Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Außerhalb der Verbreitungsschwerpunkte (Bremer Flussmarschen, Elbmarschen und Mecklenburg-Brandenburgische Seenplatte) bestehen die meisten Vorkommen oft aus einzelnen, z.T. weit verstreuten Vorkommen, so dass hier zunächst jedes Einzelvorkommen als lokale Population zu werten ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der Verlandungsdynamik der Fortpflanzungsgewässer nicht nur aktuell besiedelte Gewässer, sondern auch potenziell zur Fortpflanzung geeignete Gewässer unterschiedlicher Verlandungsstadien in der Umgebung eine Bedeutung für den Bestand der lokalen Population haben können. Denn dorthin kann die Art ausweichen, wenn das ursprüngliche Fortpflanzungsgewässer aufgrund fortgeschrittener Verlandung nicht mehr besiedelt werden kann.

Lokale Populationen in den im vorherigen Absatz genannten, dichter besiedelten Verbreitungsschwerpunkten dürften oftmals nicht scharf gegeneinander abzugrenzen sein, da ein regelmäßiger Austausch zwischen verschiedenen Fortpflanzungsgewässern stattfindet. Fachleute sprechen in solchen Fällen auch von Metapopulationen, denn die Art ist vergleichsweise mobil. So wiesen Mauersberger et al. (2005) noch in vier Kilometern Entfernung zum nächsten Fortpflanzungsgewässer Tiere nach.

In den stellenweise dicht besiedelten Grabensystemen der Bremer Flussmarschen lassen sich lokale Populationen vermutlich nur dort gegeneinander abgrenzen, wo jeweils zusammenhängende Krebsscherenbestände weiter auseinander liegen. Der Mindestabstand dürfte hier ein bis mehrere Kilometer betragen. Isolierte Gewässer sind jedoch auch in den Vorkommensschwerpunkten als lokale Population anzusehen, wenn ein lediglich geringer Austausch mit anderen Gewässern zu vermuten ist.

Gefährdungsursachen

Aufgrund der starken Bindung der Grünen Mosaikjungfer an das Vorkommen der Krebsschere (Stratiotes aloides) ist die Gefährdung der Libellenart eng verknüpft mit der Entwicklung der Bestände dieser Pflanzenart.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Neben der direkten mechanischen Entfernung der Krebsschere durch umfassende Grabenräumungen oder durch Freizeitnutzung (z.B. Angler) ist die empfindliche Reaktion der Krebsschere auf Veränderungen des Wasserchemismus z.B. infolge von Gewässerverschmutzungen als Hauptursache für den Rückgang der Grünen Mosaikjungfer zu nennen. Dabei sind die Gewässer besonders von einer übermäßigen Zufuhr durch Nährstoffe – Fachleute sprechen auch von Eutrophierung – betroffen (Breuer & Ritzau 1983).

Diese Eutrophierung bewirkt dabei eine direkte Schädigung der Krebsschere durch Veränderungen des Wasserchemismus einerseits, andererseits führt sie zu einer Beschleunigung der Verlandung der Gewässer, die wiederum ihrerseits einen Rückgang der Bestände dieser Pflanze und damit der Grünen Mosaikjungfer verursacht. Darüber hinaus kann es durch die Einleitung von Sulfaten auch zu giftig wirkenden Sulfit- und Ammoniumkonzentrationen kommen, die wiederum einen Rückgang der Krebsschere bewirken (Smolders et al. 2003).

Im Einzelnen sind folgende Gefährdungsursachen zu nennen:


  • Verfüllung, Trockenlegung oder Entwässerung der Entwicklungsgewässer durch Fischerei und Landwirtschaft
  • Indirekter Rückgang oder Vernichtung der Krebsschere infolge von Eutrophierung des Lebensraumes durch Gülle, Abwässer oder Düngemittel
  • Umbruch des Grünlands (Beseitigung des Lebensraumes und Nährstoffmobilisierung)
  • Intensive Teichwirtschaft (sehr hoher Fischbesatz und sehr hohe Fischdichten, Beseitigung von Krebsscheren, Düngung der Gewässer)
  • Durch Nutzungsaufgabe (fehlende Mahd oder Beweidung) können die Ufergehölze, die unmittelbar im Uferbereich der Gewässer wachsen, zu einer hohen Beschattung der Ufer führen; dies wirkt sich nachteilig für die Bestände der Krebsschere und der Grünen Mosaikjungfer aus

Sonstige

  • Direkte Vernichtung von Krebsscherenbeständen durch den gesamten Wasserkörper umfassende Gewässerräumungen (Ausbaggerungen)
  • Rückgang der Krebsscherenbestände durch komplette Verlandung der Gewässer bei vollständigem Ausbleiben von Unterhaltungsmaßnahmen (z.B. schonende Grabenräumung)
  • Manuelle Beseitigung der Krebsschere durch Freizeitnutzung, u.a. in Angelgewässern
  • Absterben der Krebsscheren durch Sulfit- und Ammonium-Vergiftung in Folge von Sulfat-Einleitungen
  • In kleinen oder lediglich lockeren Krebsscherenbeständen können Fraßschäden durch Bisam zu empfindlichen Verlusten der Krebsschere und damit der Grünen Mosaikjungfer führen

Überblick zum Status der Art

Synonyme Aeschna viridis
Aloejungfer
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Ott & Piper 1998) 1 (vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Kalkman et al. 2010) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit bisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht; kontinentale Region: ungünstig – unzureichend