Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

In Deutschland gibt es nur noch ein Vorkommen, dieses ist auf drei räumlich benachbarte Flächen beschränkt, die in der Summe 1,1 ha umfassen (Bräu et al. 2010). Man kann hier von einer lokalen Population ausgehen, wobei zwischen zwei Flächen ein regelmäßiger Austausch von Einzeltieren anzunehmen ist, während der Austausch mit der dritten Fläche vermutlich selten erfolgt. Die Größe des Vorkommens wird seit der Entdeckung durch Transektzählungen verfolgt und unterliegt starken Schwankungen. Die Jahresmaxima der Zählungen liegen zwischen 26 und 129 Faltern.

Die Gesamtgröße des Vorkommens wird in guten Jahren auf maximal etwa 300 Tiere geschätzt. Bei Markierungsversuchen wurde die Größe des jeweils untersuchten Vorkommens in Italien 2005 und 2006 auf ca. 1400 bzw. 2100 Tiere geschätzt (Bonelli et al. 2010), in Ungarn 2005-2007 auf 137 bis 273 Tiere (Örvössy et al. 2010). Die Abschätzungen für das deutsche Vorkommen und die Daten aus Ungarn markieren vermutlich die Untergrenze eines über mehrere Jahrzehnte gesicherten Vorkommens.

Gefährdungsursachen

Eine Bewirtschaftung der Flächen des einzigen aktuellen deutschen Vorkommens findet nicht statt; ein Nutzungsinteresse ist auch in Zukunft nicht zu erwarten. Eine Gefährdung besteht dennoch:

Land- und Forstwirtschaft

  • Aufwuchs von Gehölzen (v.a. durch Faulbaum), dies betrifft vorrangig einen Teillebensraum
  • Die Verschilfung ist auf den angestammten Flächen bislang sehr locker und spielt als Gefährdungsfaktor derzeit keine Rolle, muss auf Erweiterungsflächen jedoch im Zaum gehalten werden
  • Evtl. langfristig durch Torfveratmung im entwässerten ehemaligen Moor, welches heute von intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen umgeben ist

Sonstige

  • Isolation, geringe Populationsgröße und kleinste Lebensräume im Bereich von seit langem aufgelassenen Torfstichen in einem ehemaligen Quellmoor
  • Zufallsereignisse (Unwetter etc.) und Gefährdung durch kommerzielles Sammeln sind nicht auszuschließen
  • Nach Modellrechnungen besteht ein Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Aus der Geländebeobachtung ist eine Gefährdung aufgrund der Häufung von Witterungsextremen denkbar, der allgemeine Trend der Erwärmung dürfte der Art dagegen zu Gute kommen, wenn dadurch keine schädliche Erniedrigung der Luftfeuchte entsteht. Es sind jedoch keine gezielten Untersuchungen zu diesem Thema erfolgt

Überblick zum Status der Art

Synonyme Verschollenes Wiesenvögelchen,
Stromtal-Wiesenvögelchen,
Erzstreif-Wiesenvögelchen,
Flachmoor-Graskleinaugenfalter
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011)