Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Zur Abgrenzung einer lokalen Population des Heldbocks lässt sich die räumliche Verteilung besiedelter Bäume heranziehen. Einzelne Baumindividuen sind im Fall des Heldbocks nicht als Teilpopulationen einer Metapopulation anzusehen, da jährliche Austauschraten zwischen 15 und 35 % der Individuen zwischen einzelnen besiedelten Eichen dokumentiert wurden (Döhring 1955, Nalepa 2010). Zum Teil wird die Anzahl aktuell besiedelter Brutbäume in einem abgrenzbaren Baumbestand auch als Metapopulation bezeichnet, was aber der Definition von Hanski & Gilpin (1997) widersprechen würde und außerdem wurde die Existenz von Metapopulationen im Falle des Heldbocks bisher noch nicht nachgewiesen. Die durch die Flüge überwundenen Distanzen reichen bis zu 350 m bei einzelnen Flugereignissen, können wahrscheinlich aber auch weiter reichen. Daher sind alle besiedelten Bäume und deren Umgebung bis zu 500 m Entfernung als Gebiet der lokalen Population anzusehen. Durch Langstreckenflüge mit evtl. Zwischenstopps kann der Heldbock in seltenen Fällen auch wenige Kilometer an Strecke zurücklegen (bis zu 4 km in ca. 30 Tagen, Döhring 1955) und somit Populationen vernetzen.

Für detaillierte Informationen zur Bewertung der Erhaltungszustände von Populationen vergleiche Schnitter et al. (2006).

Gefährdungsursachen

Der Heldbock ist besonders anfällig gegen Beeinträchtigungen und Veränderungen des Lebensraums (Hartholzauen, verschiedene halboffene Alteichenbestände, Hudewälder, Parkanlagen, Alleen, Straßenbäume). Als langfristig wirkende deutschlandweite Hauptgefährdungsursache ist die fehlende Vernetzung bzw. die zunehmende Isolation vieler derzeit besiedelter Lebensräume anzusehen.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft wirken sich negativ aus:


  • Weitgehender, in der Vergangenheit erfolgter Verlust von Hartholzauenwäldern und durch Flussregulierungen verursachte Veränderung bzw. Verhinderung der Auendynamik durch Eindeichungen
  • Fehlender Eichen-Nachwuchs in eingedämmten und bewirtschafteten Flussauen mit (Rest-) Eichenbeständen
  • Forstliche Nutzung nach Altersklassen, wenig gegliederte Wirtschaftswälder
  • Verkürzte Umtriebszeiten bei Eiche
  • Beseitigung unrentabler Alteichenbestände zugunsten wirtschaftlich kurzumtriebiger Nadelhölzer (Fichte, Lärche, Kiefer)
  • Generelle Nutzung (Einschlag) alter Eichen aus verschiedenen Gründen (Forsthygiene, Furnierholz, wertvolle geradschaftige Stämme)
  • Geringer natürlicher Nachwuchs potenziell besiedelbarer älterer Eichen
  • Beschattung von Brutbäumen durch hochwachsenden Unterwuchs (Sukzession, vor allem „schnellwüchsige Pionierbaumarten“ wie Hainbuche), durch stickstoffliebende Arten wie Holunder oder sich schnell ausbreitende Arten wie Spätblühende Traubenkirsche
  • Fehlende Auflichtung in alten, historisch als Hudewälder oder Tiergärten genutzten Eichenbeständen (Nutzungsaufgabe)
  • Grundwasserabsenkungen durch Meliorationen in Land- und Forstwirtschaft (Austrocknung und Absterben von Eichen), Beeinträchtigung Landschaftswasserhaushalt durch Nadelholzmonokulturen
  • Aktive Beseitigung der Brutbäume („Schädling“)
  • Beseitigung von Einzelbäumen in allen Lebensräumen
  • Schädigung des Wurzelbereiches besiedelter, physiologisch teils bereits geschädigter sowie besonnter, damit optimaler Brutbäume in der offenen Landschaft (z.B. durch Pflügen); damit Förderung eines nicht gewünschten schnelleren Abgangs der Bäume

Sonstige

  • Verlust von Solitärbäumen, Alleen, alten Parkanlagen, Altlaubbaumbeständen im Siedlungsbereich durch Flächenverbrauch (Straßenbau, Bebauung und Versiegelung)
  • Baumfällung und Entfernen von Althölzern aus Verkehrssicherungspflicht
  • Fehlende, zukünftig verfügbare, potenziell für eine Heldbock-Besiedlung geeignete Eichen in Parks und ähnlichen Baumbeständen in Siedlungsbereichen, v.a. durch Wahl von fremdländischen Baumarten
  • Anthropogen verursachte Wasserstandsänderungen und deren Auswirkungen auf die Vitalität von Eichen