Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Da der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling als sehr standorttreu gilt, können Vorkommen als lokale Population bezeichnet werden, die weniger als 400-500 m voneinander entfernt liegen und nicht durch kaum überwindbare Hindernisse (z.B. Siedlungen oder stark befahrene Straßen) voneinander getrennt sind (Leopold et al. 2006). Allerdings können ungeeignete Lebensräume (Äcker, stark genutztes Grünland, Hecken und auch Wälder) mitunter überwunden werden und einzelne Tiere mehrere Kilometer weite Strecken zurücklegen (Stettmer et al. 2001).

Gefährdungsursachen

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist besonders durch ungünstige Landnutzung im Grünland gefährdet. Eine besondere Gefährdung geht von einer vermehrten Düngung und von Nährstoffeinträgen in Verbindung mit der Entwicklung von Vielschnittwiesen aus. Solange die Mahd noch ein- bis zweischürig erfolgt, kann ein ungünstiger Zeitpunkt der Mahd eine entscheidende Gefährdungsursache sein. Auf den häufig genutzten jüngeren Brachen ist eine zu lange ausbleibende Nutzung wichtigster Gefährdungsfaktor.

Land- und Forstwirtschaft

  • Mahd in der Zeit der oberirdischen Entwicklung von Eiern und Jungraupen oder kurz vor bzw. während der Flugzeit, da dann keine Blütenköpfe für die Eiablage zur Verfügung stehen. Der Zeitraum hierfür ist regional unterschiedlich
  • Mahd von Randstreifen, Grabenrändern, Straßenrändern u.ä. während oder kurz vor der Zeit der oberirdischen Entwicklung (Anmerkung: Dauernde Brache führt mittelfristig zur Entwertung dieser Rückzugsräume, jüngere Brache ist dagegen sehr wertvoll)
  • Verlust von Bracheanteilen
  • Verlust von Randstrukturen durch die Zusammenlegung von Flächen
  • Nutzungsänderung (z.B. häufigere Mahd, stärkere Düngung, Trockenlegung, Beweidung in höherer Dichte) oder Nutzungsaufgabe
  • Der Einsatz schwerer Maschinen kann auf anfälligen (v.a. organischen) Böden zur Bodenverdichtung führen, die sich wiederum negativ auf die Wirtsameise auswirkt. Zudem stellen mechanische Egalisierungsverfahren wie Walzen oder Schleppen eine Bedrohung dar, wenn sie zu häufig im Jahr und v.a. während der Wachstumsperiode erfolgen
  • Mehr als zweischürige Mahd, Umwandlung in Vielschnitt-Wiesen, in nicht mehr gut vernetzten Vorkommens-Gebieten ist ein falscher Mahdzeitpunkt auch bei ein- bis zweischüriger Mahd das gravierendste Problem
  • Mulchen, je nach Zeitpunkt, Häufigkeit und Wüchsigkeit des Standortes
  • Übermäßige Düngung, bei düngerfreier Wirtschaft kann aber, je nach Standort, die Raupennahrungspflanze (Sanguisorba officinalis) an Vitalität einbüßen
  • Beweidung in hoher Dichte schädigt die Raupennahrungspflanze und kann im Einzelfall zu Bodenverdichtung führen. Auch extensive Beweidung (z.B. einmaliger Durchtrieb einer Schafherde) zur Flugzeit kann zu einem Komplettausfall des Wiesenknopfs führen, weil die Blütenköpfe als bevorzugte Futterpflanze gezielt befressen werden
  • Umbruch von Grünland in Ackerland
  • Aufforstung von Wiesenflächen

Sonstige

  • Flächenverlust z.B. durch Infrastruktur (Straßen, Siedlungen, Gewerbeflächen) und begleitende Maßnahmen (z.B. Begrünung)
  • (falsche) Unterhaltung von Deichen, Gräben und Straßenrändern
  • Nach Modellrechnungen besteht ein sehr hohes Risiko durch den Klimawandel (Settele et al. 2008). Klare Anhaltspunkte aus der Geländebeobachtung auf grundlegende Auswirkungen des Klimawandels liegen jedoch nicht vor, es sind jedoch auch keine gezielten Untersuchungen erfolgt

Überblick zum Status der Art

Synonyme Glaucopsyche nausithous, Phengaris nausithous, Lycaena arcas, Schwarzblauer Ameisenbläuling, Dunkler Moorbläuling
FFH -Richtlinie II, IV
Rote Liste Deutschland (Reinhardt & Bolz 2011) V (Vorwarnliste)
Rote Liste Europa (van Swaay et al. 2009) NT (Vorwarnliste)
Verantwortlichkeit (Reinhardt & Bolz 2011) -
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß  Nationaler Bericht 2013 Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: ungünstig - unzureichend