Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Allgemein sind die Falter wenig aktiv. Die Männchen fliegen vor allem bei akuten Störungen (z.B. durch Lampenlicht) auf. Da es keine gezielten Untersuchungen zu Flugdistanzen und zum Individuenaustausch von Vorkommen gibt, kann hier nur auf allgemeine Beobachtungen Bezug genommen werden. Übereinstimmend wird beobachtet, dass die Falter kaum mehr als wenige Meter entfernt von den nächsten Futterpflanzen zu sehen sind (z.B. Gibson 2000). Ernst (2005a) berichtet als Ausnahme von einem Falter der „die Hauptvorkommen des Haarstrangs verließ und in eine abseits gelegene Wiese flog“. Die einzigen Hinweise auf gewisse Flugdistanzen sind die schnelle Besiedlung neu errichteter Dammflächen am Rhein; die dortigen großen Vorkommen scheinen sich also auch ausbreiten zu können, sowie der Verweis von Ernst (2005b) auf den Fang eines Weibchens an einer Leuchtanlage, die über 200 m von Haarstrangvorkommen entfernt war.

Damit muss momentan jeder Nachweis von Tieren in Bezug zu einem Vorkommen des Arznei-Haarstrangs als eigene lokale Population gewertet werden.

Gefährdungsursachen

Im Zentrum der Gefährdungen stehen alle Eingriffe, die die alleinige Futterpflanze Arznei-Haarstrang schädigen, das Kleinklima verändern, Eiablage- und Überwinterungsstellen vernichten oder die Eier bzw. Raupen treffen.

Land- und Forstwirtschaft

  • Vernichtung und Veränderung geeigneter Lebensräume durch Grünlandbewirtschaftung mit zu häufiger oder ungünstiger Mahd oder Düngung
  • Anwendung falscher bzw. ungünstiger Mahdzeitpunkte während der Jungraupenzeit oder der Überwinterung sowie vor der Flugzeit der Falter
  • Schädigung und Verdrängung der Raupenfutterpflanze durch Düngung, Mulchen u.ä.
  • Verlust der Grasschicht mit trockenen Grashalmen zur Eiablage und Überwinterung
  • Vernichtung der Raupenfutterpflanzen durch Damm-/Deichsanierungen
  • Aufforstungsmaßnahmen an für den Falter geeigneten Standorten
  • Gehölzentwicklung und Beschattung auf Lichtungen und in lichten Wäldern, die als Lebensraum dienen

Sonstige

  • Eingriffe in das Wasserregime: Grundwasserabsenkung durch Gewässereintiefung, Deichbau bzw. Entwässerung (z.B. Meliorationsgräben)
  • Verstärkte Überschwemmung von Lebensräumen, z.B. ausgelöst durch Gewässeraufstauung (z.B. Altaue in der Nördlichen Oberrheinniederung, Hessen)
  • Lokal durch Wildschweine, da diese besonders im Frühjahr die Haarstrangwurzeln ausgraben (z.B. Nahetal)
  • Verleitung der Falter durch nächtliche Beleuchtung

Überblick zum Status der Art

Synonyme Gortyna lunata, Gortyna illunata, Gortyna galassii, Gortyna fiorii, Gortyna grapholeuca, Haarstrangeule, Stromtal-Haarstrang-Markeule
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Wachlin & Bolz 2011) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Verantwortlichkeit (Wachlin & Bolz 2011) nicht bewertet*
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig - unzureichend

* Die Verantwortlichkeit für die Art Gortyna borelii wird als "in hohem Maße verantwortlich" bewertet.