicht fachgerechten Verschluss der Eingänge als Sicherungsmaßnahme
  • Beeinträchtigung der Tiere in den Winterquartieren durch Tourismus (geregelter Tourismus: Besucherbergwerk; ungeregelter Tourismus: fehlende Absperrungen)
  • Beeinträchtigung von Quartieren durch die Anlage von Radwegen in alten, nicht mehr genutzten Eisenbahntunneln, die als Winterquartiere, im Sommer aber auch als Männchenquartiere genutzt werden (Meinig et al. 2009)
  • Zerschneidung der Jagdgebiete und Flugrouten mit Kollisionsgefahr durch den Bau von Verkehrswegen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) * (Ungefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: günstig; kontinentale Region: günstig; alpine Region: günstig