Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Kleinen Hufeisennase ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Koloniegröße kann einige wenige Weibchen bis zu 200 Tiere (Dietz et al. 2007) in Einzelfällen auch bis zu 450 Individuen (Zöphel & Frank 2009) umfassen. Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz et al. (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Bei der Kleinen Hufeisennase wurde ein kleinräumiger Wechsel zwischen verschiedenen Wochenstubenquartieren beobachtet. Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund (Zahn & Weiner 2004). Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. innerhalb einer kleinen Ortslage). Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Insbesondere in den 1950er und 1960er-Jahren haben die Vorkommen der Kleinen Hufeisennase in Europa stark abgenommen. Die Faktoren dieses Bestandseinbruchs sind nicht eindeutig geklärt, der Einsatz von Pestiziden spielte neben dem Quartierverlust jedoch eine wesentliche Rolle. Inzwischen kann ein leichter Bestandsanstieg der verbliebenen Populationen durch Schutzmaßnahmen an Quartieren und den Verzicht auf DDT verzeichnet werden (Meschede & Rudolph 2010, Petermann 2011).

Land- und Forstwirtschaft

  • Verringerung des Insektenangebotes und Verlust von Flugrouten entlang von Leitelementen durch das Zusammenlegen von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Schlägen, die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen
  • Verringerung der Insektenvorkommen durch Medikamenteneinsatz in der Viehhaltung (Entwurmung von Weidevieh) (vgl. Petermann 2011)
  • Verringerung des Insektenangebotes durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten und Kleingewässern
  • Verringerung des Insektenangebotes und Beeinträchtigung der Gesundheit der Tiere (z.B. Schwächung, geringere Fruchtbarkeit) durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in der Land- und Forstwirtschaft
  • Verlust von Jagdgebieten durch Reduktion naturnaher Laubwaldbestände mit Unterwuchs, inselartigen Lichtungen und natürlicher oder naturnaher, stufen- und gehölzreicher Waldränder, sowie natürlicher oder naturnaher, breiter Gewässerrandstreifen mit Gehölzen und Einzelbäumen
  • Verringerung des Insektenangebotes durch Umwandlung von Laub- und Laubmischwald zu Nadelwald

Sonstige

  • Verlust insektenreicher Landschaftselemente als Jagdgebiete und Orientierungsmöglichkeit durch Reduzierung von Hecken, Feldgehölzen und Säumen (Bontadina et al. 2006)
  • Verlust von Streuobstwiesen mit lückenloser Anbindung an den Quartierstandort und an den Wald durch Rodung, Überbauung oder Verbrachung
  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten durch Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden (Zerstörung der Hangplätze, Einflugöffnungen), sowie Abriss von Gebäuden
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig an historischen Gebäude mit Kolonien der Kleinen Hufeisennase) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren
  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten durch den Verschluss der Einflugmöglichkeiten von Dachböden, Höhlen und Stollen
  • Beeinträchtigung der Gesundheit der Tiere (z.B. allgemeine Schwächung, geringere Fruchtbarkeit) durch den Einsatz von giftigen Holzschutzmitteln in den Quartieren und dem Einsatz von Pestiziden im Lebensraum (Zahn & Weiner 2004)
  • Beeinträchtigung der empfindlichen Art durch menschliche Störungen innerhalb der Quartiere (Schober & Wilhelm 1984, Zahn & Weiner 2004)
  • Beeinträchtigung der Tiere in den Winterquartieren durch Tourismus (geregelter Tourismus: Besucherbergwerk; ungeregelter Tourismus: fehlende Absperrungen) oder durch unerlaubtes Befahren von Höhlen (Petermann 2011)
  • Beeinträchtigung des Nahrungsangebotes durch Einsatz von Insektiziden [z.B. Bekämpfung von Stechmücken mit Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) auf der Herreninsel im Chiemsee (Petermann 2011, Zahn & Weiner 2004), Bespritzen von Obstplantagen in Sachsen]
  • Zerschneidung der Jagdgebiete und Flugrouten sowie Erhöhung der Kollisionsgefahr durch den Bau von Verkehrswegen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) In hohem Maße verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht; alpine Region: ungünstig – schlecht