Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Für den Großen Feuerfalter liegen keine Ergebnisse aus Markierungsversuchen vor, die Aufschluss über Flugdistanzen ermöglichen. Allgemein wird die Art, insbesondere im Rahmen der aktuellen Ausbreitungstendenz als sehr flugfähig und mobil eingestuft. Settele (1998) kommt in seinem Modell in erster Näherung zu der Aussage, dass vermutlich 70 % der Individuen einer Population in der Lage sein dürften, 2 km zu erreichen und 40 % noch 5 km. Einschränkend wird für Mecklenburg-Vorpommern vermerkt, dass die Falter sich relativ ortsfest verhalten (Wachlin 2009).

Viele Vorkommen in Deutschland zeichnen sich zudem durch große Dynamik und starke Bestandsschwankungen aus. Loritz (2007) berichtet, dass im Queichtal (Pfalz) ein Gebiet von etwa 100 km2 überwacht wurde und 2004 zwischen beiden Generationen um 2/3 schrumpfte. Dieses Muster von lokalem bis regionalem Aussterben und anschließender Wiederbesiedlung wurde mehrfach beobachtet, so dass auf einen großen Flächenbedarf für langfristig überlebende Vorkommen geschlossen wird. Nach bisherigen Erfahrungen sind Lebensraumkomplexe, die kleiner als ca. 15 ha sind, meist nicht dauerhaft besiedelt. Sie stellen aber wichtige Bestandteile im größeren Verbund dar. Eine Ausnahme bilden Populationskerne im Saarland, die dauerhaft besiedelt sind, aber nur 2-5 ha umfassen.

Grundsätzlich wird zwischen Ausbreitungsphasen (wie derzeit) und Rückzugsphasen unterschieden. Dieser großräumige Zustand muss bekannt sein, da das Verhalten der Tiere in beiden Phasen unterschiedlich ist. Da die Ursachen der Bestandsschwankungen noch nicht bekannt sind, muss darauf gebaut werden, dass der Große Feuerfalter sich auf Lebensräume zurückziehen kann, in denen die großflächig wirkenden Auslöser des Rückgangs nicht oder nur abgeschwächt wirken (Loritz 2007).

Bei Leopold et al. (2006) wird eine Entfernung zwischen lokalen Populationen von 1-2 km angegeben. Im Saarland wird auf einen Richtwert von 650 m verwiesen, der in Ausbreitungsphasen etwas zu niedrig und in Rückzugsphasen etwas zu hoch ist.

Gefährdungsursachen

Der Große Feuerfalter ist durch die aktuelle Ausbreitungsphase in einer paradoxen Situation: Die Falter haben in den letzten Jahren zwar neue Flächen besiedelt, bei ungünstigen Bedingungen (bisher unbekannter Art) können diese aber noch schneller wieder verloren sein. Die Gefährdung des Großen Feuerfalters hängt weitgehend mit dem Verlust der Lebensräume der Raupen zusammen. Dabei sind bevorzugt Bestände betroffen, die den Fluss-Ampfer nutzen. Die anderen Ampfer-Arten kommen auch häufig und verbreitet im genutzten Feuchtgrünland vor. Dort muss dann eine Entwicklung der Raupen durch den Nutzungsrhythmus ermöglicht werden. Hier wird eine sehr hohe Sterblichkeit angenommen.

Land- und Forstwirtschaft

  • Nutzungsintensivierung oder Nutzungsänderung landwirtschaftlicher Flächen
  • Intensive Mahd (mehr- und tiefschürig)
  • Intensive Beweidung (Besatzdichten > 1,0 GVE/ha werden meist nicht mehr besiedelt)
  • Vereinheitlichung der Nutzung, dadurch Verlust von kleinen Nutzungsunterschieden und Landschaftselementen als Rendezvousplatz oder Raupenlebensraum
  • Aufforstung von Wiesenflächen (auch als Wanderhindernis und wegen Schattenwurf)
  • Grünlandumbruch (aber kleinräumige Störstellen sind andererseits hilfreich)
  • Rigorose Mahd oder Mulchen von Gewässerufern (Grabenpflege!)
  • Verlust von Weg- und Waldrändern, Graben- und Gewässerufern etc.
  • Verlust an weichen Bewirtschaftungsübergängen (sogenannten Ökotonen)
  • Erhöhung der Schlaggrößen (d.h. der Fläche der Bewirtschaftungseinheiten), Verringerung der Grenzlinien und Übergänge zwischen Nutzungsarten

Sonstige

  • Grundwasserabsenkung, Entwässerung und Eindeichung von Überflutungsbereichen an Gewässern (regional unterschiedlich, v.a. in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Teilen Baden-Württembergs)
  • Bach- und Flussbegradigung mit einhergehender Zerstörung des Uferbewuchses
  • Überbauung: Straßenbaumaßnahmen, Wohn- und Gewerbegebiete in Lebensräumen
  • Siedlungen stellen nach Erfahrungen aus dem Saarland deutliche Ausbreitungshemmnisse dar
  • Dauerhafter bzw. lang anhaltender Überstau der Lebensräume der Raupen (v.a. in Bezug zu Fluss-Ampfer in Mecklenburg-Vorpommern)
  • Nach Modellrechnungen besteht ein Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008)

Überblick zum Status der Art

Synonyme Polyommatus dispar var. rutilus, Chrysophanus dispar, Thersamonia dispar
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2009) LC (nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: günstig