Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Nymphenfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Koloniegröße beträgt 3-5 Weibchen, kann aber auch bis zu 90 Weibchen (Lučan 2011, schriftl. Mitt.) umfassen. Die Wochenstube wird als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass vermutlich mehrere Quartiere im Verlauf der Wochenstubenzeit genutzt werden (Lučan et al. 2009). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der Quartiere als Quartierverbund. Dieser ist in der Regel räumlich auch innerhalb eines Waldgebietes klar abgrenzbar. Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung eines solchen Quartierverbundes und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen als lokale Population anzusehen. Aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere, lässt sich die lokale Population nur schwer abgrenzen, so dass die Abgrenzung lediglich über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen in einem Waldgebiet) erfolgen kann.

Im Winter ziehen sich die Fledermäuse einzeln oder eventuell in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist die Gefährdung der Nymphenfledermaus bisher noch nicht mit Sicherheit abzuschätzen. Da die Art auf alte Auwälder oder feuchte, alte Laubholzbestände angewiesen ist, stellt die Reduzierung bzw. Entwertung dieser Lebensräume durch die Forstwirtschaft die größte Gefährdung der Nymphenfledermaus dar. Dies betrifft sowohl die Jagdgebiete als auch die Quartiere der Nymphenfledermaus.

Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Verlust von Jagdgebieten und Lebensraum durch die Reduktion bzw. Entwertung von Auwäldern und feuchten, alten Laubwäldern (v.a. Stiel- und Traubeneichenwälder und Hainbuchen)
  • Verschlechterung des Lebensraumes und Quartierverlust (hiervon betroffen sind Höhlenbäume, Bäume mit Spaltenquartieren hinter abstehender Borke und in Form von Rissen am Stamm oder an Ästen) durch Entnahme von stehendem Alt- und Totholz aus alten Stiel- und Traubeneichenwäldern sowie aus naturnahen Au- und Feuchtwäldern
  • Verschlechterung des Quartierangebotes durch frühzeitige Holzernte und eine damit einhergehende Verringerung von über 120 Jahre alten Wäldern
  • Jagdgebietsverlust durch Trockenlegung von Feuchtgebieten und Kleingewässern im Wald
  • Hindernis/Verletzungsgefahr bei der Jagd durch Überspannen von Fischteichen mit Netzen

Sonstige

  • Naturschutzfachlich nicht sachgemäßer Gewässerausbau und Hochwasserschutz mit einhergehender Trockenlegung, Vernichtung von Auwäldern und Abholzung der gewässerbegleitenden Althölzer
  • Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit und Gefährdung der Art durch Anreicherung der Giftstoffe im Körper der Tiere durch Ausbringen von Insektiziden (z.B. bei der Stechmückenbekämpfung am Oberrhein)
  • Verlust von Jagdgebieten durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, breiter (mehr als 5 m) Gewässerrandstreifen mit Gehölzen
  • Anreicherung von Giftstoffen im Körperfett der Nymphenfledermaus durch mit Schadstoffen und Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium belastete Nahrung (z.B. Zuckmücken)
  • Gefährdung der Lebensräume durch Bebauung der Gewässerrandbereiche z.B. bei Siedlungserweiterungen
  • Kollision mit Straßenverkehr durch den stark an Leitelemente gebundenen Flug

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) DD (Daten defizitär)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: unbekannt; kontinentale Region: unbekannt