Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Haselmaus tritt in großen Waldgebieten „geklumpt“ auf. Trotzdem ist in solchen Gebieten keine direkte Abgrenzung einer lokalen Population möglich, da sich die Hauptvorkommensgebiete im Laufe der Zeit entsprechend der Ausstattung mit den benötigten Lebensraumbestandteilen (Nahrungspflanzen, Baumhöhlen) verschieben können. Fließgewässer, Waldwege und Straßen, über denen keine Astbrücken bestehen wirken isolierend auf die Haselmaus und begrenzen die lokale Population. Bereits 20 m breite Streifen Offenland wirken trennend; Waldwege oder Schneisen ab 6 m Breite ohne Kronenschluss wirken bereits als deutliche Barriere. Unter ca. 800 m ü. NN stellen Nadelholzforste eine Barriere dar, über ca. 800 m ü. NN gibt es Haselmaus-Vorkommen in Fichtenforsten (Juškaitis & Büchner 2010). Als Mindestgröße muss für eine dauerhaft überlebensfähige Population ein Areal von mindestens 20 ha mit Gehölzen bestandene Fläche zur Verfügung stehen (Bright 1993). Erwachsene Haselmäuse sind standorttreu und nutzen Streifgebiete von bis zu 1 ha Ausdehnung. Geringfügige Verschiebungen des Streifgebietes sind aber möglich (Juškaitis & Büchner 2010). Jungtiere sind nach dem Selbständigwerden mobiler und vermögen in Einzelfällen auch mehrere Kilometer innerhalb eines Waldes zurückzulegen (Juškaitis & Büchner 2010).

Eine lokale Population der Haselmaus lässt sich über zusammenhängende Waldgebiete definieren, die sich aus Teilflächen zusammensetzen, die für die Tiere erreichbar sind. Die räumliche Abgrenzung erfolgt durch Offenland, Straßen sowie Waldwege und Fließgewässer, die so breit sind, dass sich über ihnen keine Astbrücken ausbilden können.

Gefährdungsursachen

Die Haselmaus ist besonders durch Eingriffe in artenreiche und dichte Gehölzbestände und durch Verinselung ihrer Lebensräume gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

  • Lebensraumverlust durch Rodung von Wäldern
  • Rodung von Knicks und Hecken bzw. zu starker Rückschnitt
  • Rodung und Schnitt von Waldrändern
  • Bewirtschaftung als Dauerwald ohne das Zulassen früher Wiederbewaldungsstadien (fehlende Strauchschicht)
  • Großräumiges Befahren mit Rücketechnik im Winter
  • Ausräumen der Wälder zur Energieholznutzung (Schreddern von Kronenholz, Schwachholz)
  • Entnahme von Bäumen mit Baumhöhlen
  • Mulchen von Jungwaldbeständen
  • Durchforstungsmaßnahmen, bei denen die Strauchschicht entfernt wird (Verlust an Vielfalt von Lebensraumelementen z.B. durch Entfernung von Unterholz oder Minderung der Gehölzartenvielfalt)
  • Zu starker Verbiss der Strauchschicht (möglich bei sehr hoher Schalenwilddichte)
  • Waldwegebau (Isolation von Teillebensräumen innerhalb eines Reviers aber auch von Teilpopulationen durch zu breite Waldwege und eine zu große Wegedichte)
  • Ersetzen von Mischwäldern durch artenarme Nadelholzforste (vor allem unterhalb von 800 m ü. NN)
  • Beweidung von Waldrändern durch Rinder

Sonstige

  • Straßenbau
  • Rückschnitt von Straßenbegleitelementen und Gehölzsäumen
  • Bau von Siedlungen und Gewerbegebieten
  • Ungünstige Witterungsbedingungen
  • Konkurrenz durch Siebenschläfer / Aussetzen von Siebenschläfern
  • Streunende Hauskatzen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: unbekannt, kontinentale Region: ungünstig - unzureichend, alpine Region: unbekannt