Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Kreuzkröte gilt im Allgemeinen als relativ mobil, wobei die Mehrzahl der Tiere in einem engen Radius um die Gewässer verbleibt (95 % innerhalb von 700 m, nach Miaud et al. 2000). Sinsch (1988) ermittelte bei einer rheinländischen Population einen maximalen Abstand von 240 m vom Gewässer. Auch die Gesamtwanderleistung pro Saison ist mit 3,5 bis 4 km überschaubar.

Langfristig überlebensfähige Vorkommen der Kreuzkröte bestehen i.d.R. aus mehreren Teilvorkommen, die räumlich voneinander abgrenzbar sind und einer unterschiedlichen Dynamik unterliegen (Sinsch 1998). Kennzeichnend für diese lokalen Populationen ist, dass immer wieder lokale Aussterbeereignisse erfolgen können, die langfristig durch Wiederbesiedlung mittels Einwanderung von Tieren aus benachbarten Lebensräumen (Rekolonisierung) ausgeglichen werden. Dabei kommt auch den aktuell unbesiedelten, aber prinzipiell geeigneten Lebensräumen eine wichtige Rolle zu.

Von einer unzureichenden Vernetzung und somit von getrennten lokalen Populationen ist nach Expertenmeinung dann auszugehen, wenn der Gewässerverbund einer intakten lokalen Population mehr als 3.000 m vom nächsten Vorkommen entfernt liegt. Auch Schmidt (2006) gibt Entfernungen zwischen 1.000 und 3.000 m als gute Vernetzung zwischen Vorkommen an. Bei kleinen lokalen Populationen ist bereits ab 500 m nach Einschätzung der Autoren eine ungenügende Vernetzung getrennter Rufergemeinschafen anzunehmen.

Gefährdungsursachen

Gefährdet ist die Kreuzkröte durch das Verschwinden ihrer natürlichen und naturnahen Lebensräume, den dynamischen, sandig-kiesigen Flussauen. In den heute hauptsächlich besiedelten Ausweichlebensräumen, in Abbaustellen oder auf Industriebrachen, stellen die fehlende Dynamik und/oder die Umnutzung (Rekultivierung) der Flächen nach Nutzungseinstellung die Hauptgefährdungsursachen dar.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft können sich ungünstig auf Vorkommen der Kreuzkröte auswirken:


  • Trockenlegung in Feuchtgebieten und Verfüllung von Geländemulden
  • Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen (besonders Umbruch von Stilllegungsflächen/Brachen) und Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung (z.B. Aufgabe von Weideflächen mit geringer Besatzdichte)
  • Nächtliche Feldbestellung in der Landwirtschaft führt bei ausgewachsenen Kreuzkröten zu erhöhter Sterblichkeitsrate

Sonstige

  • Verlust der Gewässerdynamik und damit verbundener Verlust von Kleinstgewässern als Laichplatz durch Fließgewässerkorrekturen
  • Küstenschutzmaßnahmen und Trockenlegung in Feuchtgebieten
  • Hauptgefährdungsursachen in den Abbaugebieten bzw. urban-industriellen Lebensräumen (Industriebrachen, Bergehalden etc.) als bedeutende, vom Menschen geschaffene Ersatzlebensräume:
    • Die Rekultivierung (Verfüllung, Aufforstung) stillgelegter Flächen
    • Die fortschreitende natürliche Entwicklung nach Nutzungsaufgabe (z.B. Verlandung und fehlende Kleingewässerdynamik, zunehmende Beschattung durch Gehölzaufwuchs)
    • Die Art und Weise des Abbauvorgangs (keine Kleinabgrabungen, Zunahme der Abbaugeschwindigkeit, Tiefabbau bzw. Nassbaggerung)
    • Nutzung größerer Abbaugewässer mit Flachzonen als Angel- oder Badegewässer
  • Zerschneidung der besiedelten und potenziellen Lebensräume (z.B. durch Straßen, Bau- und Gewerbegebiete)
  • Grundwasserabsenkung (besonders im Küstenbereich)
  • Freizeitnutzung, z.B. durch Motocross, in Abgrabungen und auf Industriebrachen
  • Klimaveränderung: So können in Schleswig-Holstein geringere Niederschläge im Sommerhalbjahr ein späteres Ablaichen der Kreuzkröten bewirken – eine vollständige Entwicklung der Larven kann dann häufig nicht mehr erfolgen, da die zunehmend häufigeren