Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling gilt in der Literatur allgemein als „sehr standortstreu“ (vgl. Settele & Reinhardt 1999). Wie bei den meisten dieser Arten wurden jedoch im Einzelfall auch größere Flugdistanzen nachgewiesen. Die längste dokumentierte Distanz, die von einem Falter im Rahmen von Fang-Wiederfang-Untersuchungen zurückgelegt wurde, liegt bei knapp 2,5 km im nördlichen Steigerwald (Stettmer et al. 2001, Settele 1998). Es gab jedoch nur einzelne Flüge mit mehr als 1 km, dies sind maximal 10 % der beobachteten Flüge. Der Großteil gewanderter Distanzen betrug weniger als 400 m.

Typisch für diese Art sind vielfach auf mehrere gut miteinander verbundene Teilflächen verteilte Vorkommen. Dies scheint nach Experteneinschätzung bis etwa 400 m Entfernung der Fall zu sein. Andere Vorkommen bestehen aus stärker isolierten Teilvorkommen, die jedoch immer noch einen Austausch von Faltern zeigen. Je nach Falteraustausch und lokalen Gegebenheiten können sie bereits als eigene lokale Populationen betrachtet werden. In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, welche Lebensräume durchquert werden müssen: Wald, Straßen und Siedlungen werden meist als deutlich stärker trennend betrachtet als Grünland.

Bei Leopold et al. (2006) heißt es: „Als Gesamtbestand können z.B. besiedelte Teilflächen zusammengefasst werden, die weniger als 0,5–1 km auseinander liegen und nicht ausschließlich durch unüberwindbare Nichthabitate voneinander getrennt sind.“

Die Erfahrungen und Beurteilungen sind offensichtlich unterschiedlich. Insgesamt ist eine Abgrenzung der lokalen Population noch schwierig; eine relevante Größenordnung dürften oft Entfernungen von ca. 400 m zum nächsten Vorkommen sein.

Gefährdungsursachen

Die Gefährdung für den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling liegt hauptsächlich in der Verstärkung der Grünlandbewirtschaftung. Je nach Region sind maximal ein bis zwei Schnitte pro Jahr verträglich, alles was darüber hinaus geht, führt zum Verschwinden des seltenen Schmetterlings. Zusätzlich müssen die Schnitte so terminiert sein, dass der Entwicklungszyklus ungestört erfolgen kann. Aber auch das Brachfallen wenig produktiver Standorte sowie die Umwandlung von artenreichem Grünland mittlerer Standorte in Maisäcker auch in den höheren Lagen der Mittelgebirge sind wesentliche Gefährdungsfaktoren.

Land- und Forstwirtschaft

  • Mahdtermine, die nicht an den Entwicklungszyklus der Art angepasst sind: Ungünstige Mahdtermine sind je nach Region, Erscheinungszeit der Falter und Produktivität der Standorte sehr unterschiedlich. Mahdtermine im Juli und August sind immer ungünstig
  • Verstärkung der Grünlandbewirtschaftung: Entwicklung von drei- bis mehrschürigen Nutzungen aus ein- oder zweischüriger Mahd; in Verbindung mit verstärkter Düngung
  • Im zweischürigen Wirtschaftsgrünland Verlust der Nutzungs-(Mahd-)Vielfalt durch Bildung großer Bewirtschaftungseinheiten. In manchen Talräumen (z.B. in Nordbayern) sind massive Rückgänge parallel mit der Aufgabe zahlreicher kleiner landwirtschaftlicher Betriebe zu beobachten
  • Zu geringe Mahdnutzung, wie z.B. Mahd im mehrjährigen Abstand auf Streuwiesen oder einmalige Mahdnutzung auf produktiveren Standorten. Zum Teil auch aus Naturschutzgründen: Zum Beispiel führt dauerhafte einschürige Spätmahd auf produktive(re)n Standorten zur Verdrängung der Futterpflanzen sowie zur Verschlechterung der Siedlungsbedingungen für die Wirtsameise
  • Brachfallen von geeigneten Flächen (z.B. Aufgabe der Streumahd im Alpenvorland)
  • Vermutlich nur von untergeordneter Bedeutung ist die Bodenverdichtung aufgrund des Einsatzes schwerer Maschinen
  • Düngung der Flächen. Grundsätzlich ist eine Bewirtschaftung ohne Düngung besser. Lediglich im Wirtschaftsgrünland kann ggf. die Erlaubnis für eine Erhaltungsdüngung auf bereits vergleichsweise mageren Standorten (z.B. Festmist in mehrjährigen Abständen) wichtige Voraussetzung für die Bereitschaft der Landwirte zur Teilnahme an entsprechenden Förderprogrammen sein. Diese sehr schwache Düngung muss sich dann am Entzug orientieren (unter Berücksichtigung der Einträge aus der Luft, evtl. Seiteneinflüsse). Alles was darüber hinaus geht, ist negativ zu bewerten, da so die Grasschicht dichter wird und sich die Siedlungsbedingungen für die Wirtsameisen verschlechtern
  • Grünlandumbruch, aktuell vermehrt für den Anbau von Energie-Mais
  • Aufgabe der Nieder- und Mittelwaldnutzung mit ausgeprägten Pfeifengraslichtungen auf wechselfeuchten Standorten (Steigerwald)

Sonstige

  • Trockenlegung (stärker als beim Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling), insbesondere da dies meist mit einer schleichenden Verstärkung der Nutzung (Düngung, Erhöhung der Mahdfrequenz) einhergeht
  • Fehlende, unflexible oder für die Landwirte nicht auskömmliche Förderinstrumente - hier bestehen z.T. erhebliche Defizite (mittlerweise erste Lösungen, z.B. in Bayern durch Bewirtschaftungsruhe zwischen 15. Juni und 15. September)
  • Erhöhter Nutzungsdruck durch Energiepflanzenanbau, der regional bedeutsame Flächenanteile besetzt, und damit die Futtergewinnung für die Viehwirtschaft auf die weniger produktiven Standorte mit Wiesenknopf-Ameisenbläulingen abdrängt oder direkt zum Flächenumbruch mit nachfolgendem Maisanbau führt
  • Extremhochwässer bei gleichzeitigem Mangel an Rückzugsräumen außerhalb der Hochwasserlinie (z.B. Bodensee)
  • Zielkonflikte im Naturschutz: Mahdtermine für Wiesenbrüterflächen werden häufig während der Flugzeit der Falter angesetzt
  • Nach Modellrechnungen besteht ein sehr hohes Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Häufungen extremer Witterungsverläufe haben in den vergangenen Jahren mehrfach zu erheblichen Verschiebungen der Mahdtermine mit daraus resultierenden gravierenden Bestandseinbrüchen geführt (Oberrhein). Gezielte Untersuchungen liegen jedoch nicht vor
  • Beschattung von Lebensräumen: Neben Gehölzaufwuchs kann auch die Beschattung durch Gebäude o.ä. (z.B. Brückenpfeiler, Autobahnbau) eine Gefährdung darstellen

Überblick zum Status der Art

Synonyme Phengaris teleius, Glaucopsyche teleius, Lycaena euphemus, Großer Moorbläuling, Heller Flachmoor-Bläuling, Seggenmoor-Bläuling, Großer Ameisenbläuling
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2009) VU (Gefährdet)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: ungünstig – unzureichend