Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Männchen weisen ein ausgeprägtes Territorialverhalten auf. Häufig nutzen sie Jungeschen, Ligusterbüsche oder andere erhöhte Pflanzen als Ansitzwarte (Drews 2003). Allgemein ist der Eschen-Scheckenfalter dafür bekannt, dass die Populationen starke Schwankungen aufweisen, die in den letzten 10 Jahren im Steigerwald eine Größenordnung um den Faktor 10 betrugen. Dieses Phänomen mit der üblicherweise sehr verstreuten Verteilung geeigneter Lebensräume führt zu einem hohen Raumbedarf des Eschen-Scheckenfalters, der je nach Verteilung geeigneter Lichtungen sehr unterschiedlich ausfallen kann und meist mehrere hundert Hektar beträgt (Modellrechnungen bei Freese et al. 2006). Flugentfernungen sind durch indirekte Nachweise bis etwa 2-3 km bekannt, treten aber vermutlich nur sehr selten auf. Durch Markierungsversuche in Tschechien sind lediglich Bewegungen bis ca. 1 km beobachtet worden, die mittleren Flugdistanzen liegen bei ca. 100-250 m (Konvicka et al. 2005). Bei Leopold et al. (2006) findet sich die Angabe, dass als Gesamtbestand z.B. besiedelte Teilflächen zusammengefasst werden, die nicht weiter als 0,5 km auseinander liegen und nicht ausschließlich durch unüberwindbare Nichtlebensräume voneinander getrennt sind.

Mit einer lokalen Population kann daher ab einer Entfernung von ca. 250-1.000 m gerechnet werden.

Gefährdungsursachen

Das Hauptproblem für den Eschen-Scheckenfalter ist die Erhaltung seines besonderen Lebensraums. Bestände, in denen er sich besonders wohl fühlt, entsprechen nicht den aktuellen Vorstellungen eines forstwirtschaftlich genutzten Waldes. Ohne Nutzungen, die die Lichtigkeit erhalten und fördern, oder natürliche Ereignisse, die diesen Effekt haben, ist der Lebensraum schnell verloren. Solche Waldbewirtschaftungen wurden aber weitgehend verdrängt, natürliche Ereignisse, die dynamische Entwicklungen in Gang setzen, weitgehend ausgeschaltet.

Land- und Forstwirtschaft

  • Aufgabe der Mittel- und Niederwaldwirtschaft, welche durch die Hiebszyklen für eine regelmäßige Auflichtung der Bestände sorgt
  • Ausdehnung der Hochwaldwirtschaft auf Kosten jeglicher lichter Wälder
  • Aufforstung geeigneter Lebensräume mit Gehölzen
  • Verlängerung der Hiebszyklen in Mittelwäldern auf über 30 Jahre, wodurch ein Mangel an lichten Beständen entsteht
  • Rückgang der Lebensräume durch Waldrandbegradigungen an kleinklimatisch inneren Waldrändern, Ausdehnung der Waldfläche auf Kosten von Waldwiesen, Weide- und Graswirtschaft auf Waldwiesen nach wirtschaftlichen Gesichtpunkten und bis nahe an den Waldrand
  • Zerstörung der Lebensräume durch Entwässerung und Grundwasserabsenkung auch im Wald
  • Allgemein Mangel an jungen Waldstadien und vielfältiger Waldinnengestaltung mit Binnensäumen
  • Allgemein Aufgabe lichtungsschaffender Waldbewirtschaftung (z.B. kleine Kahlhiebe von 1-2 ha)
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Wäldern (z.B. Einsatz des Häutungshemmers Dimilin bei Massenvermehrungen von verschiedenen Nachtfalterarten); der Einsatz führte 1993/1994 beinahe zum Erlöschen von Vorkommen des Eschen-Scheckenfalters im Steigerwald (Bolz 1995)
  • Nutzungsaufgabe oder Nutzungsänderung in mosaikartigen Lebensräumen aus wenig genutzten Wiesenstreifen und Baumhecken mit Eschen
  • Mahd oder Beweidung auf Wiesen in mosaikartigen Lebensräumen während der Puppenruhe oder vor bzw. während der Falterflugzeit
  • Aufasten von Eschen
  • Fehlen der Nutzungsvielfalt und Aufbau scharfer Nutzungsgrenzen

Sonstige

  • Anreicherung von Nährstoffen und floristische Veränderung durch jagdliche Aktivitäten auf Waldlichtungen (Wildäcker, Kirrplätze, Futterstellen)
  • Verhindern der natürlichen Dynamik (z.B. Fließgewässerdynamik in Auenlandschaften, Entwicklung der Pflanzendecke in entstehenden Lücken)
  • Bodenverbesserung und Aufschüttung/Überbauung
  • Rückgang natürlicher Auenstandorte, Eingriffe in den Wasserhaushalt
  • Mangel an Raupennahrungspflanzen im Frühjahr; dieser Faktor scheint die Vorkommen im Steigerwald trotz sonst guter Lebensraumbedingungen relativ klein zu halten (Freese et al. 2006)
  • Seltene Zufalls-Ereignisse, die kleine („vorgeschädigte“) Vorkommen zum Erlöschen bringen können: insbesondere ein ungünstiger Witterungsverlauf wie anhaltender Regen während kritischer Phasen oder orkanartige Stürme, welche das Abreißen der Nester verursachen (beides Ereignisse, die im Rahmen des Klimawandels in den letzten Jahren häufiger wurden)
  • Das aktuelle Eschentriebsterben verändert möglicherweise die Situation potenzieller Wirtsbäume, da geeignete (exponierte) Eschentriebe absterben (auch ganze Bäume). Geschädigte Eschen treiben häufig am Stamm aus und bilden dort ein dichtes Blätterwerk mit insgesamt stark vertikal ausgerichteter Triebstruktur. Es wurden auch bereits Gespinste an absterbenden Trieben gefunden, denen damit die Nahrungsgrundlage entzogen wird
  • Nach Modellrechnungen besteht ein niedriges Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Aus der Geländebeobachtung ist vor allem die Abhängigkeit von der Luftfeuchte auffällig. Die Luftfeuchte wird sowohl durch menschliche Eingriffe als auch das grundlegende Klima und seine Schwankungsbreite beeinflusst. Das Erlöschen der letzten Vorkommen im Vorland der Schwäbischen Alb wird auf trockener werdende Bedingungen zurück geführt

Überblick zum Status der Art

Synonyme Hypodryas maturna L., Melitaea maturna L., Euphydrias maturna L., Eurodryas maturna L., Eschenfalter, Kleiner Maivogel, Maivogel
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) 1 (Vom Aussterben bedroht)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2010) VU (gefährdet)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Kontinentale Region: ungünstig – schlecht