Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Zur Ausbreitung der Grünen Keiljungfer im Larvenstadium gibt es bislang kaum Daten. Die Ausbreitung durch Larven dürfte aber, gegenüber der durch die vergleichsweise mobilen Imagines (Geschlechtsstadium der Libellen), unbedeutend sein – letztere stellen das Ausbreitungsstadium dar. Die Mobilität der Imagines der Grünen Keiljungfer wird von den meisten Experten als eher mäßig bewertet. Trotzdem gelingen Beobachtungen fliegender Tiere nicht selten im Abstand von mehreren Kilometern zum Fortpflanzungsgewässer. Beobachtungen belegen, dass solche Distanzen regelmäßig zurückgelegt werden, in einem Einzelfall wurden noch in einer Entfernung von mehr als 10 km zum nächst möglichen Fortpflanzungsgewässer Imagines nachgewiesen. In der Schweiz wurde die Art bis in Höhen von 1.600 m üNN beobachtet, obwohl das höchst gelegene bekannte Fortpflanzungsgewässer nur bei etwas mehr als 500 m üNN liegt (Hoess & Vonwil 2005). Zumindest für Einzelindividuen ist die Mobilität der Grünen Flussjungfer daher als durchaus hoch einzustufen.

Grundsätzlich beherbergt jeder besiedelte Fließgewässerabschnitt eine lokale Population. Dies gilt vor allem für isolierte Vorkommen, bei denen die Art nur an einzelnen, eng begrenzten Abschnitten zu finden ist. Werden Fließgewässer in klar voneinander trennbaren Vorkommen besiedelt, zwischen denen jeweils mindestens ein bis drei Kilometer Abstand besteht, sind auch diese als lokale Populationen zu werten. Schwierigkeiten bei der Abgrenzung bereiten mehr oder weniger kontinuierlich besiedelte Fließgewässer. Hier ist durch die Untersuchung der Exuvienverteilung (Verteilung der Häute des letzten Larvenstadiums) an den einzelnen Abschnitten jeweils zu prüfen, ob Lücken in der Verbreitung bestehen, die eine Unterteilung in mehrere lokale Populationen rechtfertigen.

Gefährdungsursachen

Die Hauptgefährdung der Grünen Flussjungfer geht von Gewässerausbau und –unterhaltungsmaßnahmen aus.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzungen beeinflussen die Fortpflanzungsgewässer der Grünen Flussjungfer indirekt durch Nährstoffeinträge und Gewässerverschmutzungen.

Nutzungsbedingte Gefährdungsursachen sind insbesondere:


  • Eutrophierung der Gewässer (direkte oder indirekte Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, ggf. auch aus Forst- und Fischereiwirtschaft), diese bewirken oft einen vermehrten Pflanzenbewuchs auf der Gewässersohle, der sich nachteilig auf die Bestände der Grünen Flussjungfer auswirkt
  • Dichte Ufergehölzbestände an schmalen, weniger als etwa 10 m breiten Fließgewässern; diese für die Grüne Flussjungfer nachteiligen Gehölzbestände bewirken eine hohe Beschattung der Gewässer und entstehen durch Aufforstungen, natürliche Bewaldung und Bepflanzungen z.B. im Rahmen von Gewässerrenaturierungen
  • Fischbesatz und Bewirtschaftung von Fließgewässerabschnitten v.a. mit nicht-einheimischen Arten
  • Übermäßige Gewässerverschmutzungen durch anorganische Stoffe wie Pestizide, Salze, Schwermetalle u.a.
  • Veränderungen der an die Fortpflanzungsgewässer angrenzenden Flächen (Lebensräume der Imagines) z.B. durch stärkere Nutzung, Grünlandumbruch

Sonstige

  • Wasserbauliche Maßnahmen (Gewässerausbau, Abflussregulierung, Ausbaggerung, Bau von Querbauwerken und Uferbefestigungen)
  • Gewässerunterhaltung, insbesondere Entnahme kiesig-sandiger Bodenmaterialien (Sohlräumungen)
  • Schiffsverkehr (Wellenschlag überspült schlüpfende Individuen und zerstört durch ständige Bodenumlagerung die Larvallebensräume)
  • Eventuell nicht-heimische Fraßfeinde (Neozoen) wie z.B. Signalkrebs
  • Bootssport und Freizeitnutzung, hierdurch Störung der Imagines sowie Veränderungen der Flusssohle durch Aufsetzen der Boote bei Niedrigwasser (vgl. Schorr 2000)

Überblick zum Status der Art

Synonyme Ophiogomphus serpentinus
Grüne Keiljungfer
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Ott & Piper 1998) 2 (stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Kalkman et al. 2010) LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit bisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – unzureichend; kontinentale Region: günstig