Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Großen Hufeisennase ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Koloniegröße umfasst zwischen 30 und 200 (bis maximal 400) Tiere (Aulagnier et al. 2008). Die Große Hufeisennase wurde in den „Empfehlungen für die Erfassung und Bewertung von Arten“ von Schnitter et al. (2006) nicht berücksichtigt, da deutschlandweit lediglich eine Wochenstube dieser Art bekannt ist (Geiger 1996, LBV 2011). Diese Wochenstube umfasste im Jahr 2011 40 Weibchen und 30 Jungtiere (LBV 2011). Die Große Hufeisennase nutzt schwerpunktmäßig ein Wochenstubenquartier, daneben werden zusätzlich weitere Tages- und Nachtquartiere genutzt (Bontadina 2002, Duvergé 1996, Geiger 1996). Falls die Wochenstube mehrere Quartiere nutzt, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. innerhalb einer kleinen Ortslage). Alle Individuen eines solchen Verbundes wären demnach als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der möglichen Nutzung solcher Quartierverbunde und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich. Das Auftreten von Quartierverbunden bei der Großen Hufeisennase ist im Einzelfall möglich, bisher aber noch nicht bekannt.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Vorkommen einzelner Männchen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen einer Ortslage) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Je nach Winterquartiervorkommen bezieht sich die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

Die Große Hufeisennase verzeichnete in den 1950er Jahren in Deutschland starke Bestandseinbrüche, so dass es fast zum Aussterben der Art gekommen wäre. Der Einsatz von Insektiziden und Pestiziden sowie die Verwendung von Holzschutzmitteln gehören vermutlich zu den Hauptverursachern des drastischen Rückgangs der Art. Zudem stellen Lebensraumverluste, vor allem im siedlungsnahen Bereich, und Quartierverluste in Gebieten mit Vorkommen der Großen Hufeisennase aktuelle Gefährdungsursachen dar.

Land- und Forstwirtschaft

  • Lebensraumverlust durch Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Bewirtschaftungseinheiten, die zum Verschwinden von Hecken und Säumen führen und kleinräumig gegliederte, insektenreiche Kulturlandschaften zerstören
  • Lebensraumverlust durch Reduktion von Streuobstwiesen mit Anbindung an Dorf/Wald als verbindende Elemente zwischen Quartieren und Jagdgebieten (z.B. durch Rodung, Verbrachung)
  • Jagdgebietsverlust durch Aufgabe der Beweidung und durch starke Verbuschung
  • Jagdgebietsverlust durch Umbruch von Dauergrünland in Acker
  • Verringerung der Insekten durch Medikamenteneinsatz in der Viehhaltung (Entwurmung von Weidevieh, vgl. Petermann (2011))
  • Der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden in der Land- und Forstwirtschaft reduziert die Nahrungsgrundlage der Großen Hufeisennase und vergiftet die Tiere durch Anreicherung der Giftstoffe in ihren Körpern
  • Lebensraumverlust durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, stufenreicher und unterholzreicher Waldränder, lichter Wälder, Waldwiesen und durch Reduzierung der Länge der Wald-Offenlandgrenze sowie natürlicher oder naturnaher, breiter Gewässerrandstreifen mit Gehölzen und Einzelbäumen
  • Jagdgebietsverlust durch Reduktion naturnaher Laubwaldbestände mit Unterwuchs und inselartigen Lichtungen
  • Verringerung der Insekten- und Spinnenfauna in Wäldern und an Waldrändern durch Vereinheitlichung der Wälder (z.B. Verlust von Baumartenvielfalt und Anpflanzung nicht standortgerechter Gehölze (z.B. Douglasie (Goßner 2004)), durch Trockenlegung und Entwässerung und Verlust von Kleingewässern
  • Verlust der Nahrungsgrundlage und Beeinträchtigung der Gesundheit der Tiere (z.B. Schwächung, geringere Fruchtbarkeit) durch Insektizideinsatz auf intensiv genutzten Obstplantagen und im Weinbau

Sonstige

  • Lebensraumverlust durch Reduktion naturnaher, breiter Gewässerrandstreifen mit Gehölzen, Feldgehölzen, Hecken, Baumreihen, Alleen, mit Anbindung an Dorf/Wald als verbindende Elemente zwischen Quartieren und Jagdgebieten
  • Verlust von Quartieren durch Umnutzung bzw. nicht sachgemäße Sanierung von Winterquartieren
  • Veränderung des Umfeldes von Felsbildungen und unterirdischen Hohlräumen (Winterquartiere) im Wald durch Bodenverdichtung, Verfüllung, Freistellung, Aufforstung
  • Besonders starke Störung der Tiere durch ihr auffälliges, exponiertes Überwinterungsverhalten (frei hängend) durch touristische Nutzung im Winter in Höhlen, Kellern, (geregelter Tourismus: Besucherbergwerk; ungeregelter Tourismus: fehlende Absperrungen) oder durch unerlaubtes Befahren von Höhlen (Petermann 2011)
  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten im Siedlungsbereich durch nicht abgestimmte, unsachgemäße Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden/Feldscheunen und durch Verschluss/Verkleinerung der Einflugöffnungen, wodurch der freie Durchflug dann nicht mehr möglich ist
  • Quartierverlust durch Umnutzung oder Abriss von potenziellen Gebäudequartieren (Männchenquartiere etc.) im Wald
  • Quartierverlust durch den Einfluss von Räubern (insbesondere Steinmarder und Schleiereulen), da bei der Präsenz der Beutegreifer angestammte Quartiere gemieden werden. Da Große Hufeisennasen relativ große Einflugsöffnungen am Quartier benötigen (freie Durchflugsmöglichkeit), ist der Einfluss von Beutegreifern erhöht.
  • Zerschneidung der Jagdgebiete und Flugrouten sowie Erhöhung der Kollisionsgefahr durch den Bau von Verkehrswegen; hier besteht eine besondere Gefährdung aufgrund des langsamen, strukturgebundenen und niedrigen Fluges der Großen Hufeisennase

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig - schlecht