Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die lokale Population des Schmalbindigen Breitflügel-Tauchkäfers ist auf das Gewässer und hier besonders dessen Uferbereich bis zu 300 m vom Gewässerrand als Pufferzone beschränkt (vgl. Schnitter et al. 2006). Auf der Suche nach geeigneten Gewässern unternehmen die Käfer in den Sommermonaten nächtliche Schwarmflüge, sicher über Distanzen von mehreren hundert Metern. Die Nutzung von kleineren Gewässern als "Trittstein" in der natürlichen Verbreitung kann als sicher angesehen werden.

Gefährdungsursachen

Der Schmalbindige Breitflügel-Tauchkäfer ist vor allem durch den Verlust nährstoffarmer Stillgewässer mit einer großen ungestörten Randzone gefährdet. Von Holmen (1993) und Foster (1996) wird das Verschwinden dieser Art, wie auch die des  Breitrandkäfers (Dytiscus latissimus), in weiten Teilen Europas seit Beginn unseres Jahrhunderts als verspätete Antwort auf die Klimaveränderung nach der letzten Eiszeit gesehen. Neben klimatischen Ursachen sind für den Rückgang dieser Art menschliche Einflüsse, wie Maßnahmen zur Entwässerung, Überdüngung und Beschattung der Brutgewässer, zu hoher Fischbesatz in den wenigen noch verbliebenen Lebensräumen (Holmen 1993) verantwortlich. Menschliche Einflüsse, wenn auch nicht für den generellen Trend verantwortlich, haben das lokale Erlöschen der Art in vielen Teilen Mittel- und Westeuropas dann beschleunigt.

Folgende Maßnahmen der Land- und Fischereiwirtschaft können sich nachhaltig auf Vorkommen des Schmalbindigen Breitflügel-Tauchkäfers auswirken:

Land- und Fischereiwirtschaft

  • Überdüngung von Gewässern in der Teichwirtschaft (Fischteiche, Weiher und Flachseen) insbesondere durch starke Zufütterung (Intensivierung der Teichwirtschaft: Erträge > 0,7 t/ha)
  • Hoher Prädationsdruck durch zu hohen Fisch- und Wasservogelbesatz
  • Ausbreitung des Sonnenbarsches als extrem aggressiver Räuber (speziell in Bayern)
  • Intensivierung der Landwirtschaft: Ausbringung von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln in der Nähe von Gewässern, fehlende oder zu schmale Pufferzonen, Einleitung von ungefilterten Abwässern aus Regenwasserleitern
  • Entwässerungsmaßnahmen und Entfernen von Pflanzenwuchs in Stillgewässern und an deren Rändern
  • Zu starke Beschattung der Ufer von Flachseen, dadurch Rückgang der Röhrichtgürtel

Sonstige

  • Verlust nährstoffarmer, reich gegliederter Flachseen und Weiher
  • Verlust von überstauten Feuchtwiesen und sommertrockener Altarme in Flussauen
  • Verlandung/Versandung und Absenkung des Grundwasserspiegels, gerade im Umland von Ballungsgebieten (Berlin) und in den Tagebaugebieten der Nieder- und Oberlausitz (Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt)
  • Wasserverschmutzung, Versauerung der Gewässer (z.B. durch Sümpfungswässer)
  • Stoffeintrag durch Luftverschmutzung

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Hess et al. 1999) 1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Foster 1996) nicht gefährdet in: Finnland, Frankreich, Schweden;
gefährdet in: Dänemark, Schweiz;
vom Aussterben bedroht in: Großbritannien, Niederlande
Verantwortlichkeit bisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig - schlecht, kontinentale Region: ungünstig – schlecht