Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Gefährdungsursachen

Der Große Tümmler ist nicht nur in der Nordsee besonders durch Störungen ausgehend vom Schiffsverkehr und anderen menschlichen Aktivitäten sowie durch schleichende Vergiftung gefährdet. Weltweit gilt er nicht als gefährdet, doch steigt die Anzahl der Gebiete mit zurückgehenden Beständen. In ansonsten optimalen Lebensräumen scheint die Art gegen Unterwasserlärm weniger empfindlich zu sein, da in anderen Teilen der Welt zum Teil auch Industriehäfen zum regelmäßigen Jahreslebensraum gehören. Umso mehr dürften dort aber Umweltgifte die Fortpflanzung und die Gesundheit gefährden.

Für das Aussterben des Großen Tümmlers in der südöstlichen Nordsee könnte ein mit starkem Schiffsverkehr und einer Verbauung der Küste einher gehender Lebensraumverlust verantwortlich gewesen sein. So blieben z.B. die weit bekannten Großen Tümmler im niederländischen Marsdiep (von Januar bis Mai zwischen Den Helder und Texel) aus, nachdem vorausgegangene Abdeichungen die Frühjahrswanderungen des lokalen „Zuyder Zee-Herings“ zum Erlöschen gebracht hatten. Gleichzeitig sanken auch die jährlichen Strandungszahlen in den Niederlanden auf null ab (Camphuysen et al. 2006).

Fischereiwirtschaft

  • Eine Reduktion der Nahrungsfische, insbesondere der Heringe, kann dem Großen Tümmler lokal – und vermutlich auch überregional – die Lebensgrundlage entziehen, wie das niederländische Beispiel zeigt.
  • Darüber hinaus ist es möglich, dass Große Tümmler in Fischernetzen „beigefangen“ werden und darin umkommen, was zumindest an der US-amerikanischen Ostküste ein großes Problem darstellt.

Sonstige

  • Die Eindeichung von Ästuaren und natürlichen Flussläufen und ihren Nebenarmen sowie weitere Wasserbaumaßnahmen haben zu einer weitreichenden Lebensraumzerstörung im Bereich der Deutschen Bucht geführt.
  • Die Einleitung von Schwermetallen und langlebigen organischen Giften, wie z.B. polychlorierte Biphenyle (PCB) u.v.a.m., führen zu einer ständig anwachsenden Anreicherung, z.B. im Fettgewebe der relativ langlebigen Großen Tümmler, und können zu reduziertem Fortpflanzungserfolg und geschwächter Immunabwehr führen.
  • Starker Schiffsverkehr, wie z.B. in der südlichen Deutschen Bucht, führt zu einer ständigen Belastung durch fortwährende Störungen mit vielfältigen Nachteilen auch für das Sozialgefüge und in Folge dessen auch für den Fortpflanzungserfolg.

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 0 (ausgestorben, ca. 1970)
Rote Liste weltweit (www.iucnredlist.org/initiatives/europe) DD (Daten unzureichend)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) -