Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Der Kenntnisstand hinsichtlich der Mobilität und des Ausbreitungsverhaltens der Knoblauchkröte ist relativ gering. Außerdem erscheint eine Differenzierung der Situation zwischen den Schwerpunktvorkommen in Ostdeutschland und den stark verinselten Beständen am westlichen Rand des Verbreitungsgebietes angebracht.

Die zwischen Laichgewässern und Landlebensräumen maximal festgestellten Entfernungen betragen 1,2 km (im Extrem 2,8 km), i.d.R. liegen sie bei 400-600 m (Laufer & Wolsbeck 2007). Für kleine Populationen wird angenommen, dass sie nur einen eingeschränkten Aktionsradius von ca. 200-300 m aufweisen. Generell verfügen Knoblauchkröten über ein gutes Neubesiedlungspotenzial.

Bei den gut vernetzten und kopfstarken ostdeutschen Vorkommen ist dann von einer lokalen Population auszugehen, wenn ein besiedelter Gewässerverbund mehr als 2.000 m vom nächsten Vorkommen entfernt liegt. Sind Barrieren, wie etwa verkehrsreiche Straßen vorhanden, ist dieser Richtwert nach unten zu korrigieren.

Für die stärker isolierten Vorkommen am westlichen Verbreitungsrand sollte der Richtwert zur Abgrenzung der lokalen Population bei 400-500 m liegen.

Gefährdungsursachen

Die Knoblauchkröte ist hauptsächlich durch die Veränderung und Zerstörung ihrer Lebensstätten (Laichgewässer und Landlebensräume) und die Verinselung der Vorkommen gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft können sich nachhaltig auf Vorkommen der Knoblauchkröte auswirken:


  • Aufgabe der extensiven Weidenutzung (geringer Viehbesatz, moderate Düngergaben)
  • Moderne, hochtechnisierte Landwirtschaft mit engen Fruchtfolgen, großen Schlägen sowie Mehrschnittwiesen (= mehr als 2 Schnitte im Jahr, Silagewirtschaft)
  • Einsatz von Spritzmitteln in der Landwirtschaft
  • Bodenbearbeitungs- und Erntemethoden (Kartoffelroden, Spargelstechen)
  • Am westlichen Rand des Verbreitungsgebietes fehlen geeignete Landlebensräume aufgrund geänderter Nutzungsweisen, Rückgang der Wintergründüngung, Abnahme des Sommergetreides und der Hackäcker, Abnahme der benötigten Rohböden; im Osten sind diese Faktoren weniger entscheidend
  • Wegfall der Stilllegungsflächen – früher häufig in temporär überstauten Ackersenken
  • Besatz auch kleinster Gewässer mit Fischen
  • Geänderte Teichbewirtschaftung: Bindung der Knoblauchkröte in Teichanlagen an Karpfen-Aufzuchtteiche (= K1-Teiche) – aktuell vermehrte Aufgabe der Fischbrutproduktion z.B. in der Lausitz aufgrund des Wegfalls von EU- bzw. Landes-Förderung

Sonstige

  • Deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: im Westen Lebensraumzerschneidung wahrscheinlich bedeutendste Gefährdung. Damit einhergehend bewirken die herabgesetzte Fitness und der eingeschränkte Fortpflanzungserfolg der kleinen Restvorkommen Bestandseinbußen.
    Der Sicherung der verbliebenen Vorkommen kommt deshalb die höchste Priorität zu (Reihenfolge: Lebensraumsicherung, Neuanlage, bzw. Optimierung von Gewässern in der Nähe, Vernetzung der Restvorkommen)
  • Entwässerung/Grundwasserabsenkung: führt in Heidegebieten (Tümpel, Kleinweiher) zum frühzeitigen Austrocknen; diese Situation wird durch den Klimawandel noch verschärft (z.B. ausgeprägte Frühjahrstrockenphase 2007 oder 2010)
  • Bebauung von Brachen und landwirtschaftlich genutzten Flächen
  • Isolation durch die hohe Barrierewirkung des Straßennetzes (z.B. durch Betonleitwände, Lärmschutzeinrichtungen oder Hochborde)
  • Schnelle Verlandung der meist nährstoffreichen Gewässer
  • (Verbotene) Kirrungen (Wildfütterungen) im direkten Gewässerumfeld, die Schwarzwild, Entenvögel und Ratten anlocken
  • Tod durch Straßenverkehr

Überblick zum Status der Art

Synonyme Kartoffelkröte, Landunke, Wasserkröte, Braune Brotze, Marmorierte Brotze, Teichunke
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend