Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Das Ausbreitungspotenzial der Art wird als sehr hoch eingeschätzt, so dass auch in Entfernungen von mehreren Kilometern zu den Fortpflanzungsgewässern regelmäßig Tiere angetroffen werden können. In Brandenburg konnte die Besiedlung eines geeigneten Gewässers bereits nach einigen Jahren nachgewiesen werden, obwohl das nächste Vorkommen etwa 18 km entfernt lag (Mauersberger 2003).

Außerhalb der Verbreitungsschwerpunkte (Seenplatten Südmecklenburgs und Nordostbrandenburgs) bestehen die Vorkommen fast ausschließlich aus einzelnen, z.T. weit verstreuten Fortpflanzungskolonien, wenngleich diese bei optimalen Lebensräumen auch sehr individuenreich sein können. Jedes dieser Einzelvorkommen ist aufgrund der Isolation als lokale Population zu werten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aufgrund von Veränderungen in vielen Fortpflanzungsgewässern (Bewuchsentwicklung, Veränderungen der Fischpopulationen) nicht nur aktuell besiedelte Gewässer, sondern auch potenziell zur Fortpflanzung geeignete Gewässer in der Umgebung eine Bedeutung für den Bestand der lokalen Population haben können. Denn hierhin kann die Art ausweichen, wenn das ursprüngliche Fortpflanzungsgewässer aufgrund der oben genannten Veränderungen nicht mehr besiedelt werden kann.

Im Verbreitungszentrum der Art in Deutschland (Südmecklenburg und Nordostbrandenburg) existieren im Umfeld bedeutender Fortpflanzungsgewässer auch Gewässer mit geringeren und meist schwankenden Populationsgrößen. Diese Gewässer können ggf. bei bestehendem Kontakt mit der Hauptpopulation in die jeweilige lokale Population einbezogen werden. Die Abgrenzung der lokalen Population kann dann nur vor Ort nach eingehenden Untersuchungen durch einen erfahrenen Gutachter erfolgen. Dabei sollte für die Vorkommen durch Erfassung von Exuviendichten die Populationsgröße und die Ausdehnung der besiedelten Uferabschnitte abgeschätzt werden.

Gefährdungsursachen

Hauptgefährdungsursachen für die Östliche Moosjungfer sind direkte und indirekte Nährstoffeinträge aus land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzungen, da die Art nährstoffarme Gewässer bevorzugt.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Nutzungsbedingte Gefährdungsursachen sind insbesondere:


  • Direkte oder indirekte Nährstoffeinträge in die Fortpflanzungsgewässer aus land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzungen
  • Beschleunigter Aufwuchs von Pflanzen mit nachfolgender Verlandung der Fortpflanzungsgewässer aufgrund von Nährstoffeintrag
  • Veränderungen der Waldstruktur in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer, z.B. durch Kahlschläge, Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich genutzte Flächen
  • Übermäßiger Bestand bzw. Besatz mit Fischen, insbesondere mit am Gewässergrund fressenden Fischarten wie Karpfen und Graskarpfen; dies führt durch Aufwühlen des Gewässergrundes und durch Fraß zu einer Dezimierung der untergetauchten Pflanzenbestände und trägt zum Rückgang der Östlichen Moosjungfer bei (Burbach 2003)
  • Übermäßige Entnahme der natürlich vorkommenden, den Fischbestand regulierenden „Raubfische“; hierdurch kann es zu einer Verschiebung der Fischartendominanz zugunsten der die Unterwasserpflanzenbestände vernichtenden „Friedfischarten“ kommen

Sonstige

  • Abtorfung von Mooren
  • Entwässerung von Moorkolken und anderen nährstoffarmen Kleinseen (Mauersberger 2003)
  • Grundwasserspiegelabsenkungen durch Wasserentnahme (Burbach 2003)
  • Einleitung von Abwässern oder von Regenwasser aus anderen Einzugsgebieten
  • Trittschäden in den Pflanzenbeständen am Ufer und Beseitigung der untergetauchten Pflanzenbestände durch Freizeitnutzung, z.B. durch Angler (Mauersberger 2003)
  • Eine übermäßige Erholungsnutzung verhindert z.B. in Abbaugewässern die Entwicklung geeigneter Pflanzenbestände oder zerstört diese in besiedelten Gewässern (Burbach 2003)

Überblick zum Status der Art