Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Teichfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Koloniegröße kann bis zu einigen Hundert Weibchen betragen. Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz & Simon (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Bei der Teichfledermaus kann der Wechsel zwischen verschiedenen Wochenstubenquartieren beobachtet werden. Eine Wochenstube nutzt neben dem Wochenstubenquartier verschiedene Ausweichquartiere (Dietz et al. 2007, Mundt et al. 2010, Petermann & Boye 2006). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich in einer Ortslage bzw. auch innerhalb eines Waldgebietes klar abgrenzbar. Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage bzw. in einem Waldgebiet) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Die Teichfledermaus ist hauptsächlich durch die Zerstörung ihrer Gebäudequartiere bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten bzw. den Abriss von Gebäuden gefährdet. Aber auch der Mangel bzw. Verlust von gewässernahen Höhlenbäumen, die der Teichfledermaus als Männchen-, Paarungs- und Tagesquartiere dienen, stellt eine Gefährdung für die Art dar (Boye et al. 2004, Günther et al. 2005).

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Verlust von Flugrouten (und Jagdgebieten) durch das Zusammenlegen von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Schlägen, die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen
  • Verringerung des Insektenangebotes durch übermäßigen Nährstoffeintrag in Gewässer (geschlossene Algendecken nachteilig)
  • Verlust von Jagdgebieten durch die Verringerung von Röhricht und Ufersäumen (Rückgang des Insektenangebotes)
  • Verlust von Jagdgebieten und Flugrouten durch Verringerung von stufen- und artenreichen Waldrändern
  • Verlust von Männchen-, Zwischen- und Paarungsquartieren durch das Fällen gewässernaher Höhlenbäume
  • Verschlechterung des Nahrungsangebotes durch Fischbesatz mit nicht heimischen Fischen wie z.B. mit Graskarpfen zur Reduktion des Gewässerbewuchses im Bereich von Jagdgebieten

Sonstige

  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten in Siedlungen durch Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden, Quartierverschluss sowie Abriss von Gebäuden
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig an historischen Gebäude mit Teichfledermauskolonien) sowie des Quartierinnenraumes
  • Intensive Beleuchtung an Gewässern im Siedlungsbereich
  • Beeinträchtigung der Gesundheit der Tiere (z.B. geringere Fruchtbarkeit) durch den Einsatz von giftigen Holzschutzmitteln in den Quartieren
  • Verlust von Winterquartieren und Winterquartiermöglichkeiten durch den Verschluss von Höhlen und Stollen ohne geeignete Einflugmöglichkeiten für die Fledermäuse
  • Beeinträchtigung der Tiere in den Winterquartieren durch Tourismus (geregelter Tourismus: Besucherbergwerk; ungeregelter Tourismus: fehlende Absperrungen)
  • Verlust von Jagdgebieten und Verringerung des Insektenangebotes durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, breiter Gewässerrandstreifen (z.B. durch Uferverbau)
  • Jagdgebietsverlust und Verringerung der Insektenvielfalt durch Trockenlegung von Gewässern
  • Verlust insektenreicher Landschaftsbestandteile als Jagdgebiete und Orientierungsmöglichkeit durch das Entfernen von Hecken, Feldgehölzen, Alleen und Säumen die auch als Leitelemente zwischen Quartier und Gewässer genutzt werden
  • Beeinträchtigung von Quartieren (Winterquartiere) bzw. von Tieren beim sommerlichen Schwärmen vor Winterquartieren durch die Anlage von Radwegen in alten, nicht mehr genutzten Eisenbahntunneln (Meinig et al. 2009)
  • Kollisionsgefahr durch den Bau von Verkehrswegen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) D (Daten unzureichend)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) In hohem Maße verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig - unzureichend; kontinentale Region: ungünstig – unzureichend