Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Da Imagines der Art (Geschlechtsstadium) mehr als 100 km entfernt von den nächsten bekannten Fortpflanzungsgewässern beobachtet wurden (siehe  Ökologie & Lebenszyklus), ist von einer sehr guten Flugfähigkeit und einer zumindest jahrweise hohen Ausbreitungsdynamik auszugehen. Wie dauerhaft solche Besiedlungsversuche sind, ist jedoch bislang weitgehend unbekannt.

Außerhalb der Verbreitungsschwerpunkte (Brandenburg, südliches Mecklenburg-Vorpommern, Oberlausitz, Voralpines Hügel- und Moorland) liegen die Nachweise fast ausschließlich so weit voneinander entfernt, dass jedes einzelne Vorkommen als lokale Population zu werten ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele Fortpflanzungsgewässer der Großen Moosjungfer dynamischen Veränderungen unterworfen sind. Hierbei kann es sich um witterungsbedingte Wasserstandsschwankungen, um Veränderungen der Fischlebensgemeinschaften oder um gerichtete Veränderungen und Entwicklungen der Pflanzenbestände (Sukzession) handeln. Für das mittel- und langfristige Überleben einer lokalen Population ist daher ein einzelnes Fortpflanzungsgewässer i.d.R. nicht ausreichend. Vielmehr besteht der Lebensraum einer lokalen Population oft aus einer Gruppe von Gewässern, die je nach aktueller Eignung besiedelt werden. Zur Abgrenzung der lokalen Population ist somit die Betrachtung eines in einem bestimmten Jahr identifizierten Fortpflanzungsgewässers allein nicht ausreichend. Vielmehr müssen auch andere, potenziell zur Fortpflanzung geeignete Gewässer in der Umgebung in die Abgrenzung der lokalen Population mit einbezogen werden. Denn hierhin kann die Art ausweichen, wenn das ursprüngliche Fortpflanzungsgewässer aufgrund der oben genannten Veränderungen nicht mehr besiedelt werden kann.

In den Verbreitungsschwerpunkten (s.o.) sind zusammenhängende Gewässerkomplexe oder Moorgebiete mit jeweils Gruppen von Fortpflanzungsgewässern als lokale Populationen zu werten. Im Voralpinen Hügel- und Moorland sind diese meist gut gegenüber der Umgebung abgrenzbar, da die Moorgebiete oft isoliert liegen. Ein regelmäßiger Austausch zwischen den Gewässern dürfte hier aufgrund der Mobilität der Art auch bei einer Entfernung von einigen Kilometern stattfinden. In Gewässerkomplexen der ostdeutschen Verbreitungsschwerpunkte ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein regelmäßiger Austausch stattfindet und die betreffenden Vorkommen zu einer lokalen Population zusammengefasst werden können. Dabei sollte die Ausdehnung der lokalen Populationen durch die Erfassung von Exuvien (Larvenhaut) und Imagines an allen geeignet erscheinenden Gewässern im Umkreis von wenigsten einigen Kilometern um ein bekanntes Vorkommen abgeschätzt werden.

Gefährdungsursachen

Gefährdungsursachen für die Große Moosjungfer sind neben der Verlandung ihrer Fortpflanzungsgewässer infolge von Nährstoffeinträgen vor allem auch Veränderungen des Wasserhaushaltes sowie Fischbesatz.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Neben direkten und indirekten Nährstoffeinträgen aus land- und forstwirtschaftlichen Nutzungen stellen vor allem auch Veränderungen des Wasserhaushaltes wie Entwässerungsmaßnahmen Gefährdungsursachen für die Große Moosjungfer dar. Fischereiwirtschaftliche Nutzungen führen vor allem durch Besatzmaßnahmen zu Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsgewässer.

Nutzungsbedingte Gefährdungsursachen sind daher insbesondere:


  • Direkte oder indirekte Nährstoffeinträge in die Fortpflanzungsgewässer v.a. aus landwirtschaftlichen Nutzungen, hierdurch kommt es zu Veränderungen der Pflanzengemeinschaften und meist zu einer beschleunigten Verlandung der Fortpflanzungsgewässer
  • Zerstörung der Fortpflanzungsgewässer und beschleunigte Verlandung infolge von Entwässerung oder anderen Veränderungen des Wasserhaushaltes (z.B. Grundwasserspiegelabsenkungen)
  • Verfüllung von Kleingewässern
  • Veränderungen des Waldaufbaus in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer, z.B. durch Kahlschläge, Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich genutzte Flächen
  • Fischbesatz