Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Der Quendel-Ameisenbläuling tritt nur in geringen Populationsdichten auf. Die Anzahl der Wirtsameisennester im Lebensraum des Bläulings begrenzt letztendlich die Populationsgröße bzw. Individuenzahl des Falters. Thomas (1984) gibt als Erfahrungswert 1-2 ha als minimale Größe für einen Fortpflanzungslebensraum an. Typische Populationen erreichen Größen von 50 bis 1.000 Faltern auf Flächen von 2-5 ha.

Da der Quendel-Ameisenbläuling in der Regel ein geringes Ausbreitungsvermögen aufweist, wird er meist als recht standorttreu beschrieben. Es gibt jedoch auch einzelne Beobachtungen von weiten Flugdistanzen, so in einem veröffentlichten Fall etwa 5,7 km in einer finnischen Population (zusammengefasst in Munguira & Martin 1999). Wenn man von solchen, vermutlich nur selten auftretenden Extremfällen absieht, muss man derzeit wohl von einigen Hundert Metern Distanz zwischen lokalen Populationen ausgehen.

Gefährdungsursachen

Hauptgefährdungsursache ist der Verlust geeigneter Lebensräume als Folge der Aufgabe traditioneller Nutzungsweisen.

Land- und Forstwirtschaft

Die ausbleibende Beweidung (v.a. Hüteschäferei) oder die Aufgabe der Mähnutzung der ertragsschwachen Standorte führen zu einer dichteren Grasdecke und Verfilzung und letztendlich zu einer Verbuschung der Lebensräume. Insbesondere die Wirtsameisen reagieren schon auf eine geringe Zunahme der Bewuchshöhe und verschwinden lange vor den Raupenfutterpflanzen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es regional starke Unterschiede gibt, so sind die besten Vorkommen im Saarland an weitgehend ungenutzten Standorten anzutreffen. Als weitere Gefährdungsursachen sind zu nennen:


  • Verstärkte landwirtschaftliche Nutzung – insbesondere die Zufuhr von Nährstoffen (auch aus Dung) – führt aufgrund des dichteren und höheren Pflanzenwachstums und der Verschiebungen im Artenspektrum zum Lebensraumverlust
  • Eine landwirtschaftliche Nutzung, die die Erfordernisse des Quendel-Ameisenbläulings nicht berücksichtigt und unsachgemäß durchgeführte Pflegemaßnahmen (z.B. Mahdtermine während der Hauptflugzeit) können zum Ausfall ganzer Faltergenerationen führen bzw. den Aufbau des Bewuchses negativ verändern (z.B. Verlust von Keimbetten für die Raupenfutterpflanzen)
  • Heute von geringerer, früher aber von großer Bedeutung sind direkte Eingriffe in die Lebensräume, wie Überbauung oder Aufforstung
  • Eine Gefährdung stellt der Einsatz von Herbiziden dort dar, wo sich die Lebensräume des Falters im Bereich von Säumen an Böschungen, Wegen oder Waldrändern befinden
  • Aufgabe der Bewirtschaftung (Zeitrahmen regional unterschiedlich, je nach Bedingungen können einige Jahre zwischen Aufgabe der Bewirtschaftung und Lebensraumverlust vergehen)
  • Bei Hütehaltung: ungünstige Weideführung, Anlage von Mittagspferch oder Koppelung in empfindlichen Bereichen
  • Änderung der Bewirtschaftung, z.B. zu geringer Weidedruck auf Magerrasen und dadurch Verlust eines kurzrasigen Aufbaus der Pflanzendecke
  • Trennung von Wald und Weide in den Alpen und anderen Lebensräumen
  • Zu starke Beweidung mit Rindern im Alpenraum, auf stark beweideten Flächen sind oft nur die weniger stark begangenen und bekoteten Steilhangpartien für den Quendel-Ameisenbläuling nutzbar
  • Zu starke Beweidung mit Pferden als Ergebnis der zunehmenden Hobby-Pferdehaltung

Sonstige

  • Stickstoffeinträge aus der Luft bewirken eine Düngung der Lebensräume, welche die Lebensbedingungen von Falter, Ameise und Futterpflanze schleichend verschlechtern können
  • Fehlender genetischer Austausch durch Verinselung der Vorkommen
  • Nach Modellrechnungen besteht ein Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Klare Anhaltspunkte aus der Geländebeobachtung auf grundlegende Auswirkungen des Klimawandels liegen jedoch nicht vor, es sind jedoch auch keine gezielten Untersuchungen erfolgt

Überblick zum Status der Art

Synonyme Phengaris arion, Glaucopsyche arion, Lycaena arion, Schwarzfleckiger Ameisen-Bläuling, Schwarzgefleckter Bläuling, Thymian-Ameisenbläuling
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2010) EN (Stark gefährdet)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht, alpine Region: günstig