Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Zur Abgrenzung einer lokalen Population des Eremiten lässt sich die räumliche Verteilung besiedelter Bäume heranziehen. Einzelne Baumindividuen sind im Fall des Eremiten als Teilvorkommen eines größeren vernetzten Vorkommens anzusehen, da nur ca. 15 % der Individuen eines Baumes diesen verlassen (Ranius & Hedin 2001). Die durch die Flüge überwundenen Distanzen reichen meist nur bis zu 200 m (Hedin et al. 2008), in seltenen Fällen wohl höchstens 1 bis 2 km. Daher sind alle besiedelten Bäume und deren Umgebung bis zu 500 m Entfernung als Gebiet der lokalen Population anzusehen.

Für detaillierte Informationen zur Bewertung der Erhaltungszustände der Vorkommen des Eremiten siehe Stegner (2004, 2006).

Gefährdungsursachen

Der Eremit ist vor allem durch den Verlust oder die Entwertung von Bäumen gefährdet, die aufgrund ihres Alters eine Höhle im Innern ausgebildet haben.

Forstwirtschaft

  • Verlust/Entwertung von alten, lichten Laubwaldbeständen (v.a. Eichen- und Buchenwälder) mit hohen Alt- und Totholzanteilen (Umbau in wenig gegliederte Bestände z.B. Nadelwälder), großflächige Kahlhiebe (größer als 0,3 ha)
  • Verkürzung der Umtriebszeit von Laubbäumen (v.a. Eiche) auf unter 200 Jahre, dadurch keine Entstehung potenzieller Brutbäume
  • Verlust von potenziellen Brutbäumen mit Mulmhöhlen durch Entnahme von Höhlenbäumen sowie alten oder kranken Bäumen
  • Entnahme besiedelter (auch toter) Bäume
  • Verinselung durch Verlust an Lebensraumelementen und Verbindungswegen
  • Starke Beschattung potenzieller Brutbäume (insbesondere Eichen) durch zunehmenden Jungwuchs (z.B. durch Aufgabe der Hudewaldwirtschaft, Nutzungsänderung)
  • Verschlechterung der besiedelten Lebensräume durch Einsatz von Bioziden in Laubmischwäldern und Parkanlagen

Sonstige

  • Entfernung von Brutbäumen durch Straßenbau und Baumpflege (Verkehrs- bzw. Wegesicherung)
  • Anthropogen verursachte Grundwasserstandsänderungen (Altbäume reagieren empfindlich)
  • Verlust von Altbaumbeständen durch Hochwasserschutzmaßnahmen („Abflusshindernis“, vermutete Gefahr für Deichstabilität, fehlende Nachpflanzungen)
  • Entfernung von Altbaumbeständen durch Baumaßnahmen
  • Verlust von Altbaumbeständen durch Bergbauvorhaben
  • Aufgabe der Kopfweidennutzung zur Korbflechterei (regional)
  • Verlust von alten Streuobstwiesen

Überblick zum Status der Art

Synonyme Juchtenkäfer
FFH -Richtlinie II, IV, prioritäre Art
Rote Liste Deutschland (Geiser 1998) 2 (stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Nieto & Alexander 2010) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit bisher keine Bearbeitung
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013