Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Größe einer Kammmolchpopulation wird durch verschiedene Faktoren begrenzt, primär durch die Verfügbarkeit, Anzahl und Qualität der Larvalgewässer. Da Kammmolche wenig mobil sind und ein geringes Ausbreitungsvermögen aufweisen, ist der Aktionsradius der lokalen Population nach Einschätzung der Experten i.d.R. nicht größer als 500 m, vorausgesetzt, dass keine Barrieren wie Straßen, größere Fließgewässer oder Nadelholzreinbestände innerhalb dieses Radius vorhanden sind. Auch großflächig genutzte Äcker stellen ein Wanderhindernis dar: ab einer Breite > 100 m werden sie nach Experteneinschätzung meist nicht mehr überquert. Anders ist die Situation in den großflächiger gegliederten Agrargebieten Nordost-Deutschlands. Dort wurde nachgewiesen, dass selbst Äcker mit einer Breite > 500 m kein Wanderhindernis für Kammmolche darstellen (Schneeweiß, mdl. 2010).

Großräumigere Abgrenzungen der lokalen Populationen sind nach Experteneinschätzung bei Vorliegen folgender Ausgangssituationen notwendig:

Fehlen geeignete Landlebensräume im direkten Gewässerumfeld, suchen die Tiere entsprechende Bereiche in Entfernungen von bis zu 1.000 m auf (Kupfer 1998). Eine größere Mobilität ist auch dann vorhanden, wenn die Larvalgewässer gut miteinander vernetzt sind (z.B. über Feuchtwiesen, Gräben, Gehölze, Uferrandstreifen). In diesem Fall kann erst dann von einer getrennten lokalen Population ausgegangen werden, wenn der Verbund der Larvalgewässer eine Lücke von mehr als 1.000 m aufweist.

Gefährdungsursachen

Die Hauptgefährdung des Kammmolchs stellt die Zerstörung und Verinselung von Lebensräumen durch Forst-, Land- und Fischereiwirtschaft dar. Weiterhin wirken sich der Aus- und Neubau von Verkehrswegen und die damit einhergehende Zerschneidung der Landschaft ungünstig auf den Kammmolch aus.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Im Einzelnen können sich folgende Maßnahmen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft nachhaltig auf Vorkommen des Kammmolchs auswirken:


  • Fischbesatz in den (potenziellen) Larvalgewässern stellt die größte Gefährdung des Kammmolches dar. Eine Koexistenz von Fischen und Kammmolchen ist i.d.R. nicht möglich (Ausnahmen sind große, reich gegliederte Gewässer wie Seen mit breiten Verlandungszonen oder flussferne, gelegentlich austrocknende Altwässer – sogenannte Karauschentümpel)
  • Direkte Zerstörung der Laichgewässer und Landlebensräume durch Verfüllung, Entwässerung, Ackerbau, Flurbereinigung und Auffüllen von Senken
  • Wiederanbindung von Altwässern an den Hauptstrom (freier Zugang für Fische!)
  • Gewässerverschmutzung, Spritzmittel- und Nährstoffeintrag, v.a. durch die Landwirtschaft
  • Neuanlage und Ausbau von Forstwegen

Sonstige

  • Zerschneidung der Lebensräume und damit einhergehende Verinselung von (Teil-)Populationen durch Barrieren (v.a. Verkehrswege, große Ackerschläge)
  • Verfüllung und Rekultivierung von Bodenabbaugebieten
  • Trockenlegung von Laichgewässern durch wasserbauliche Maßnahmen sowie durch Grundwasserabsenkungen und -entnahmen
  • Verluste wandernder Tiere durch den Straßen- und Schienenverkehr

Überblick zum Status der Art

Synonyme Nördlicher Kammmolch, Sumpfmolch, Großer Wassersalamander
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel