Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Für den Feldhamster wird die lokale Population spezifisch über die Vorkommenssituation im jeweiligen Landschaftsraum definiert. Bedeutend ist zunächst das Vorhandensein landwirtschaftlich genutzter fruchtbarer, tiefer Böden. Zwar nutzen Feldhamster ihren Lebensraum meist nur kleinräumig (mittlerer Aktionsraum: Männchen 1-2 ha, Weibchen 0,1-0,4 ha, aus Weinhold & Kayser 2006), jedoch müssen für die langfristige Sicherung von Feldhamster-Beständen bei Weitem größere Räume zur Verfügung stehen. Basierend auf Fang-Wiederfang- und Telemetriestudien, in denen individuell maximal zurückgelegte Entfernungen von bis zu 1 km (durchschnittlich 366 m) festgestellt wurden (Weinhold 2008, Weidling 1996, Weidling & Stubbe 1997, Kayser 2002), wird die lokale Population mit einem Radius von 500 m um den Bau bzw. die Baue abgegrenzt („dynamische Abgrenzung der lokalen Population“). Dies bedeutet, dass bei einer maximalen Entfernung von 1.000 m Ansiedlungen des Feldhamsters noch zu einer lokalen Population zählen, soweit nicht andere Barrieren (s.u.) ihre Ausdehnung beschränken. Durch diese Abgrenzung kann gewährleistet werden, dass abwandernde Jungtiere angrenzend an bestehende Ansiedlungen der Art i.d.R. freie, besiedelbare Flächen erreichen können. Da Feldhamster-Ansiedlungen in ihrer Verbreitung von der jeweils angebauten Feldfrucht abhängen, sollten nicht nur aktuelle Anzeichen einer Besiedlung berücksichtigt werden, sondern, falls vorhanden, auch Daten bis zu einem Alter von fünf Jahren herangezogen werden, um lokale Populationen abzugrenzen. In großräumigen, strukturell zusammenhängend geeigneten Lebensräumen wie in Ostdeutschland und Niedersachsen erfolgt die Abgrenzung außerdem entlang bestehender Barrieren wie Straßen (ab 3 Spuren insgesamt), Siedlungsräumen, geschlossenen Wäldern, Schienenwegen, Flüssen, Kanälen mit verspundeten Ufern und Wasserstraßen. In Bundesländern mit noch bestehenden flächigen Großpopulationen (Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen), in denen einzelne Ansiedlungen der Art auch über weitere Entfernungen (bis zu 2 km) im Austausch stehen können, ist auch eine Abgrenzung der lokalen Population in Ausnahmefällen über administrative Grenzen (Landkreise) denkbar. In West- und Süddeutschland (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern) sind die Vorkommen so klein und durch Barrieren so stark zerteilt, dass jedes Vorkommen schon eine lokale Population darstellt.

Gefährdungsursachen

Der Feldhamster ist besonders durch den Verlust von Lebensräumen und durch nicht hamstergerechte Bewirtschaftungsweisen gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

  • Intensivierung der Landwirtschaft (höhere Bearbeitungsintensität und -häufigkeit, schnellere Arbeitsfolge, Vergrößerung der Schläge, Vorverlegung des Erntezeitraums, zu tiefes Pflügen)
  • Veränderung und Verarmung des Fruchtartenspektrums (Rückgang des Getreideanbaus zu Gunsten von Sonderkulturen und Hackfrüchten etc., großflächiger Anbau von Energiepflanzen (Mais, Raps etc.), Rückgang bzw. in einigen Bereichen Verschwinden mehrjähriger Feldfutterkulturen)
  • Bodenbearbeitung direkt nach der Ernte (erschwertes Eintragen von Wintervorräten für den Feldhamster, Sammeltrieb beginnt erst nach der Fortpflanzungszeit; erhöhter Jagddruck durch Fuchs, Marderartige, Tag- und Nachtgreifvögel und freilaufende Haustiere aufgrund fehlender Deckung am Boden)
  • Einsatz von Bioziden und Düngemitteln ohne Prüfung der Auswirkungen auf den Feldhamster, dadurch auch Verlust der Vielfalt an pflanzlicher und tierischer Nahrungsbasis
  • Flurbereinigung (Zerstörung von Böschungen und ungenutzten Kleinflächen)
  • Einsatz von Rodentiziden
  • Verlust von Hamsterlebensräumen z. B. durch Aufforstung

Sonstige

  • Verlust des Lebensraumes (z.B. Siedlungsbau, Bau von Gewerbegebieten, Industrieanlagen, Abgrabungen z.B. von Sand- und Kies)
  • Fragmentierung/Verinselung durch Verkehrswegebau
  • Prädationsdruck bei zeitweise mangelnder Deckung auf großflächigen Monokulturen und regional nur gering vorhandenem anderen Nahrungsangebot für Räuber (regional selektiver Prädationsdruck auf Feldhamster möglich)
  • Isolation von Teilpopulationen, kleine Vorkommen sind anfälliger für „zufälliges“ Aussterben

Überblick zum Status der Art

FFH -Richtlinie IV
Rote Liste Deutschland (Meinig et al. 2009) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (Temple & Terry 2007) LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Meinig et al. 2009) In besonderem Maße für die westrheinische Population verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – schlecht