Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Jungtiere wandern mit Strecken bis zu 1.200 m (unter günstigen Bedingungen vermutlich sogar bis 3.000 m) häufig weiter vom Laichgewässer weg als die Alttiere, die sich nach dem Laichgeschäft gern weiterhin in Gewässernähe aufhalten und selten Strecken von mehr als 500 m zurücklegen (Gelder & Butger 1987, Günther & Nabrowsky 1996, Hartung 1991).

Für die meist isolierten Vorkommen in Süd- und Westdeutschland wird man zur Abgrenzung der lokalen Population einen Aktionsradius von 500 m zugrunde legen müssen. Etwas anders sieht es bei den noch gut vernetzten ostdeutschen Vorkommen aus. Nach Experteneinschätzung wird man dort erst dann von getrennten lokalen Populationen ausgehen können, wenn ein besiedelter Gewässerverbund mehr als 1.000 m vom nächsten Vorkommen entfernt liegt. Sind Barrieren, wie etwa verkehrsreiche Straßen vorhanden, ist gegebenenfalls von diesen Richtwerten nach unten abzuweichen.

Gefährdungsursachen

Der Moorfrosch ist hauptsächlich durch die Veränderung und Zerstörung seiner Lebensräume gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft können sich negativ auf Vorkommen des Moorfrosches auswirken:


  • Aufforstung mit standortfremden Nadelholzarten, insbesondere dichte Kiefernforste in Nordost-Deutschland
  • Moderne Landwirtschaft mit Einsatz mineralischer Dünger und Spritzmittel, einschließlich des indirekten Eintrages von Pestiziden und Dünger in die Laichgewässer, Entfernen von kleinteiligen Lebensraumelementen
  • Grünlandnutzung mit regelmäßiger Düngung, hoher Schnittfrequenz und Silagewirtschaft, dem Einsatz von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln und dem Einsatz schwerer, amphibienschädlicher Mähgeräte wie Kreiselmäher
  • Fischbesatz in den Laichgewässern und dadurch künstlich erhöhte Anzahl an Fressfeinden
  • Umwandlung von Grünland in Ackerflächen
  • Zerschneidung von Lebensräumen u.a. durch Forstwegebau

Sonstige

  • Grundwasserabsenkung und Entwässerung der Laichgewässer und der angrenzenden Landlebensräume. Anders als in Süddeutschland und in den überwiegenden Bereichen Westdeutschlands besiedelt der Moorfrosch v.a. in Nordost-Deutschland auch grundwasserferne Landlebensräume; dort wirkt sich die Grundwasserabsenkung v.a. auf die Laichgewässer aus
  • Beseitigung flacher Ufer an Stillgewässern und langsam fließenden Gräben
  • Zerstörung oder negative Veränderung der Laichgewässer (z.B. durch Entfernen des Unterwasser- und krautigen Uferbewuches, um den Abfluss oder die Möglichkeiten der Angelnutzung zu verbessern)
  • Flussregulierungen und der Verlust von Wasserrückhalteflächen
  • Zerschneidung zusammenhängender Lebensraumkomplexe, Isolation von (Teil-)Populationen (gilt besonders für Süd- und Westdeutschland)
  • In den Auen des Rheins Auflandung von Flachwasserzonen und flachen Gewässern durch verstärkte Ablagerung, ohne dass dabei neue Gewässer entstehen
  • Mögliche Gefährdung durch Absterben des Laichs in Laichgewässern (in Heide- und Moorgebieten) durch (zunehmende) Versauerung (Absenkung der pH-Werte unter 4,5)
  • Verlandung und Zuwachsen der Laichgewässer
  • Verluste durch Straßenverkehr

Überblick zum Status der Art

Synonyme Sumpffrosch, Feldfrosch, Spitzschnauziger Frosch
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009) In besonderem Maße für hochgradig isolierte Vorkommen verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – unzureichend, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend