Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Mückenfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Koloniegröße liegt für kleine Kolonien bei 15-20 Weibchen (Dietz et al. 2007), für große Kolonien können es auch über 1.000 Individuen sein (Vollmer 2009). Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz & Simon (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Die Mückenfledermaus wechselt kaum zwischen verschiedenen Wochenstubenquartieren (Häussler & Braun 2003). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. innerhalb einer kleinen Ortslage). Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage, eines Waldgebietes) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Die Gefährdungsursachen der Mückenfledermaus sind bisher noch nicht mit Sicherheit abzuschätzen. Da sich ihr Vorzugslebensraum vor allem in Auwäldern und Gewässerrandstreifen, sowie in kleinräumig gegliederten Landschaften und gewässerreichen Laubwäldern befindet, stellt die Reduktion dieser Lebensräume die größte Gefährdung der Art dar. Zudem besteht eine Beeinträchtigung bzw. Gefährdung der Mückenfledermaus durch Sanierungen und Umbaumaßnahmen, da ihre Wochenstubenquartiere vorzugsweise in Gebäuden sind und diese z.T. auch als Winterquartiere genutzt werden (Dietz et al. 2007, Institut für Tierökologie und Naturbildung & Simon & Widdig GbR 2006).

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Lebensraumverlust durch Zusammenlegung von Flächen zu größeren Schlägen, die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen sowie Verlust kleinräumig gegliederter, insektenreicher Kulturlandschaften in der Umgebung von Gewässern
  • Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit und Gefährdung der Art durch Anreicherung der Giftstoffe im Körper der Tiere durch Ausbringen von Insektiziden und Herbiziden in der Land- und Forstwirtschaft
  • Verringerung des Insektenangebotes in Wäldern durch die Vereinheitlichung der Wälder z.B. durch Trockenlegung, Verlust von Kleingewässern und durch Verlust der Baumartenvielfalt und Anpflanzung nicht standortheimischer Arten oder Nadelwald, die zu einer Verarmung der Artengemeinschaft (z.B. Insekten und Spinnen) führen
  • Verschlechterung von Lebensräumen durch den Verlust naturnaher Laubwaldbestände mit Unterwuchs, Gewässern und inselartigen Lichtungen
  • Verlust von Jagdgebieten und Lebensraum durch die Reduktion von Auwäldern
  • Verschlechterung des Lebensraumes durch Entnahme von stehendem Alt- und Totholz (z.B. Höhlenbäume) aus naturnahen Au- und Feuchtwäldern
  • Jagdgebietsverlust durch Trockenlegung von Feuchtgebieten und Kleingewässern in Wäldern
  • Verringerung des Insektenvorkommens im Bereich von Jagdgebieten durch zu hohen Fischbesatz in der Teichwirtschaft oder Fischbesatz mit nicht heimischen Fischen (z.B. Graskarpfen zur Reduktion des Gewässerbewuchses)
  • Hindernis/Verletzungsgefahr bei der Jagd an mit Netzen überspannten Fischteichen

Sonstige

  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten in Siedlungen durch Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig an historischen Gebäude mit Mückenfledermauskolonien) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren (z.B. mögliche Dauerbeleuchtung)
  • Naturschutzfachlich nicht sachgemäßer Gewässerausbau und Hochwasserschutz mit möglicher Trockenlegung und Verlust von Auwäldern
  • Verlust von Jagdgebieten durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, breiter Gewässerrandstreifen mit Gehölzen und Einzelbäumen
  • Anreicherung von Giftstoffen im Körperfett der Mückenfledermaus durch mit Schadstoffen und Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium belastete Nahrung (z.B. Zuckmücken)
  • Jagdgebietsverlust durch Verringerung insektenreicher Landschaftsbestandteile (Hecken, Feldgehölze, Säume, Brachen) in Gewässernähe
  • Gefährdung der Lebensräume durch Bebauung der Gewässerrandbereiche z.B. bei Siedlungserweiterungen
  • Verschlechterung des Nahrungsangebotes durch den Verlust von Flachwasserbereichen an Gewässern
  • Beeinträchtigung des Nahrungsangebotes durch Einsatz von Insektiziden (z.B. Bekämpfung von Stechmücken mit Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) am Oberrhein)
  • Verluste an Windkraftanlagen durch direkte Kollision mit den Rotorblättern und Schädigung durch starke Druckveränderungen im Einflussbereich der Rotoren (Baerwald et al. 2008)

Überblick zum Status der Art

Synonyme Pipistrellus mediterraneus (Cabrera, 1904), „55-kHz-Zwergfledermaus“, „Hochrufende Zwergfledermaus“
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) D (Daten unzureichend)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: unbekannt; kontinentale Region: ungünstig - unzureichend; alpine Region: unbekannt