Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Häufig konzentrieren sich die Falter innerhalb der besiedelten Waldgebiete auf bestimmte Flächen, die als Lebensraum geeignet sind, also lichte Baum- oder Strauchbestände mit reicher Grasschicht und ausreichender Luftfeuchte. Zwischen diesen wechseln sie vermutlich, so dass erst in einem großräumigeren Flächenzusammenhang von lokalen Populationen gesprochen werden kann. Diese Flächen lassen sich oft auf aktuellen Satelliten- oder Luftbildern abgrenzen, da dichte Waldbestände, die nicht besiedelt werden, problemlos zu erkennen und von den typischen Lebensräumen gut zu unterscheiden sind.

Bei Fang-Wiederfang-Versuchen in Schweden und Tschechien wurden zwar sehr geringe durchschnittliche Flugdistanzen festgestellt. Die Werte lagen bei den Männchen bei ca. 50 bis 170 m, bei den Weibchen bei ca. 100 m. Die längste beobachtete Flugdistanz betrug jedoch 2.750 m bei einem Männchen und 1.930 m bei einem Weibchen. In Schweden waren geeignete Lebensräume unabhängig von der Flächengröße nicht besiedelt, wenn sie mehr als 1980 m von einem besiedelten Bereich entfernt waren. Nahezu alle Bereiche, in denen drei oder mehr Individuen nachgewiesen wurden, lagen maximal 740 m von der nächsten Teilpopulation entfernt.

Damit kann angenommen werden, dass bei günstigen Bedingungen bis zu Entfernungen von 700 bis 2.000 m zwischen den Vorkommen ein Austausch besteht. Diese Vorkommen sind deshalb als lokale Population anzusehen, bei ungünstigen Bedingungen (z.B. kleine oder isolierte Vorkommen) müssen geringere Entfernungen angenommen werden. Weiter entfernt auftretende Einzelindividuen sind schwierig einzuordnen. Sie können sowohl auf wandernde Einzeltiere als auch auf sehr individuenarme Vorkommen hinweisen. Letzteres ist gerade beim Gelbringfalter bekannt und muss daher berücksichtigt werden.

Gefährdungsursachen

Der Lebensraum des Gelbringfalters ist der lichte Wald mit ausgeprägter Grasschicht ohne Nährstoffeinträge oder -anreicherungen. Solche Waldtypen werden durch die aktuellen forstlichen Leitbilder nicht erhalten.

Land- und Forstwirtschaft

  • Aufgabe historischer Waldnutzungen (insbesondere Austragsnutzungen wie Mittelwald, Waldweide, Klein-Kahlschlagswirtschaft, Streumahd). Nur zum Teil werden bestehende Vorkommen des Gelbringfalters sachgerecht gepflegt
  • In vielen Wäldern nahezu flächendeckende Umsetzung des „naturnahen“ Waldbaus mit Plenterung, Femelhieb, Einzelstammentnahme und ähnlichen Nutzungsprinzipien, die keine Lebensräume für L. achine entstehen lassen und in besiedelten Gebieten zumindest mittelfristig zum Erlöschen führen
  • Fehlende Dynamik in allen Wäldern, als Folge ergibt sich eine schleichende Verdichtung der Kronenschicht und der Verlust des Fortpflanzungs-Lebensraums
  • Aufforstung, Unterbau bzw. Bepflanzung von Lebensräumen mit Baumarten dichter Waldgesellschaften (z.B. Edellaubholz, Rotbuche, etc.)
  • Durchwachsen der Wälder, da keine Unterbrechung der Entwicklung und Veränderung der Pflanzendecke mehr stattfindet. Dadurch fehlt der Neubeginn mit frühen Entwicklungsstadien. Dies ist der Grund für das Verschwinden der Art in Rheinland-Pfalz
  • Fehlende Waldrandgestaltung mit grenzlinienreichen Übergängen. Ideal sind Übergänge von beweideten Streuwiesen über breite Waldränder in lichte Wälder – der gesamte Lebensraumkomplex wird schwach beweidet
  • Fehlende breite Randstreifen an Waldwegen, die offen gehalten werden
  • Vermutlich von geringer Bedeutung: Einsatz von Spritzmitteln in Wäldern, da die Art als Grasfresser vermutlich weniger stark betroffen ist als die Pflanzenfresser der Strauch- und Baumschicht
  • Anpflanzung von Bäumen in dichten Beständen, z.B. Edellaubholz nach Sturmschäden

Sonstige

  • Fehlen naturschutzorientierter bzw. forstwirtschaftlicher Förderinstrumentarien, die zu den spezifischen Lebensraumansprüchen des Gelbringfalters passen
  • Nach Modellrechnungen besteht ein Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Klare Anhaltspunkte aus der Geländebeobachtung auf grundlegende Auswirkungen des Klimawandels liegen jedoch nicht vor, es sind jedoch auch keine gezielten Untersuchungen erfolgt. Einziger Hinweis sind aktuelle, relativ hoch gelegene Nachweise von einzelnen Faltern in den Bayerischen Alpen (bis ca. 1.600 m, Geyer & Dolek in Vorb.). Dies kann aber auch an der besseren Durchforschung liegen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2010) VU (gefährdet)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011 -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht, alpine Region: günstig