Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Abgrenzung einer lokalen Population ist beim Fischotter sehr schwierig, da Wurfbaue großräumig nur sehr schwer zu finden sind und die Tiere über große Aktionsradien verfügen (z.B. Kranz 1995, Anonymus 1999) (siehe  Ökologie & Lebenszyklus). Als Mindestgröße eines von einer Population des Fischotters dauerhaft besiedelbaren Landschaftsraumes werden Gebiete mit einer Fläche ab 7.500 km2 mit zusammenhängenden und vernetzten Oberflächengewässern angegeben (Dolch & Teubner 2006). Bereits einzelne Individuen können eine große Bedeutung für den Bestand eines Vorkommens oder eine erfolgreiche Wiederbesiedlung insbesondere im Bereich der Arealgrenzen haben, da über diese neue Räume besiedelt werden (Ausbreitungsmöglichkeit über Vernetzung und Biotopverbund). Weil die Art nur in geringen Dichten vorkommt, haben Einzelvorkommen eine eigenständige Bedeutung. Die Abgrenzung einer lokalen Population erfolgt hilfsweise bei Fließgewässern über eine Uferstrecke von mindestens 10 km Länge um einen Nachweis bzw. Nachweisraum (Trittsiegel, Markierungen/Losungen, Sichtbeobachtungen, Bau) herum. Örtliche Teichgruppen und -gebiete mit einer Ausdehnung von mindestens 5 km² werden ebenfalls als lokale Population definiert.

An der Arealgrenze bzw. in bislang vom Otter unbesiedelten Lebensräumen ist nach Expertenabstimmung von einer lokalen Population dann auszugehen, wenn sich ein Tier in einem Gebiet angesiedelt hat. Dies ist dann der Fall, wenn ein Nachweis eines Otters mit Jungtier(en) vorliegt, oder wenn mehrere bestätigte Hinweise oder Nachweise (Trittsiegel, Markierungen/Losungen) über einen Zeitraum von einem halben Jahr in einem Gebiet gelungen sind.

Gefährdungsursachen

Der Fischotter ist vor allem durch Habitatzerstörung (Zerschneidung) und das Verenden in Fischreusen sowie durch verkehrsbedingte Verluste gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

  • Verenden in Fischreusen
  • Gewässerbelastung durch Chemikalien aus Land- und Forstwirtschaft
  • Lebensraumverlust durch Entwässerung für land- und forstwirtschaftliche Nutzung
  • Gewässerunterhaltung im Uferbereich (Verlust von Versteckmöglichkeiten)
  • Intensivierung der Teichwirtschaft mit Zäunung und Vergrämung

Sonstige

  • Zerstörung des Lebensraumes (Gewässerausbau, Bau von Siedlungs- und Gewerbeflächen in Auenstandorten)
  • Landschaftsfragmentierung durch Verkehrswegebau
  • Verkehrsbedingte Verluste durch Straßen und Schienenverkehr
  • Verlandung von Teichen nach Aufgabe der Nutzung
  • (Illegale) direkte Verfolgung durch den Menschen

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) In hohem Maße verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – unzureichend, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: unbekannt