Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung der lokalen Population erfolgt nach Gruppen von Fledermäusen, die in einem lokalen Maßstab eine räumlich abgrenzbare Funktionseinheit (zu bestimmten Jahreszeiten) bilden, die wiederum für die Art von Bedeutung ist.

Als lokale Population der Großen Bartfledermaus ist im Sommer die Wochenstube anzusehen. Die Kolonie ist meist 20-120, manchmal auch bis zu 350 Weibchen groß (Taake 1992). Die Wochenstuben sind im Grundsatz einfach gegeneinander abgrenzbar und werden von Dietz et al. (2006) als Grundeinheit bei der Bewertung des Zustandes von Populationen angesehen. Die Große Bartfledermaus wechselt regelmäßig die Wochenstubenquartiere (Kraus 2004, Ohlendorf 1983). Nutzt eine Wochenstube mehrere Quartiere, so bezeichnet man die Gesamtheit der genutzten Quartiere als Quartierverbund. Im Regelfall ist dieser räumlich klar abgrenzbar (z.B. eine kleine Ortslage oder ein Waldgebiet). Alle Individuen eines solchen Verbundes sind als Angehörige einer lokalen Population anzusehen. Aufgrund der Nutzung von Quartierverbunden und der versteckten Lebensweise der Tiere, ist eine Ermittlung der Koloniegröße als lokale Population in der Regel nur durch eine fachgutachterliche Untersuchung möglich.

Neben den Wochenstuben sind im Sommer die Männchenvorkommen und im Spätsommer Gruppen von Männchen und Weibchen in Paarungsquartieren als lokale Population anzusehen. Diese sind meist verstreut verteilt und lassen sich aufgrund fehlender Kenntnisse der Quartiere nur schwer als lokale Population abgrenzen. Häufig ist die Abgrenzung nur über die Ermittlung geeigneter Lebensräume (z.B. alle Individuen in einer Siedlung) möglich.

Im Winter ziehen sich die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen in die Winterquartiere zurück. Da sich Tiere verschiedener Kolonien in einem Winterquartier versammeln können, entspricht die lokale Population im Winter nicht mehr der sommerlichen lokalen Population. Winterquartiere können sowohl während eines Winters, als auch im Verlauf der Jahre gewechselt werden. Daher bezieht sich je nach Winterquartiervorkommen die Abgrenzung der lokalen Population punktuell auf das einzelne Winterquartier oder auf den Raum eng (etwa < 100 m) beieinander liegender Winterquartiere.

Gefährdungsursachen

In den meisten Bundesländern geht man von einer Bestandsabnahme aus, ohne die genauen Gründe dafür zu kennen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Forstwirtschaft am meisten zum Schutz dieser Art beitragen kann, da die Große Bartfledermaus häufig in alten Waldbeständen jagend nachgewiesen wird und dort auch, wie in Siedlungen, ihre Quartiere hat.

Land- und Forstwirtschaft

  • Verlust von Flugrouten/Jagdgebieten sowie Isolierung von als Jagdgebiet geeigneten Waldgebieten durch Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen zu größeren Schlägen, die zum Verschwinden von Hecken, Säumen, usw. führen
  • Verschlechterung des Quartierangebotes durch Entnahme von stehendem Alt- und Totholz (z.B. Bäume mit Spaltenquartieren, Höhlenbäume)
  • Jagdgebietsverlust und Verringerung des Nahrungsangebotes durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, staunassen Bereichen, Mooren und Kleingewässern in Wäldern
  • Verlust von Flugrouten durch Reduktion natürlicher oder naturnaher, stufenreicher Waldränder
  • Verlust von Jagdgebieten, z.B. gebüschreichen, lichten Wäldern, Au-, Bruchwäldern und anderen feuchten Wäldern
  • Der Einsatz von Insektiziden in Wäldern zur Bekämpfung von Forstschädlingen minimiert die Nahrungsgrundlage der Große Bartfledermaus und vergiftet die Tiere durch Anreicherung der Wirkstoffe in ihren Körpern
  • Hindernis/Verletzungsgefahr bei der Jagd an mit Netzen überspannten Fischteichen

Sonstige

  • Verlust von Quartieren und Quartiermöglichkeiten in Siedlungen durch nicht abgestimmte Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an Gebäuden und durch Beleuchtung von Gebäudequartieren
  • Vergiftung der Quartiere durch Holzschutzmittelbehandlungen