Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Kleinen Bartfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Meist liegt die Koloniegröße bei 10-70 (Dietz et al. 2007, Schober & Grimmberger 1998), es werden aber auch immer wieder Wochenstuben mit mehr als hundert Weibchen gefunden (Häussler 2003, Müller 1993). Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz & Simon (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Bei der Kleinen Bartfledermaus können häufige Wechsel zwischen verschiedenen Wochenstubenquartieren beobachtet werden (Franke 1997, Kiefer 1996, Simon et al. 2004). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. innerhalb einer kleinen Ortslage oder eines Waldgebietes). Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage oder in einem Waldgebiet) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Eine Gefährdungsursache für die Kleine Bartfledermaus kann eine Abnahme von Leitelementen wie Hecken, Feldgehölzen oder Baumreihen in einer halboffenen Kulturlandschaft sein, da dadurch die Verbindung zwischen den Jagdgebieten und Wochenstubenquartieren verschlechtert wird oder insektenreiche Landschaftsbestandteile, die als Jagdgebiete genutzt werden, wegfallen. Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist die verstärkte forstwirtschaftliche Nutzung der Wälder, insbesondere die Entfernung von Altbaumbeständen und Höhlenbäumen.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Lebensraumverlust durch Zusammenlegung von Flächen zu größeren Äckern, die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen und kleinräumig gegliederte, insektenreiche Kulturlandschaften zerstören
  • Verschlechterung des Nahrungsangebotes durch Verringerung des Bracheanteils aufgrund der Wiederaufnahme der Bewirtschaftung von insektenreichen Brachen (z.B. Energiepflanzenanbau)
  • Jagdgebietsverlust durch Trockenlegung von Feuchtgebieten und Kleingewässern in Wäldern sowie in der Kulturlandschaft
  • Der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in der Land- und Forstwirtschaft reduziert die Nahrungsgrundlage der Kleinen Bartfledermaus und vergiftet die Tiere durch Anreicherung der Giftstoffe in ihren Körpern
  • Verlust von Jagdgebieten durch Reduktion naturnaher, stufenreicher Waldränder und stufenreicher Wälder
  • Hindernis/Verletzungsgefahr bei der Jagd an mit Netzen überspannten Fischteichen

Sonstige

  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten in Siedlungen durch Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden
  • Vergiftung der Quartiere durch Holzschutzmittelbehandlungen in Dachstühlen
  • Direkte Verfolgung oder Quartierverlust durch Verschluss von Quartieren, wegen besonderer Abneigung gegenüber Ansammlungen von Fledermäusen oder deren Exkrementen
  • Beeinträchtigung des Quartiers durch Anstrahlen der Ein- und Ausflugöffnungen (häufig z.B. an historischen Gebäude mit Kolonien der Kleinen Bartfledermaus) und durch Lichtanlagen in Winterquartieren (z.B. Dauerbeleuchtung)
  • Verlust von Jagdgebieten durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, breiter (mehr als 5 m) Gewässerrandstreifen mit Gehölzen und Einzelbäumen
  • Jagdgebietsverlust durch Siedlungserweiterungen, da z.B. dörfliche Obstgärten und Streuobstwiesen durch die Erschließung von Neubaugebieten verloren gehen
  • Verlust linearer Landschaftsbestandteile als Orientierungsmöglichkeit z.B. bei Flügen in die Jagdgebiete und als Jagdgebiete an sich durch die Verringerung von Hecken, Feldgehölzen und Säumen
  • Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit und Gefährdung der Art durch Anreicherung der Giftstoffe im Körper der Tiere durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden im Gartenbau
  • Beeinträchtigung von Quartieren durch die Anlage von Radwegen in alten, nicht mehr genutzten Eisenbahntunneln, die häufig als Winterquartiere, im Sommer aber auch als Männchen- oder Paarungsquartiere genutzt werden (Meinig et al. 2009)
  • Quartierverlust durch Brückensanierungen
  • Gefährdung der Art durch häufige Störungen in den Winterquartieren (Stollen, aufgelassene Bergwerke, Keller) durch Höhlentourismus/Vandalismus
  • Kollisionsgefahr an Verkehrswegen

Überblick zum Status der Art

Synonyme Vor 1970 keine artliche Trennung der Großen und Kleinen Bartfledermaus, beide als Bartfledermaus bezeichnet; weitere in Südosteuropa mit diesem Namen angesprochene Arten heute als M. aurascens und M. alcathoe
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) V (Vorwarnliste)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – unzureichend; kontinentale Region: günstig; alpine Region: günstig