Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Insgesamt gilt die Geburtshelferkröte als nicht besonders wanderfreudig – insbesondere die Alttiere bleiben an den angestammten Plätzen. Da die Art überwiegend verinselt vorkommt, sind Rufergruppen leicht abgrenzbar. Diese halten sich zumeist im nahen Umfeld der Larvalgewässer auf (ca. bis 150 m um den Laichplatz, maximal 2 km). In Abgrabungen existieren u.U. viele Laichplätze und ausgedehnte Rufer-Kolonien. Hier sind oft große bis sehr große Populationen (> 100, bis mehrere hundert ausgewachsene Tiere) anzutreffen.

Trotz ihrer Ortstreue ist die Art in der Lage, auch innerhalb kurzer Zeiträume, neue Lebensräume zu besiedeln – sofern sie nicht weiter als 1,5 km entfernt liegen (Ryser et al. 2003). Ausnahmsweise werden auch Distanzen von bis zu 2,5-3 km überwunden. Die Ausbreitungsfähigkeit dürfte aber von der Beschaffenheit des Umfeldes und der Größe der Vorkommen beeinflusst werden: Laan & Verboom (1990) stellten z.B. für die südlichen Niederlande fest, dass die Geburtshelferkröte dort neu geschaffene Gewässer nur im Umkreis von 500 m besiedelte.

Nach Schmidt (2006) gelten Entfernungen zwischen Vorkommen von 1.000-2.500m noch als gute Vernetzung. Anderen Experten zufolge ist auf jeden Fall von einer schlechten Vernetzung und somit von getrennten lokalen Populationen auszugehen, wenn der Lebensraum eines intakten Vorkommens mehr als 1.500 m vom nächsten Vorkommen entfernt liegt. Bei kleinen Vorkommen (< 10 Rufer) sind die Vorkommen, die weiter als 500 m voneinander entfernt sind, nach Expertenmeinung als schlecht vernetzt einzustufen.

Gefährdungsursachen

Die Geburtshelferkröte ist hauptsächlich durch Lebensraumverluste, Veränderungen im Bereich der Laichgewässer und Verinselung der Einzelvorkommen gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen der Land-, Forst- und Teichwirtschaft können sich nachhaltig auf Vorkommen der Geburtshelferkröte auswirken:


  • Beseitigung der Gewässer
  • Fischbesatz in bisher ungenutzten Gewässern
  • Verlanden der Gewässer durch erhöhte Nährstoffeinträge und aufkommendes Röhricht bzw. Gehölze
  • Intensivierung der fischereilichen Nutzung der Gewässer z.B. durch erhöhten Besatz oder Umstellung der Haltung von Fried- auf Raubfische
  • Aufgabe der Landnutzung und Verbuschung/Wiederbewaldung der Landlebensräume
  • Verlust von wichtigen Lebensraumelementen: Lesesteinhaufen, Trockenmauern, Wegböschungen, Rohbodenstandorte, Kleingewässer, lichte und offene Bereiche im Wald
  • Umbruch von Grünland in Ackerland, Umwandlung von Weideland in Vielschnittwiesen
  • Aufforstungen sonnig warmer Hänge und Böschungen im direkten Umfeld von Kleingewässern
  • Kalkung im Wald. Dadurch ergibt sich eine zusätzliche Düngewirkung und der Aufwuchs von Stauden und Gehölzen wird an Wegeböschungen, Schonungen und Lichtungen beschleunigt

Sonstige

  • Zunehmende Verinselung der Vorkommen (durch forstlichen und landwirtschaftlichen Wegebau, Verlust kleiner Vorkommen insgesamt)
  • Zerstörung und Umnutzung von Dorf- und Hofteichen, Beseitigung von Lebensraumelementen (Aufräumen) in Dörfern und auf Höfen (Trockenmauern, Steinhaufen, Gerümpel)
  • Sanierung von Mauern (Verfugen der Ritzen)
  • Straßenbau, Ortserweiterungen, zunehmende Versiegelung im Bereich ländlicher Siedlungen
  • Verfüllung und Rekultivierung von Abgrabungen
  • Konzentration des Rohstoffabbaus auf wenige Stellen (Verlust von Kleinabgrabungen)
  • Zunahme der Abbaugeschwindigkeit, ungeeignete Abbauregimes in Abgrabungen, z.T. bewusste Beseitigung von Larvalgewässern
  • Unterhaltungsmaßnahmen an naturnahen Fließgewässern, die als Larvalgewässer genutzt werden bzw. genutzt werden könnten
  • Chytridiomykose (Lesen Sie mehr zu den Auswirkungen der neuartigen Pilzerkrankung unter „ Gefährdungsdispositionen Amphibien“)

Überblick zum Status der Art

Synonyme Fesslerkröte, Glockenfrosch, Läutefrosch, Klinkerkröte, Steinklinke, Steinkrötle, Möhnli, Steinunke, Aschgraue Kröte, Eiertragende Kröte
FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – schlecht